FRANZ ENDERLI: «Schritt für Schritt vorwärtsmachen»

Ob Bruder Klaus oder Frühfranzösisch: Der Bildungs- und Kulturdirektor freut sich auf die kommenden Herausforderungen.

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Bildungs- und Kulturdirektor Franz Enderli. (Bild: Keystone)

Bildungs- und Kulturdirektor Franz Enderli. (Bild: Keystone)

Wo steht der Kanton Obwalden heute?

Franz Enderli: Ich habe den Eindruck, dass der Kanton sehr gut aufgestellt ist. Vor allem im Vergleich zu früher. Man merkt, dass sich etwas verändert hat.

Spüren Sie das nur in der Verwaltung oder auch in der Bevölkerung?

Enderli: Die Aufbruchstimmung ist auch in der Bevölkerung zu spüren. Man tritt selbstbewusster auf und zeigt innovatives Handeln.

Welche Herausforderungen stehen bevor?

Enderli: Da denke ich vor allem an den Umgang mit dem Raum, der uns zur Verfügung steht. Themen wie Raumplanung, Landschaftsbild, Kulturlandverlust werden den Kanton künftig stark beschäftigen, da stehen uns grosse Herausforderungen bevor. Fakt ist: Wenn das Wachstum so weitergeht wie bisher, wird es grössere Probleme geben. Genau deshalb müssen wir nun qualitativ wachsen statt quantitativ.

Welche Hürden warten in Ihrem Departement auf Sie?

Enderli: Beschäftigen wird uns der Lehrplan 21. Hier ist es wichtig, dass wir – gemeinsam mit anderen Kantonen – Schritt für Schritt vorwärts- machen. Das Schulsystem wird damit aber nicht auf den Kopf gestellt. Im Kulturbereich steht natürlich das grosse Jubiläum «600 Jahre Bruder Klaus» im Jahr 2017 an. Ganz allgemein müssen wir uns künftig Gedanken machen zum Umgang mit unserem Kulturgut. Wir haben hervorragende Institutionen wie die Museen in Sarnen, Sachseln, Engelberg. Auch der Kanton hat eine grosse Kunstsammlung. Wir müssen uns fragen, wie wir diese Kunstschätze künftig bewirtschaften. Da stehen sicher einige Weichenstellungen an.

Im Kantonsrat stand jüngst die Qualität der Kantonsschule zur Diskussion. Wie ist da der Stand der Dinge?

Enderli: Unsere Kanti kann sich sehen lassen und steht im schweizerischen Vergleich gut da. Wir haben nun zum ersten Mal in der Geschichte der Kantonsschule eine externe Evaluation machen lassen. Dieser Bericht liegt nun vor. Er zeigt die Stärken und Schwächen der Schule auf. Die Resultate des Berichts fliessen nun ins mehrjährige Schulprogramm ein.

Wo liegen die Stärken und Schwächen der Kanti Obwalden?

Enderli: Die Kantonsschule ist klein und überschaubar, sie hat eine gute Infrastruktur und ein gutes Angebot. Natürlich kann ein grosses Gymnasium mehr anbieten. Unsere Kanti hat vor zwei Jahren eine effiziente und gute Führungsstruktur erhalten. Gravierende Schwächen sind in der Kantonsschule nicht auszumachen. Probleme gibt es vereinzelt – aber in einem Ausmass, wie es in jeder anderen Schule auch vorkommt.

Was hat Ihnen in den vergangenen vier Jahren Bauchweh gemacht?

Enderli: Beschäftigt haben mich sicher die vielen Diskussionen rund um den Sprachunterricht. Als die Obwaldner Regierung entschieden hat, Italienisch als Schwerpunktfach zu streichen, habe ich ein bisschen den «Grind» hinhalten müssen für andere Kantone, die Ähnliches im Sinn haben. Auch das Frühfranzösisch in der Primarschule gab und gibt viel zu reden. Diese Diskussionen sind noch nicht beendet und werden mich weiterhin beschäftigen. Ich werde national und interkantonal meinen Standpunkt einbringen können. Was ich nicht möchte, sind Insellösungen. Der historisch gewachsene Föderalismus im Bildungsbereich lässt den Kantonen viele Freiheiten. Trotzdem ist es wichtig, hier gewisse Harmonisierungen anzustreben.