FLÜELI-RANFT: Maltherapie paart sich mit Freude an Kunst

Die Kernserin Pia Durrer und ihr Lebenspartner Edgar Stöckli machen eine Kunstwerkstatt auf. Ihre Schwerpunkte sind Malkurse und Maltherapie.

Marion Wannemacher
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Pia Durrer und Edgar Stöckli in ihrem neuen Atelier. (Bild: Marion Wannemacher (Flüeli-Ranft, 22. Dezember 2016))

Pia Durrer und Edgar Stöckli in ihrem neuen Atelier. (Bild: Marion Wannemacher (Flüeli-Ranft, 22. Dezember 2016))

Marion Wannemacher

marion.wannemacher@obwaldnerzeitung.ch

Eine Gruppe Schafe tummelt sich auf der Eingangstür, an den Fenstern zeigt ein Hirte auf das Paar – es geht um Weihnachten. «Kunstwerkstatt» steht neben der Zahl des Adventsfensters in der Bachgasse 17. Bis vor 20 Jahren war hier das «Flüeli-Stübli», die Einheimischen nannten es auch «Radar», weil im Haus ein Polizist wohnte. Heute dient es als Atelier für das Künstlerpaar Pia Durrer und Edgar Stöckli.

Nach 15 Jahren in Faoug am Murtensee zog das Heimweh die gebürtige Kernserin wieder nach Obwalden, ihr Partner ging gern mit. «Die Natur hier ist genial», findet er. Sie inspiriert ihn zu ­neuen Werken. «Mein Anliegen ist zum einen, mich auszudrücken, aber auch anderen die Freude an Kunst zu vermitteln.» Der 45-Jährige möchte entsprechende Kurse im Atelier geben und bietet Module beim Freizeitzentrum Obwalden an. Mit den Kursteilnehmern ist eine Ausstellung bei Amrhein Optik in Sarnen geplant.

In Murten halfen sie IV-Klienten

«Die Leute sollen experimentieren. Irgendwann finden sie ihr Medium, ob Aquarell oder etwas anderes», ist er überzeugt. Stöckli selbst ist sehr vielseitig: Er malt, schafft aber auch Skulpturen und fotografiert. Ihm liegt vor allem die expressive Kunst. Zur Malerei kam er als Autodidakt vor 26 Jahren. «Die Tätigkeit als Polymechaniker reichte mir damals einfach nicht», erzählt er. Der in Zug geborene und in Freiburg aufgewachsene Stöckli besuchte Kurse an der Schule für Gestaltung in Bern, lernte durch Ausprobieren. Bald schaffte er Kunst auch auf Auftrag von Unternehmen, gestaltete Sitzungszimmer und Eingangsbereiche. Gemeinsam mit Lebenspartnerin Pia Durrer baute er sich ein weiteres Standbein am Murtensee auf: ein Wiedereingliederungsprogramm in Zusammenarbeit mit der IV-Stelle Waadt und Freiburg. «Farben wecken Neugier, Lust und Selbstvertrauen», ist die ausgebildete Maltherapeutin überzeugt. Bei dem Künstlerpaar wurden die arbeitsunfähigen Klienten ganzheitlich unter die Fittiche genommen: «Sie arbeiteten mit im Garten und im Büro, halfen das Atelier zu putzen und Ausstellungen zu organisieren. Die gemeinsamen monatlichen Ausstellungsbesuche waren Lernfelder, wieder unter die Leute zu gehen und den ÖV zu benutzen.»

Negative Bilder durch neue ersetzen

Die Kreativität beim Töpfern oder Malen sowie die Kunsttherapie lösten Prozesse aus, die die Klienten auch privat motivierten, ihr Leben wieder in die Hand zu nehmen. Pia Durrer nennt ein Beispiel: «Eine 48-Jährige, die unter Depressionen litt, konnte nicht mehr arbeiten. Nach eineinhalb Jahren bei uns konnte sie eine neue Stelle in einem 75-Prozent-Pensum antreten. Sie ist sehr erleichtert und dankbar. Ihr Lebensfeuer wurde wieder geweckt durch ein vielseitiges Programm.»

Pia Durrer brennt für ihren Beruf und freut sich über jede gelungene Wiedereingliederung. Gelernt hat sie ursprünglich KV, dies sei aber schnell zu langweilig geworden. Im Kernser Ortsteil Sand mit Pferden aufgewachsen, arbeitete sie zunächst als Bereiterin und gab Reitstunden. 2004 schulte sie um zur Kunsttherapeutin und arbeitete im Paraplegiker-Zentrum in Nottwil. Später in Murten, im eigenen Atelier, arbeitete sie mit der Krebsliga zusammen, half Menschen, ihre Begrenzungen und Erlebnisse zu überwinden. «Jedes Negativerlebnis ist unter einem Bild gespeichert», weiss die 46-Jährige aus Erfahrung. Dieses durch ein anderes, positives zu ersetzen, hilft es zu verarbeiten.» Pia Durrer nennt das Beispiel einer unter Flugangst leidenden Frau, mit der sie aktuell arbeitet. Diese wünscht sich eine Fernreise. «Auf der Skala von 0 bis 10 gab sie sich selbst anfangs eine 9 für ihre Panik. Schon allein der Gedanke an einen Flug löste grosse Angst aus.» Mittlerweile sei sie bei 2, freut sich die Maltherapeutin mit ihr – gute Voraussetzungen für den Flug.

Man müsse aber kein Problem haben, um bei ihr einen Kurs zu belegen, erklärt Pia Durrer. Sie habe auch Gruppen betreut, die sich einfach künstlerisch ausprobieren wollten. Und noch weitere Pläne für die Zukunft hat das Künstlerpaar: «Wir könnten uns – wie wir es in Faoug hatten – ein Bed and Breakfast im Dachgeschoss vorstellen, wenn wir dieses mal renoviert haben.» Vorerst kommt eine Schlafcouch ins Atelier. «Sleep and Paint» heisst das Angebot.

Hinweis

Mehr Infos über Edgar Stöckli unter www.edart77.com und über Pia Durrer unter www.piaktiv.ch