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Thomas-Cook-Pleite brachte auch Ob- und Nidwaldner in Nöte

Der Konkurs des Reiseveranstalters Thomas Cook betrifft auch Reisende aus der Zentralschweiz – und mit ihnen Reisebüros in der Region. Sie bleiben in diesem Fall auf den Mehrkosten mangels Versicherung sitzen.
David von Moos

Für drei junge Frauen aus Sarnen nahm die Reise in die Karibik eine ungeahnte Wendung. «Wir haben uns sehr auf unsere Ferien gefreut. Wir haben dafür ein Jahr lang Geld gespart», erzählt Annina Steininger gegenüber unserer Zeitung. Die 21-jährige Dentalassistentin reiste mit zwei Freundinnen unlängst mit dem Flugzeug von Zürich nach Punta Cana in der Dominikanischen Republik.

Drei junge Frauen aus Sarnen kämpften in den Ferien mit den Folgen der Thomas Cook-Pleite. (Bild: Annina Steininger, Punta Cana, September 2019)Drei junge Frauen aus Sarnen kämpften in den Ferien mit den Folgen der Thomas Cook-Pleite. (Bild: Annina Steininger, Punta Cana, September 2019)
Begehrtes Reiseziel: Sandstrand unter Palmen in der Dominikanischen Republik. (Bild: Annina Steininger, Punta Cana, September 2019)Begehrtes Reiseziel: Sandstrand unter Palmen in der Dominikanischen Republik. (Bild: Annina Steininger, Punta Cana, September 2019)
Badeferien in der Dominikanischen Republik. (Bild: Annina Steininger, Punta Cana, September 2019)Badeferien in der Dominikanischen Republik. (Bild: Annina Steininger, Punta Cana, September 2019)
Beliebt bei Badegästen und Sonnenhungrigen: Der Ferienort Punta Cana in der Dominikanischen Republik. (Bild: Annina Steininger, Punta Cana, September 2019)Beliebt bei Badegästen und Sonnenhungrigen: Der Ferienort Punta Cana in der Dominikanischen Republik. (Bild: Annina Steininger, Punta Cana, September 2019)
Reisebüro Rilex in der Stadt Luzern. (Bild: PD/Rilex AG)Reisebüro Rilex in der Stadt Luzern. (Bild: PD/Rilex AG)
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Im Ausland ins Schwitzen geraten

Nach über zehnstündigem Flug seien sie dann auch gut dort angekommen. Auch der Transfer und das Einchecken im Hotel hätten «wunderbar funktioniert». Von den finanziellen Schwierigkeiten des Reiseveranstalters, der zu diesem Zeitpunkt um sein Überleben kämpfte, wussten die drei Freundinnen noch nichts. «Am zweiten Tag haben wir dann aus den Medien erfahren, dass der Reiseveranstalter Thomas Cook pleite ist.» Sie hätten aber nicht gedacht, dass das für sie selbst zu einem Problem werden könnte: «Wir hatten ja unsere Reise schon bezahlt.»

Touristinnen hatten Glück im Unglück

Annina Steininger. (Bild: PD)

Annina Steininger. (Bild: PD)

Zwei Tage später klingelte abends das Telefon. Am anderen Ende der Leitung der Hotelmanager: Es gebe ein Problem, man habe keine Zahlung von Thomas Cook erhalten. Sie sollten das Hotel also selbst (nochmals) bezahlen. «Ansonsten wären wir wohl rausgeschmissen worden», so Annina Steininger. Glücklicherweise konnten die drei Touristinnen auf Unterstützung aus der Schweiz zählen. Gebucht hatten sie die Pauschalreise beim Reisebüro Rilex in Sarnen. Dort weiss man von zahlreichen ähnlichen Fällen. «Betroffen sind rund 80 Personen, die bei uns Arrangements von Thomas Cook gebucht haben», sagt Iwan Berger, Inhaber und Geschäftsführer der Zentralschweizer Reisebürokette Rilex auf Anfrage.

«Unsere Kunden wurden zum Teil aufgefordert, Hotels, Fluggesellschaften und andere Dienstleister direkt zu bezahlen. In diesen Fällen haben wir besonders schnell eingegriffen und die Forderungen beglichen, damit sich unsere Kunden nicht mehr weiter mit Problemen, für die sie überhaupt nichts dafür können, beschäftigen mussten.» Als Reisebüro wolle und müsse man mehr bieten als einschlägige Online-Buchungsplattformen: «Wir stehen für einen direkten, aufrichtigen Kontakt zwischen Kunden und Mitarbeitenden sowie für entspanntes Ferien buchen von A bis Z.»

