GASTRONOMIE: Häsch gärn Züri-Style?

Mit Päcklisuppen und Mikrowellenfood verdiente man sich am Titlis eine goldene Nase. Doch nun ist Frisches und Einheimisches nach dem Geschmack der Zürcher Zungen gefragt.

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«Da bauen die in Engelberg eine der modernsten Bahnen im Alpenraum, servieren aber in ihren Restaurants Päcklisuppen und -saucen und Mikrowellengerichte.» Der österreichische Kurdirektor, der nicht namentlich genannt werden will, lacht sich ins Fäustchen. Vielleicht hat er aber bald ausgelacht, denn am Titlis kommts zur gastronomischen Revolution. Trotz jahrelang gutem Geschäft mit den Skifahrern und aromatisierten tiefgefrorenen und pulverisierten Sattmachern will man sich den Österreichern nicht geschlagen geben. Wenn man bei der Freundlichkeit schon im Hintertreffen ist, will man den Ösis wenigstens im Kochtopf den Triumph versalzen.

Die Titlis-Bahnen holten darum einen, der weiss, wie einheimische Kost zu schmecken hat: den Zürcher Mike Eklat. Als neuer Verwaltungsrat soll er die Gastronomie auf Vordermann bringen. «So top wie die Bahn muss auch die Gastronomie sein», sagt Eklat überzeugt. Seinen Verwaltungsratskollegen legte die Züri-Schnurre als Erstes ein Konzept vor mit dem styligen Titel «Pride of Switzerland – oder wie wir die Gastronomie zelebrieren, auf die man stolz sein darf». Dieses stiess auf Begeisterung. Es setzt, ganz neu und unerwartet, auf frische Gerichte, saisonale und gut gekochte Zutaten aus der Region. «Mag sein, dass einem Einheimischen Älplermagronen banal erscheinen. Für einen Zürcher ist es genau das, was er hier sucht und sonst selten isst», gibt Eklat dem «Ohrengrübel» zu Protokoll. Noch ist man mit den Köchen allerdings am Tüfteln. Denn so einfach ist es nicht: Die Zürcher Zunge ist sich natürlich auch Fertigprodukte gewohnt. So wird in der Küche nun eine Gratwanderung zwischen frisch und fertig nötig sein.

Fast schon als Geniestreich zu bezeichnen ist das jüngste Kind von Verwaltungsrat Eklat mit dem Italo-Restaurant Lago Torpedo. Wer isst nicht gerne Pizza? Erst recht in Zürich kennt man diese auch bestens. Und dann noch von einem gut aussehenden, in Italien gebauten Pizzaiolo im Pizzaofen gebacken! Das muss ein Erfolg werden. Und Eklat verspricht: «Künftig wird am Titlis nicht nur die Suppe so heiss gegessen, wie sie gekocht wird.»