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FLÜELI-RANFT: In Lucia Omlin steckt ein Cowgirl

Im Alltag wälzt sie Akten und leitet Sitzungen. Am Sonntagabend wird aus Kantonsrätin und Rechtsanwältin Lucia Omlin aber ein Cowgirl.
Hat die Büroklamotten mit der Stallkluft getauscht: Lucia Omlin beim Füttern ihrer Tiere. (Bild Corinne Glanzmann)

Hat die Büroklamotten mit der Stallkluft getauscht: Lucia Omlin beim Füttern ihrer Tiere. (Bild Corinne Glanzmann)

Marion Wannemacher

Geduldig und mit sanftem Nachdruck schiebt Lucia Omlin zum x-ten Mal den Kopf ihres Kälbchens Pita in den Eimer. Pita saugt gierig und mit deutlichen Schmatzgeräuschen die Milch auf. Was auf den Boden tropft, findet gleich einen Abnehmer. Ein rot-weisses Katzenjunges schleckt die Pfütze auf. Jöö und noch mal jöö. «Am Anfang halten die Kälber den Kopf beim Trinken instinktiv nach oben», erklärt Lucia Omlin. «Denn da wäre ja auch das Euter der Mutterkuh.»

Ein Kalb zum runden Geburtstag

Keine zwei Wochen alt ist Pita und der ganze Stolz der Besitzerin. Insgesamt hat die Sachslerin drei Kühe und ein Kalb. Zu ihnen kam die Kantonsrätin, Fraktionsvorsitzende der CVP Sachseln, Rechtsanwältin und Notarin, per Geschenk. «In Flüeli-Ranft war Jubiläumsviehschau. Als ersten Preis gab es ein Kälbli zu gewinnen. Das hätte ich am liebsten gewonnen.» Mit dem Hauptgewinn wurde es nichts, aber als sie daheim ihren Eltern von ihrem Wunsch erzählte, spitzten diese die Ohren. Zum dreissigsten Geburtstag gab es dann tatsächlich ein Kalb. Die Eltern, der Vater Treuhänder und die Mutter Familienfrau, beide ohne bäuerlichen Hintergrund, hatten sich aber vorher noch vergewissert, ob sie das wirklich ernst gemeint hatte. Sie hatte. Das aussergewöhnliche Geburtstagsgeschenk hiess Pina und stammte aus dem Stall von Landwirt Paul Vogler. Dort durfte es auch bleiben, gross werden und abkalben.

Lucia Omlin schaute einmal in der Woche nach ihm. Damals arbeitete sie in einer der vier grössten Anwaltskanzleien in Zürich. Ihre Kollegen aus der Stadt konnten kaum glauben, dass sie am Wochenende im Stall half.

«Was mir so gefällt, ist der Kontakt zum Tier», bringt die Juristin und Politikerin ihre Faszination am Vieh auf den Punkt. «Kühe sind speziell ruhige Tiere. Du musst zu ihnen eine Verbindung aufbauen, das braucht Vertrauen. Die Kühe kennen mich. Und blöd sind sie übrigens auch nicht», räumt sie mit Vorurteilen auf. Jede Kuh hat ihre eigenen Merkmale. «Meine sind eher hell und haben eine braune Nasenpartie», erzählt sie und krault Pamina herzhaft hinter den Ohren. «Die ist am wildesten beim Schmusen», erzählt sie und lacht. Wie zum Beweis schubst Pamina ihre Besitzerin mit ihrem mächtigen Kopf von hinten an die grünen Stallhosenbeine. Nach der Stallarbeit, dem Füttern und Reinigen des Melkstandes werde jedes Mal kräftig geschmust, berichtet Lucia Omlin.

«Und manchmal auch politisiert», erzählt Parteikollege und Gemeindepräsident von Sachseln, Paul Vogler, schmunzelnd. «Wir haben schon wichtige Diskussionen auf Strohballen geführt.» Lucia habe im Stall gelernt, worum es im Betrieb gehe. «Und als Kantonsrätin hat sie so einen besseren Bezug zu bäuerlichen Themen.» Das mache viel aus, bestätigt die Rechtsanwältin: «Ich habe viel mit Landwirten zu tun.» Und für ihre politischen Mandate beeinflusse sie die Stallarbeit auch: «Ich weiss, was Landwirte leisten.»

Im Zweifelsfall habe sie auch schon einen Termin mit Kunden verschoben. «Bei den Geburten versuche ich natürlich, dabei zu sein», erzählt sie. «Es ist jedes Mal ein Wunder. Sie kommen auf die Welt und stehen kurze Zeit später da.»

Den Tod akzeptieren lernen

Und auch mit dem Tod hatte sie bereits zu tun: Pina, ihre erste Kuh, lebt nicht mehr. «Damit musste ich lernen umzugehen: Die Kuh ist ein Nutztier.»

«Die geerdete Arbeit», so Lucia Omlin, «tut mir einfach gut. In den zehn Jahren hat es keinen Moment gegeben, in dem ich keine Lust gehabt hätte.» Ein Wunsch ist bislang offen geblieben: «Ich würde so gern mal an der Viehzeichnung einen Preis gewinnen.»

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