Reisebüro auch ausserhalb Bürozeiten erreichbar

Annina Steininger erzählt, sie sei mit Joel Furrer vom Reisebüro Rilex in Sarnen in ständigem Kontakt gewesen. «Wir haben sogar seine Privatnummer bekommen und waren unter diesen Umständen extrem froh, dass wir ihn auch ausserhalb der Bürozeiten erreichen konnten.» Er habe ihnen empfohlen, die rund 3000 Franken für das Hotel mit der Kreditkarte zu bezahlen, weil eine Überweisung durch das Reisebüro wohl zu lange gedauert hätte – «und wir dann vielleicht rausgeflogen wären». Also bezahlten sie das Hotel nochmals. «Hätten wir das Geld nicht von Rilex zurückbekommen, hätten wir das nicht gemacht und wären stattdessen mit dem nächstgünstigen Flug zurück in die Schweiz geflogen.»

Iwan Berger. (Bild: PD)

Iwan Berger. (Bild: PD)

Ein solches Ferienende wollte Iwan Berger von Rilex seinen Kunden ersparen: «Bis Mitte Oktober haben wir alle Ersatzbuchungen oder Zahlungsforderungen gegenüber unseren betroffenen Kunden übernommen. Da gab es auch eine Familie aus dem Kanton Uri, die wollte gemeinsam nach Mallorca in die Ferien. Nach dem Konkurs von Thomas Cook hätten sie nochmals ein Arrangement buchen oder zu Hause bleiben müssen. Das konnten wir nicht zulassen. So etwas kann man nicht bringen, das wäre unbegreiflich. Oder dann gab es eine andere Familie aus dem Kanton Obwalden, die nach Griechenland wollte. Wir haben sie dann auf unsere Kosten in die Ferien geschickt.»

Zurück bleiben zufriedene Feriengäste: «Letztendlich hatten wir Glück im Unglück. Wir waren extrem froh, hatten wir über das Reisebüro gebucht», fasste Annina Steininger die Folgen der Thomas Cook-Pleite zusammen. Dank der unkomplizierten Hilfe hätten sie und ihre Freundinnen die Ferien trotzdem noch geniessen können.

Reisebüros bleiben auf den Mehrkosten sitzen

Daniel Roduner. (Bild: PD)

Daniel Roduner. (Bild: PD)

«Wir haben alles gemanagt, obwohl wir dazu rechtlich nicht verpflichtet gewesen wären», so Iwan Berger von den Rilex-Reisebüros. Dem Unternehmen sei dadurch ein Mehraufwand zwischen 30000 und 40000 Franken entstanden. «Die Chancen, dieses Geld wieder zurück zu bekommen, stehen schlecht.» Gleicher Meinung ist Daniel Roduner, Inhaber und Geschäftsführer des Reisebüros Port-Air in Ennetbürgen: «Dieses Geld ist weg.»

Auch Roduner hat für seine betroffenen Kunden kostspielige Ersatzbuchungen getätigt. «Thomas Cook ist in der Schweiz weder Mitglied des Schweizerischen Reisegarantiefonds noch des Fonds von Swiss Travel Security, beides Kundengeldabsicherungen», so Roduner. Andere grosse Reiseanbieter in der Schweiz wie TUI, FTI oder DER Touristik würden bei einer davon mitmachen. «Cook aber ist lediglich bei der deutschen Niederlassung der Zürich Versicherung in Frankfurt rückversichert.» Die Deckung betrage nur rund 110 Millionen. «In diesem Fall ist das nicht mehr als ein Tropfen auf den heissen Stein.» Und abgesichert seien nur Arrangements, keine Einzelleistungen. «Nach dem Zusammenbruch des Reiseveranstalters Thomas Cook bleiben also rund um die Welt Beträge offen, die in der Summe die Rückversicherungsdeckung weit übersteigen.»

Roduner bereitet das Bauchweh: «Für unsere Kunden ist der Fall klar – wir sind für sie da. Aber was machen wir aus unserer Sicht mit so einem Risiko? Wie können wir uns als Unternehmen dagegen absichern?» Im Moment gebe es keine Versicherungsgesellschaft, die Versicherungen anbiete für den Fall, dass ein Leistungsträger zusammenbreche. «Uns zeigt die Thomas Cook-Pleite vor allem eines: Büros, die nicht gesund sind, stehen mit einem Bein immer am Abgrund.» Anders lasse sich die Sachlage in der Reisebüro-Branche im Moment nicht zusammenfassen.

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