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Franz Steinegger über den «rasenden Stillstand»

Der ehemalige Urner Nationalrat war bei der IG Alter Obwalden zu Gast. Er stärkte mit seinen Worten den älteren Menschen den Rücken.
Primus Camenzind
Der Urner alt Nationalrat Franz Steinegger sprach vor einem vollen Saal. (Bilder: Primus Camenzind (Sarnen, 12. Februar 2019))

Der Urner alt Nationalrat Franz Steinegger sprach vor einem vollen Saal. (Bilder: Primus Camenzind (Sarnen, 12. Februar 2019))

Wie man den prominenten Urner Gast aus seiner aktiven Zeit als Spitzenpolitiker kennt, so ist er heute noch: klar, unmissverständlich, bestens im Bilde und stets auf der Suche nach der Vernunftlösung – ein «politisches Urgestein», welches im öffentlichen Leben unserer Tage zur raren Spezies geworden ist. In diesem Sinne waren wohl auch die Erwartungen der rund 120 Zuhörer, die am Dienstag einer Einladung der IG Alter Obwalden folgend den Saal der «Residenz Am Schärme» in Sarnen fast zum Bersten brachten.

«Andere lehnen sich zurück (...), nicht so Franz Steinegger», schrieb am 8. März vergangenen Jahres die «Urner Zeitung» im Rahmen zu seinem 75. Geburtstag. Während der Rechtsanwalt bis ins Jahr 2003 als Nationalrat, Präsident der FDP und darüber hinaus als Verwaltungsrat renommierter Firmen und Verbände auf Achse war, legte er den Schwerpunkt in den letzten Jahren vermehrt darauf, im Alter neuen Sinn zu finden. «Ich hatte übrigens seit meinem Rückzug nie politische Entzugserscheinungen», betonte Steinegger. Er machte jedoch kein Geheimnis daraus, dass er nicht die radikale Kehrtwende suchte, und bezeichnete sich in Bezug auf seinen gemächlichen Ausstieg aus dem Berufsleben als «eine Art Sonderfall». «Ich bin noch immer als Anwalt tätig und pflege so den geordneten Tagesablauf.» Der Gast aus Uri ist hauptsächlich auf seiner Kanzlei in Altdorf tätig, während seine Ehefrau, ebenfalls Anwältin, beruflich häufig auf Achse ist. «Früher war das genau umgekehrt», lässt der Vater von zwei Söhnen (42 und 25 Jahre) sein aufmerksames Publikum wissen.

Seine Sinnfindung brachte den Gast zur Überzeugung, dass «wir älteren Menschen der Allgemeinheit noch einiges zu bieten haben». Als Trümpfe führte Steinegger etwa reichlich Erfahrung und genügend Zeit ins Feld. «Wir leben im rasenden Stillstand», meint Steinegger zum modernen Alltag in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Seine Gedanken und Analysen zu den grössten Herausforderungen der Zeit zielen deshalb auf eine teilweise Entschleunigung hin. Er meide es deshalb seit jeher, voreilige Schlüsse zu ziehen.

Der frühere Spitzenpolitiker Franz Steinegger sprach zum Thema «Im Alter neuen Sinn finden».

Der frühere Spitzenpolitiker Franz Steinegger sprach zum Thema «Im Alter neuen Sinn finden».

Gegen Populismus und Vorurteile

Einige seiner politischen Positionen in Kürze: Das Rentenalter möchte er mit der sich ändernden Lebenserwartung verknüpft wissen, «denn wir dürfen die Probleme nicht einfach unseren Nachkommen überlassen». Gegen die forsche Digitalisierung sträubt er sich nicht, «aber vergessen wir dabei unsere eigene Generation nicht». Steinegger rät zu einer massvollen Ausländerpolitik. «Das ist das einzige Thema, bei dem sich das Abstimmungsverhalten der jüngeren und älteren Generation wesentlich unterscheidet», meint er. Von politischem Populismus hält er nichts. Zum Gesundheitswesen klärte er gewisse Vorurteile auf: «Die Heilungs- und Pflegekosten der älteren Generation sind erst zwei Jahre vor dem Ableben höher als beim Rest der Versicherten.» Um weiterhin gesund zu bleiben, empfiehlt Steinegger «körperliche und geistige Bewegung – und zwar regelmässig». Dass einem im Alter allmählich die Trittsicherheit abgehe, müsse allerdings auch er auf seinen Bergwanderungen als Tatsache zur Kenntnis nehmen.

Zuhörer-Fragen drehten sich vor allem ums EU-Rahmenabkommen, den nahenden nationalen Wahlkampf, die CO2-Problematik und die Umwelt allgemein. Mit seinen präzisen Antworten stellte er unter Beweis, dass er von jener Kompetenz, die ihn während seiner Zeit als Politiker begleitete, nichts eingebüsst hat. So war es kaum verwunderlich, dass ihn schlussendlich ein Besucher liebevoll als «Politisches Schlachtross» bezeichnete.

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