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Gebürtiger Alpnacher hat Lust auf Bundesratsamt

Felix Albert Küchler hat seine Kandidatur für die Landesregierung angemeldet. Vor allem das Klima liegt ihm am Herzen.

David von Moos
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Felix Albert Küchler bei seiner Ansprache auf dem Bundesplatz.

Felix Albert Küchler bei seiner Ansprache auf dem Bundesplatz.

Bild: Stefan Maurer/PD (Bern, 2. Dezember 2019)

Wenn am Mittwoch in Bern die vereinigte Bundesversammlung zusammenkommt, dann dürfte der Puls eines Obwaldners höher schlagen. Felix Albert Küchler (66) nämlich will dann in die Landesregierung gewählt werden. Die Ambition des gebürtigen Alpnachers, der im Kanton Schwyz aufwuchs und heute im Wallis lebt, ist durchaus ernst gemeint, wie er auf Anfrage klar stellt:

«Ich nehme meine Kandidatur ernst, genauso wie die Klimakrise. Wir haben eine Verantwortung gegenüber den künftigen Generationen und müssen diese Verantwortung wahrnehmen.»

Was gesagt ist, will getan sein. Zum Beginn der neuen Legislatur am vergangenen Montag hat Küchler vor dem Bundeshaus bekannt gegeben, dass er Bundesrat werden will. «Weil ich finde, dass die Schweiz sich endlich auf den Weg hin zu «Netto-Null-Treibhausgasemissionen» begeben muss», so der promovierte Humanmediziner. «Es geht darum, unseren Kindeskindern einen lebenswerten Planeten zu überlassen.» Rund zehn Personen hätten sich seine Rede auf dem Bundesplatz angehört. «Leider haben die rund 300 Einladungen an die Medien wenig gefruchtet.» Dennoch seien die «allermeisten» Zuhörerinnen und Zuhörer von seinem Vorhaben angetan gewesen und «der Meinung, dass auch in der Exekutive in Sachen Klimaschutz etwas gehen muss.»

Bundesrat werden kann (fast) jeder

Jeder wahlberechtigte Bürger kann von der Bundesversammlung in den Bundesrat gewählt werden. Es muss niemand eine Kandidatur erklären. Rein rechtlich haben solche Kandidaturen keinen Effekt auf die Wählbarkeit, wie Mark Stucki, Mitglied der Geschäftsleitung und Informationsbeauftragter der Parlamentsdienste, erklärt. «Es gibt höchstens etwas mediale Aufmerksamkeit.»

Im Vorfeld von Bundesratswahlen gehen bei den Parlamentsdiensten laut eigenen Angaben immer etwa zwischen zwölf und zwanzig solcher Kandidatur-Erklärungen ein. «Von Postkarten bis hin zu regelrechten «Bewerbungsdossiers» mit Pressemappe» sei alles schon vorgekommen.

Den typischen «wilden Kandidaten» gibt es gemäss den Parlamentsdiensten nicht. Man treffe jeweils auch keine weiteren Abklärungen dazu. (dvm)

«Wilde» praktisch chancenlos

Allzu grosse Hoffnungen auf eine Wahl machen sich Küchler und seine Mitstreiterin Jacqueline Lavanchy vom Komitee «Klima-Bundesrat» nicht:

«Anhören werden uns die Fraktionen wohl nicht, wir wollen aber dennoch ernst genommen werden. Man sollte auf die Stimmen aus der Basis unseres direktdemokratischen Systems hören.»

Über eine Online-Petition machen Küchler und Lavanchy auf sich aufmerksam. «Wir wollen nicht einfach «weggewischt und runtergelesen» werden.», so Küchler.

Tatsächlich sind die Wahlchancen von «wilden» Kandidaten sehr gering, wie Mark Stucki, Mitglied der Geschäftsleitung und Informationsbeauftragter der Parlamentsdienste, auf Anfrage sagt. «Namentlich erwähnt werden an der Wahl jeweils nur diejenigen Personen, die im Wahlgang zehn oder mehr Stimmen erhalten haben. Es kam noch nie vor, dass «wilde Kandidaten» es zur Namensnennung gebracht haben.» Allerdings habe die vereinigte Bundesversammlung auch schon ganz unerwartete Wahlen beschlossen: «Otto Stich wurde gewählt, ohne dass er je für den Bundesrat kandidiert hatte. So auch Eveline Widmer-Schlumpf.»

