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FLÜELI-RANFT: Kugel birgt Botschaften an die Nachwelt

Es ist keine Ausstellung, eher eine Roadshow über Niklaus von Flüe. Am Dienstag wurde sie den Medien präsentiert. Ab heute ist Bruder Klaus unterwegs quer durch die Schweiz.
Franziska von Blarer wirft einen Zettel in die Kupferkugel beim Pavillon «Niklaus von Flüe – Unterwegs», der auf eine Tour durch die ganze Schweiz startet. (Bild: Corinne Glanzmann (Flüeli-Ranft, 27. Juni 2017))

Franziska von Blarer wirft einen Zettel in die Kupferkugel beim Pavillon «Niklaus von Flüe – Unterwegs», der auf eine Tour durch die ganze Schweiz startet. (Bild: Corinne Glanzmann (Flüeli-Ranft, 27. Juni 2017))

Marion Wannemacher

marion.wannemacher@obwaldnerzeitung.ch

Im Pavillon gibt es keine Text­tafeln, keine Kopfhörer und keine Bildschirme. «Sie werden nichts sehen. Es ist das grosse Nichts», kündigt Ausstellungsmacher Otto Steiner mit bubenhaftem Lächeln vor den Medienvertretern an. «Es ist etwas vom Radikalsten, was wir je gemacht haben», sagt er über «Niklaus von Flüe – Unterwegs.» Der Trägerverein als Auftraggeber tut sich fast schwer mit einem Namen. Der Pavillon auf Rädern ist keine mobile Ausstellung, auch kein rollendes Museum. Die Rede ist von «Roadshow», «mobilem Erlebnis» oder gar «Experiment».

Eigentlich habe er sich bislang immer geweigert, zu Niklaus von Flüe zu arbeiten, gesteht Otto Steiner ganz offen. «Bruder Klaus ist ein schwieriges Thema, so weit weg von unserer Realität, unserer Erfahrungswelt. Darüber eine Ausstellung zu machen, ist sicher etwas vom Heikelsten.» Als er dann vom Auftraggeber für die Ausstellung angefragt wurde, habe er gesagt: «Ja – wenn ich sie so machen kann, wie ich es für richtig halte.»

Neben dem Wohnhaus von Niklaus von Flüe in Flüeli-Ranft steht er seit Dienstag auf ausgestreuten Holzschnitzeln, der klappbare Pavillon. Eine Metallkonstruktion in gedeckten Erdfarben. Gefertigt hat sie die Schlosserei Andreas Rohrer in Kägiswil.

Steiner schickt die Besucher auf die Reise

Die Medienvertreter werden in den Pavillon eingeladen. Die Geschichte von Bruder Klaus könne man nachlesen, sagt Otto Steiner. «Warum muss ich sie darstellen? Mir ist es wichtiger, Leute auf eine Reise zu schicken.»

Zwei Helferinnen weisen die Besucher am Eingang auf die Lebensthematik von Niklaus von Flüe hin. Als Bauer und Politiker stand er mitten im Leben und sagte sich von der Welt los. Die Helferin erklärt im Flüsterton, was auf den Besucher in den kommenden 30 Minuten zukomme. Im Innern trennen Leinwände die eine Hälfte des Pavillons in Zellen als Vorbereitungsräume für einen zentralen Begegnungsraum. Wer in Zelle eins auf dem einfachen Schemel Platz nimmt, stellt fest, wie laut doch die Welt draussen ist. Wie ging es wohl Bruder Klaus damit, der sich zurückziehen wollte und doch immer wieder aufgesucht wurde? Mit jeder Zelle rückt die Welt draussen ein Stück weiter weg. Die Ruhe tut gut. In der zweiten Zelle gibt der Besucher Handy, Uhr und Schuhe ab. Der Boden unter den nackten Füssen ist kalt. Stille bis auf das Rauschen der Klimaanlage erwartet den Besucher im abgedunkelten zentralen Raum. Die Tür schliesst sich hinter der Helferin. Allein. Die Begegnung hier drin ist persönlich. Waren es fünf Minuten, war es länger? Die Tür öffnet sich, die Helferin gibt Schuhe, Uhr und Handy zurück. In der nächsten Zelle warten Block und Stift. Welche Gedanken gebe ich der Nachwelt weiter? Vor dem Ausgang wartet eine Kugel aus Kupfer auf den Zettel. 100 Jahre lang wird diese in Flüeli-Ranft aufbewahrt, bis sie dazu bestimmt ist, von der Nachwelt geöffnet zu werden.

Quer durch die Schweiz tourt die Roadshow mit Endstation in Sachseln im September. Sie wird in jedem Kanton in der Schweiz Halt machen. An die 5000 Personen werden sich in den Pavillon begeben, schätzt Beat Hug, Leiter der Geschäftsstelle des Trägervereins 600 Jahre Niklaus von Flüe. Sehr zufrieden zeigt er sich bereits jetzt, wie er sagt: «Das Projekt reiht sich nahtlos ein in das Gesamtprojekt des Trägervereins, indem wir nicht einfach Wissensvermittlung bieten, sondern eine Plattform für eine Auseinandersetzung mit Niklaus von Flüe und mit sich selbst.»

Hinweis

Heute steht der Pavillon in Flüeli-Ranft neben dem Wohnhaus von Bruder Klaus; 30.6–1.7. Stans, Dorfplatz; 6.7. Luzern, Jesuitenplatz; 23.–25.9. Sachseln vor Pfarrkirche, jeweils 12 bis 19 Uhr. Infos: www.mehr-ranft.com

Ausstellungsmacher Otto Steiner vor dem Pavillon der Ausstellung «Niklaus von Flüe – Unterwegs». (Bild: Corinne Glanzmann (Flüeli-Ranft, 27. Juni 2017))

Ausstellungsmacher Otto Steiner vor dem Pavillon der Ausstellung «Niklaus von Flüe – Unterwegs». (Bild: Corinne Glanzmann (Flüeli-Ranft, 27. Juni 2017))

Die mobile Ausstellung «600 Jahre Niklaus von Flüe» wurde am Dienstag in Sarnen vorgestellt. (Bild: Urs-Ueli Schorno (27. Juni 2017, Sarnen))

Die mobile Ausstellung «600 Jahre Niklaus von Flüe» wurde am Dienstag in Sarnen vorgestellt. (Bild: Urs-Ueli Schorno (27. Juni 2017, Sarnen))

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