Kolumne
Fremd-en

Otto Leuenberger schreibt in seinem «Ich meinti» über die Wahl der Bundesrätinnen und deren Ansprüche und Erwartungen.

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Das ging aber zack, die Wahl der Bundesrätinnen. Langsam ergibt sich nun doch ein besseres Abbild der gesellschaftlichen Wirklichkeit. Die Frauen kommen an. Fähigkeit, Kompetenz und Persönlichkeit sind entscheidend. Gut so.

Otto Leuenberger.

Otto Leuenberger.

Nur da sind Wermutstropfen – zumindest aus unserer lokalen Sicht. Es hätte halt bitte schön schon mindestens eine Innerschweizer «Stammesangehörige» sein sollen: «yyser einä». Dies als Gewähr, dass wir in «Bern oben» auch richtig zum Zuge kommen und unsere Anliegen direkt durchbringen können. Nun ist es bekanntlich anders gekommen: «Zwei Niederlagen für die Zentralschweiz», so die Schlagzeile. Also ein null zu zwei im sportlichen Jargon. Und ganz so sportlich scheinen es die angereisten Fans, aber auch die «Verschmähten», zu nehmen. Die Ostschweiz fühlt sich nun wieder zugehörig und das Oberwallis, die gefühlten Oberbergler, sind nach langer Absenz zurück an Schalthebeln. Andere, also fremde Bundesrätinnen, haben gewonnen.

Wunderlich und ein bisschen naiv muten allerdings die sehr lokalen Ansprüche und Erwartungen, welche den Neugewählten aus ihren Stammesgebieten in den Rucksack gepackt werden: Ausbau des Lötschbergs, alpine Randgebiete oder die Ostschweiz sollen mehr ins Zentrum rücken und und. Als traute man nicht den Blick über die nächste Bergkette zu erheben und an das Übergeordnete zu denken.

Unlängst waberte einmal mehr jene unheimliche und unbestimmte Angstwolke vor «fremden Richtern» durch unser Land. Gar vor Verlust der Eigenständigkeit wurde gewarnt, ja, die direkte Demokratie sei gefährdet. Ganz so als lauern überall in Europa dunkle Mächte, die uns und unserem Land schaden wollen. Mal ist es die EuGH, dann die EU, je nach Belieben. Ja, wie kann ein Richter, den ich persönlich nicht kenne, der mir fremd ist, gerechte, fachlich gewissenhafte, unabhängige Entscheide fällen?! Was ist mit den Oberrichtern, die nicht aus Giswil kommen, oder den Bundesrichtern, die nicht aus Obwalden, aus der Innerschweiz stammen? Alles Fremde? Wie kann man von diesen Unbekannten Gutes erwarten?

In diesen Tagen werden wir einem jungen Paar begegnen. Sie hochschwanger, er wortkarg, angespannt und besorgt auf der Suche nach einem Nachtlager, nach Schutz, nach Asyl. Es sind Fremde, Ortsunkundige. Vielleicht hat sie das allerorten freundliche, verheissungsvolle Lichtermeer von Lampengirlanden angelockt. Nun ja, wo soviel Licht ist, da kann man sich getrost niederlassen. Wollen die etwa gar bleiben?

Fremdes, Unbekanntes, setzt uns schon zu und stellt Herausforderungen. Aus Unbehagen wachsen nicht selten diffuse, unbehagliche Gefühle. Ein kleiner Schritt nur von Furcht zu Angst, gar zu Wut. Es ist, wie wenn ein Schalter umgelegt wird. Wenn sich aber Bauch und Kopf, Gefühl und Denken zusammenraufen, zu einer Zwiesprache finden, sich respektieren und zusammentun: «Was bewegt dich? Was macht dir solche Angst?» Ja dann kann dieses Paar zum Wohle von uns allen wirksam werden.

Übrigens, das fremde Paar hat für uns eine Überraschung parat. Es hat ein Geschenk mitgebracht. Ihr Spross wird uns beistehen und helfen, die Angst in Schach zu halten, sie zu überwinden, er wird Freude, Hoffnung, Zuversicht und Nächstenliebe keimen lassen.

So, der Kratten, äh Kropf ist geleert und Weihnachten kann geschehen. Frohe, heitere, stimmungsvolle, ja fröhliche Weihnachten und ein ebensolches Neues Jahr! Allen!

Otto Leuenberger, ehem. Leiter Freizeitzentrum Obwalden und «Jungpensionär», aus Giswil äussert sich an dieser Stelle abwechselnd mit anderen Autoren zu einem selbst gewählten Thema.