Viele wertvolle Erfahrungen gemacht

Ein politisches Amt hat der pensionierte Gesundheitsexperte noch keines bekleidet. Trotzdem bringe er einen Rucksack wertvoller Erfahrungen mit, betont Küchler. Er glaube daran, dass die Schweiz eine Fachperson wie ihn brauchen könne. «Weil ich viel Konkretes zum Klimaschutz beitragen kann, weil ich das notwendige Wissen habe und gut vernetzt bin.» Etwa habe er den eigenen Bio-Landwirtschaftsbetrieb im Wallis auf naturnahe Permakultur umgestellt: «Wir stellen Spezialitäten für einen Nischenmarkt her und sind zum Teil Selbstversorger.»

Ausserdem sei er Experte für Gesundheitsförderung. «Unter anderem war ich fünf Jahre Vizedirektor der Stiftung «Gesundheitsförderung Schweiz», die von den Krankenversicherern getragen wird.» Er sei der Meinung, dass man alles tun müsse, um die Gesundheit zu erhalten, statt sie wiederherzustellen. «Und dann habe ich zwei humanitäre Projekte initiiert, die zum Teil von der DEZA mitfinanziert wurden.» Zugute kommen im Bundesrat würde ihm auch seine Mehrsprachigkeit. «Mit Deutsch-, Französisch-, Italienisch und Englischkenntnissen kann ich durchaus ein verbindendes Element in der Landesregierung sein.» Küchler sieht sich als überregionaler Bundesratskandidat:

«Ich kandidiere für das Gotthardgebiet, die Zentralschweiz, aber auch für die Auslandschweizer.»

Und er ergänzt: «Zusammengerechnet habe ich rund 20 Jahre im Ausland verbracht.»

Flugblätter, Bücher und ein Klimalied

Viel Geld lässt sich Felix Albert Küchler seine Kandidatur nicht kosten. «Wir haben praktisch null Budget. Alles beruht auf der Energie unserer Tatkraft.» Als Rentner könne er viel Zeit in dieses Unterfangen stecken. «Wir senden allen Parlamentariern in den nächsten Tagen mein selbstgeschriebenes Buch «Klimaschutz konkret».» Dieses enthalte Anregungen für Einzelpersonen, Gruppen und Behörden. «Wir schaffen den Wandel nur, wenn wir uns alle gemeinsam anstrengen.»

Alles in allen würden die Ausgaben bis jetzt rund 1'000 Franken betragen. Das Komitee habe sich vor gerade mal vier Wochen gebildet. «Das ist zwar relativ kurzfristig, aber wenn es jetzt nicht klappt, dann vielleicht bei der nächsten Bundesratswahl.» Als Konkurrent etwa zu Grünen-Präsidentin Regula Rytz, die ebenfalls in die Landesregierung möchte, sieht sich Küchler nicht. «Unsere Petition ist offen formuliert und schliesst sogar Frau Rytz mit ein. Mit anderen Worten: Wir sind nicht gegen jemande, sondern wir wollen kollaborativ zu einer erdverträglichen Zukunft beitragen.»

De Bundesratswahl sieht Küchler entspannt entgegen. Man werde selbstverständlich vor Ort sein und vor dem Bundeshaus Flyer verteilen und ein Klimalied singen, um auf sich aufmerksam zu machen. «Wir werden zeigen, dass wir bereit sind, uns für die Zukunft zu engagieren.»

Enkel einer Obwaldner Schriftstellerin

Die familiären Wurzeln des im Kanton Schwyz aufgewachsene und heute im Wallis wohnhaften Bundesratskandidaten Felix Albert Küchler liegen in Alpnach. Seine Grossmutter väterlicherseits, Rosalie Küchler-Ming, war eine bekannte Heimatschriftsstellerin, die sich gemäss dem Online-Lexikon Wikipedia vorwiegend mit historischen Erzählungen einen Namen gemacht hat.

Ihr Enkel Felix Albert Küchler, der nach eigenen Angaben ihr geistiges Erbe verwaltet, ist oft in ihrer Heimat zu Besuch: «Nicht zuletzt die ausserordentlich liebliche Landschaft rund um den Sarnersee zieht mich immer wieder zurück nach Obwalden.»

Ein Buch seiner Grossmutter, der Heimatroman Erni von Melchi, der die Geschichte eines der drei alten Eidgenossen erzählt, hat Küchler als Jugendlicher besonders beeindruckt, wie er sagt: «Heute müssen wir uns nicht mehr von fremden Vögten befreien, sondern von der Abhängigkeit des Erdöls. Es geht um den Aufbruch ins dritte Jahrtausend.»

www.klima-bundesrat.ch

Auch das Zentralschweizer Fernsehen Tele 1 hat über Felix Albert Küchler berichtet: