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In Sarnen gegen Scheuklappen-Geist geredet

Der Obwaldner Schauspieler Hanspeter Müller-Drossaart rief in seiner 1.-August-Rede zu mehr Toleranz auf – und rechtfertigte Mythen unserer Geschichte.
Matthias Piazza
Der einheimische Schauspieler Hanspeter Müller-Drossaart hielt die Rede in Sarnen. (Bilder Izedin Arnautovic (Sarnen, 01. August 2018))

Der einheimische Schauspieler Hanspeter Müller-Drossaart hielt die Rede in Sarnen. (Bilder Izedin Arnautovic (Sarnen, 01. August 2018))

In Sarnen halten keine Politiker eine 1.-August-Rede. Diese Tradition wurde auch gestern fortgeführt. Der einheimische Schauspieler Hanspeter Müller-Drossaart machte sich im bis auf den letzten Platz gefüllten Festzelt im Sarner Seefeld Gedanken zur Schweiz und ihrem Geburtstag. Dass der Vertrag von 1291 einer von vielen Verträgen und Wilhelm Tell nur ein Mythos war, wisse man unterdessen.

«Dass nach der Gründung des schweizerischen Bundesstaates 1848 eine mythische Befreiungsgeschichte vonnöten war, als nationaler Kitt sozusagen, ist unseren Ahnen nicht vorzuwerfen. Eine Nation braucht einen Mythos», war für Müller-Drossaart klar.

Wo kaufst du deine Cervelats?

Er verurteilte den Schweizer Scheuklappen-Geist am Beispiel einer jungen Türkin in einer Aargauer Gemeinde. Ihr erstes Einbürgerungsgesuch wurde abgewiesen, weil sie den Namen des Dorfmetzgers nicht kannte. «Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, aber nur, wenn du mir sagst, wo du deine Cervelats kaufst», folgerte er ironisch zur Belustigung des Publikums. «Was uns fehlt, ist die erinnernde Einsicht, dass unsere Vorstellung von säkularisiertem gleichwertigen Zusammenleben von allen Menschen, welchem Glaubensbekenntnis sie auch angehören mögen, auch bei uns einen langen Weg zurücklegen musste.»

Das Obwaldner Trachtechörli untermalte den Anlass.

Das Obwaldner Trachtechörli untermalte den Anlass.

Wenn wir mit Gesellschaften in Berührung kämen, die aus unserer Sicht noch in fataler Verknüpfung von Religion und Staat unterwegs seien, stünden uns demokratisch zivilisierte Gelassenheit und Langmut besser an, als die überhitzten, angstgesteuerten, ausgrenzenden Kleider-Vorschriften gewisser politischer Kreise, so Müller-Drossaart.

Was hatte es mit dem Tschiferli auf seinem Rücken auf sich? Dieses geflochtene Ungetüm trage er als 63-jähriger Familienvater sinnbildlich auch zur Frage, was dem Mittelstand bleiben werde nach der Pensionierung. Doch trotz aller Sorgen zur AHV: «Eine staatliche Zuwanderung zu verteufeln ist schwarzmalerische Augenwischerei und leugnet die humanitäre Tradition der Schweiz.» Übrigens: Unterdessen habe die Aargauer Gemeinde dazugelernt und die Türkin eingebürgert.

Das Festzelt war bis auf den letzten Platz besetzt.

Das Festzelt war bis auf den letzten Platz besetzt.

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