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Sein Herz schlägt an der WM für die Schweiz und Costa Rica

Ein Küchenchef und Weltenbummler aus Obwalden reist an die Weltmeisterschaft nach Russland. Wenn Emanuel Santana für Fussball wenig Begeisterung zeigt, ist das jedoch kein Widerspruch.
Primus Camenzind
Emanuel Santana reist schon bald an die WM nach Russland. (Bilder: Corinne Glanzmann (Sachseln, 20. Juni 2018))

Emanuel Santana reist schon bald an die WM nach Russland. (Bilder: Corinne Glanzmann (Sachseln, 20. Juni 2018))

In der Gartenwirtschaft des «Felsenheims» sucht sich Emanuel Santana ein schattiges Plätzchen. Er wirkt in der Alterseinrichtung in Sachseln als Küchenchef. In seiner Brust schlagen derweil zwei Herzen: Sein Vater ist Costa Ricaner, seine Mutter Sarnerin – dort, wo er zur Welt kam und aufwuchs. «Hier im ‹Felsenheim› können die Bewohnerinnen und Bewohner mit dem Namen Santana nicht viel anfangen. Wenn ich aber von meiner Mutter – ledige Durrer – und deren Vater, dem legendären Dorfarzt, erzähle, ist der Bann gebrochen», sagt der 37-Jährige.

Emanuel Santana ist Koch, Weltenbürger und Lebensphilosoph. Sein Wesen zu ergründen, ist nicht einfach, aber es macht Spass. Das Gespräch wechselt hin und her zwischen Kochkunst, dem menschlichen Dasein und seiner dürftigen Beziehung zum Fussball.

Per Autostopp nach Nischni Nowgorod

Denn über Fussball muss auch gesprochen werden: «Mein Bruder hat mich eingeladen, mit ihm zusammen diesen Mittwoch in Nischni Nowgorod das WM-Spiel Schweiz – Costa Rica zu schauen», klärt er auf. Um dorthin zu gelangen, muss selbstredend gereist werden. Und Reisen ist für ihn Teil des Menschseins, es sei die beste Ausbildung, man müsse sich öffnen und sich auf andere Kulturen einlassen.

Es kann also nicht sein, dass Emanuel Santana nur wegen der WM einen Kurztrip unternimmt. Dafür spricht die Tatsache, dass er zuerst nach Moskau flog mit der Absicht, die restlichen 600 Kilometer Richtung Osten per Autostopp zu meistern.« Mein Bruder und ich treffen uns dann sicher im Costa-Rica-Fanblock des Stadions wieder.» Für die Reise von der Hauptstadt aus dorthin rechnete er bei unserem Gespräch mit 30 Stunden Zeit.

«Die Jobs sind zu mir gekommen»

Nicht nur beim Reisen, sondern auch bei all seinen Jobs als Koch oder Küchenchef legt er grossen Wert darauf, seinen Horizont zu erweitern. «Ich habe in meinem Leben noch nicht häufig Stellen gesucht – die Jobs sind meistens zu mir gekommen», gibt er zu verstehen.

Obwohl er sehr umgänglich erscheint, verfolgt Emanuel Santana im Beruf und auch im Privaten Prinzipien, von denen er nicht abweicht. Das Restaurant Lido in der Sarner Badi bot ihm beispielsweise die Gelegenheit, kreativ und selbstständig zu agieren. «Leider ging der Betrieb beim Hochwasser 2005 Land unter», ruft er in Erinnerung. Der Weltenbürger reiste in der Folge nach Israel, um dort ein telefonisches Jobangebot zu bekommen. Kurzum: «Mit 23 Jahren durfte ich das Hotel Kreuz zusammen mit dem Ehepaar Moser neu eröffnen – eine riesige Herausforderung für mich. Von diesem Zeitpunkt an wurde mein Wirkungskreis immer grösser und breiter.»

Vom Chabiswickel zum Thai-Curry

Bodenständiges Schweizer Essen und ein Fenster zur Welt ist heute seine Devise. Es müsse authentisch sein. «Immer», bekräftigt Santana. «Heute gab es im ‹Felsenheim› Chabiswickel», erzählt er. «Genau so, wie Mari, die Haushälterin meines Grossvaters, sie früher zubereitet hat.» So etwas hätten die älteren Menschen gerne. Etwa auch eine Suppe aus Sauerklee, den er selber im Wald gesammelt hat. Und bei passender Gelegenheit dürfe es auch ein Thai-Curry sein. «Das ist in etwa die kulinarische Spielwiese, auf der ich mich gerne bewege.» Bei aller Freiheit sei er nicht einer, der sein Ego durchsetzen müsse. «Ich bin ein Dienstleister, der für meine Kunden dort kocht, wo ich gerade bin.» Er sei auch schon in Betrieben tätig gewesen, wo die Zahlen wichtiger als die Menschen seien. «Nie wieder, habe ich mir geschworen.»

Hat Emanuel Santana weitere berufliche Ziele? «Ich will bald einmal die Hotelfachschule besuchen», antwortet er. Da für ihn lediglich noch gewisse Fachbereiche wie Lingerie oder Rezeption notwendig sind, will er das Studium berufsbegleitend absolvieren. «Vorerst fehlt mir noch ein Job, der zeitlich mit der Schule vereinbar ist.»

Eine ungewisse Herzensangelegenheit

Doch zurück ins russische Nischni Nowgorod: Zieht Emanuel Santana während des Fussballspiels ein T-Shirt der costa-ricanischen oder der helvetischen Mannschaft über? Weder noch: «Das überlasse ich meinem Bruder», dessen Herz schlage eindeutig für das mittelamerikanische Team. Wem im Verlauf der 90 Minuten das Herz des «Multinationalen» zufliegen wird, wisse er noch nicht: «Ich lasse mir höchstens auf die beiden Backen je eine Landesflagge malen. Alles andere entscheidet sich von selbst.» Nach der WM wird bei ihm Fussball so oder so wieder von marginaler Bedeutung sein. «Dessen bin ich mir jetzt schon sicher», bekräftigt er.

Da jedoch auch in Zukunft zwei Herzen in seiner Brust schlagen, setzt Emanuel Santana einen symbolischen Schlusspunkt: Er serviert echten Kaffee aus Costa Rica. Das Pulver ist in eine Art Socke abgefüllt. Diese hängt an einer kleinen «Guillotine», wird mit heissem Wasser begossen, und die dunkelbraune Brühe fliesst in ein echt schweizerisches Kaffeeglas, dessen Inhalt mit ebenso echter Obwaldner «Steiruite» veredelt wird.

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