FLÜELI-RANFT: Vom Winde verweht und ein Glück im Unglück

Das Zelt des Kunstsymposiums wurde am 1. August dahingerafft. Die Künstler durften in Niklaus Schälins Scheune weiterarbeiten. Dort war am Freitag auch Vernissage.

Marion Wannemacher
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Pia Halter und Josi Halter aus Sachseln betrachten Kunst im Stall von Landwirt Niklaus Schälin. (Bild: Marion Wannemacher (Flüeli-Ranft, 4. August 2017))

Pia Halter und Josi Halter aus Sachseln betrachten Kunst im Stall von Landwirt Niklaus Schälin. (Bild: Marion Wannemacher (Flüeli-Ranft, 4. August 2017))

«Die Vernissage ist überwältigend besucht worden. Allgemein haben Besucher und Künstler die Ambiance als einmalig gelobt. Das hätte eine Vernissage im Zelt nie hergegeben. So ist das Unglück zum Glück geworden», lautet die Bilanz von Karl Imfeld, der das Kunstsymposium in Flüeli-Ranft organisiert hat. Alle 19 Künstler der christlichen Künstlergemeinschaft Das Rad aus der Schweiz, Österreich, Deutschland und Belgien sind zufrieden. Von ferne grüssen die Melchtaler Berge, auf dem Platz hinter der Scheune drängeln sich die Besucher (einer der Helfer zählt 110 Gäste), erkunden die Tenne mit den Bildern, die Kunstwerke in der Landschaft.

Auch Niklaus Schälin und Lebenspartnerin Silvia Bauder strahlen zufrieden. Sie konnten den Künstlern aus der Patsche helfen. Zum Dank gibt es von Ute Aland das Bild «Verwurzelt – entwurzelt», das sich beide unter allen Werken aussuchen durften. «Am 1. August wurde das Zelt vom Winde verweht, die Bilder vom Regen aquarelliert, die Skulpturen geduscht», fasst Schauspielerin Katharina Walbrodt in einem augenzwinkernden Rückblick zusammen. Herausgekommen ist eine Vielfalt von Installationen, Holzskulpturen, Bildern, Drucken, gar ein Labyrinth in der Landschaft. «Sehen Sie, riechen Sie, schmecken Sie», fordert die Schauspielerin die Gäste auf, diese sollen sich von den Werken inspirieren lassen. Zu erleben gibt es an dieser Vernissage jede Menge.

Brunnenschalen mit Rotwein, Gewürz und Honig

Martin Schleske, international anerkannter Geigenbauer, spielt frei improvisierend auf einer Geige aus 50 000 Jahre altem Holz und liest einen poetischen Text aus seinem Buch «Herztöne, Lauschen auf den Klang des Lebens». Ums Sehen, Riechen und Schmecken geht es tatsächlich auch bei Harun Kloppes Brunnenschalen aus Birkenholz. Eine ist mit Rotwein getränkt und verfärbt, eine weitere mit einem starken Gewürz behandelt, und auf der dritten tummeln sich Bienen, denn dort gibt es Honig. Zum Graslabyrinth führt ein mit Bildern geschmückter Weg. Kunst in der Landschaft. Aber auch die Bilder in der Tenne finden reichlich Beachtung. «Sie können einen Künstler glücklich machen, wenn Sie ihn fragen, was sein Bild kostet», hatte Schauspielerin Walbrodt gewitzelt. Das Rüdiger Hein Trio aus Ludwigsburg trägt mit seinen Jazzklängen nicht nur zur Stimmung bei, sondern inspiriert auch mit Lyrik.

«Das Kunstsymposium ist eins von 100 Mitmachprojekten», hält Regierungsrat Franz Enderli in seiner Ansprache fest. «Was mich am meisten berührt, ist, dass so viele eingestiegen sind auf Niklaus von Flüe und sich von ihm haben herausfordern lassen.»

Marion Wannemacher

marion.wannemacher@obwaldnerzeitung.ch