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Kolumne

«Ich meinti:» Fremdenverkehr

In seinem «Ich meinti» macht sich Otto Leuenberger Gedanken für das grosse Aufkommen an Touristen und den Umgang mit ihnen.
Otto Leuenberger
Otto Leuenberger.

Otto Leuenberger.

Herbst – der Sommer ist Geschichte, die Ferienzeit vorbei, jedenfalls fast. Und damit auch die grosse Reisezeit. Allerdings habe ich diese Woche gelesen, dass wir Schweizer den Reisedrang vermehrt in den Herbst verlegt haben sollen. Wie dem auch sei. Meine Frau und ich sind eben erst von einer längeren Reise durch Portugal zurück. Wir haben uns damit einen lang gehegten Wunsch erfüllt.

Nun liegt Portugal offensichtlich im Trend. Städte wie Porto und Lissabon werden richtig von Touristen geflutet. In Lissabon legen riesige Kreuzfahrtschiffe an und entleeren Massen von Besuchern. Im kleineren Porto mit den vielen gekachelten Häusern, den engen Gassen, der quietschenden historischen Strassenbahn, der von Eifel erbauten Stahlbrücke, dem steten Hügelauf und -ab tritt man sich am Ufer des Douro beinahe auf die Füsse. Da trifft man auch auf Auswüchse des Tourismus. Es gibt mitten in der Stadt kurvende Speedboote, Jetskis und tatsächlich Helirundflüge. Auch einen findigen Anbieter, der mit Drohnen inszenierte Ferienfilme für Gruppen dreht. Die Leute machen sich auf Regieanweisungen zum Affen. Schlangestehen ist sowieso überall angesagt. Auch beim Besuch der weltberühmten und einer der schönsten Buchhandlungen. Trotz Eintritt steht man mindestens eine Stunde an! Nur weil die Harry-Potter-Autorin sich hier inspiriert haben soll. Verstehen Sie mich richtig. Portugal ist eine Reise wert und die Portugiesen sind herzlich.

Länder und Städte werden aufs Touristische getrimmt, also auf Fremde ausgerichtet und drohen vieles zu verlieren. Ein Hype, diese Massenwanderung, und ich bin Teil davon, voll Tourist. Früher nannte man dies noch Fremdenverkehr. Ich will was erleben, auch da-gewesen-sein, erzählen können. Alles fährt irgendwo hin und verursacht einen globalen Dichtestress, ganz abgesehen von noch gravierenderen Auswirkungen. Wir drehen die Spirale munter weiter.

Noch voller Eindrücke und eigentlich gar noch nicht richtig zu Hause angekommen, zog es mich zum Ausgleich in meinen «Heimathafen» Luzern. In der Zentralbahn dann eine unkomfortable Situation. Der Zug voll von Touristen aus Asien. Kein Sitzplatz! In mir setzte Grummeln ein – ein starkes. Muss mich wohl auf den Treppenabsatz setzen, sonst werde ich im «Brünigbahnschüttelbecher» – das wäre eine andere Geschichte – um Halt ringen. Übrigens habe ich gelesen, dass die SBB am Samstag zu Beginn der Herbstferien in Arth-Goldau, in einem vollen Tessinerzug, per Ansage 30 bis 40 Passagiere aufgefordert hätten, auszusteigen, sonst werde der Zug nicht weiterfahren!?

Ich entschliesse mich, die Komfortzone zu verlassen – besser zu erweitern und zwänge mich auf einen letzten Sitzplatz zu einem älteren Paar. Ich komme mit den beiden ins Gespräch und erfahre, dass sie ursprünglich von England nach Australien ausgewandert seien und nun mehrere Tage in Luzern verbringen. Sehr gesittet bemerken sie, es sei immer das Gleiche, überall auffallend viele Asiaten. Die beiden wollen auf Empfehlung unbedingt auf die Rigi oder auf den Titlis. Ich halte mich zurück und sage nichts. Die beiden sind mir sympathisch. Es entwickelt sich ein feines, persönliches Gespräch und wir reichen uns zum Abschied die Hände. Ich bin gerührt und versöhnt. Auch das ist Verkehr mit Fremden. Viola, das ist es, das Erleben.

Otto Leuenberger, ehem. Leiter Freizeitzentrum Obwalden und «Jungpensionär», aus Giswil äussert sich an dieser Stelle abwechselnd mit anderen Autoren zu einem selbst gewählten Thema.

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