Gemeinde Giswil hilft der Skilifte Mörlialp AG, die neue Liquidität zu nutzen

Mit einer finanztechnischen Massnahme hilft die Gemeinde dabei, dass die Skilifte Mörlialp AG nicht in bilanztechnische Schwierigkeiten gerät. Sie tritt mit einem Teil ihrer Darlehen im Rang hinter die anderen Gesellschaftsgläubiger zurück.

Philipp Unterschütz
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Skibetrieb auf der Mörlialp.

Skibetrieb auf der Mörlialp.

Bild: Corinne Glanzmann (Giswil/Mörlialp, 8. Januar 2020)

2019 beschloss die Skilifte Mörlialp AG, das Restaurant Giswilerstock sowie die im Baurecht erstellte Garagenhalle zu verkaufen. Ziel dieses Verkaufs war es, die Betriebstätigkeit wieder auf das eigentliche Kerngeschäft, den Betrieb der Skilifte auf Mörlialp, zu konzentrieren. Dies aufgrund einer externen Studie, die eine Strukturbereinigung empfohlen hatte. Mit dem Verkauf liegt die gesamte Gastronomie auf der Mörlialp, bestehend aus dem Restaurant Giswilerstock, dem Berggasthaus Mörlialp und der Bullybar, nun in den Händen eines einzigen Familienbetriebs.

«Mit dem Verkauf der Liegenschaft konnten wir unsere Liquidität deutlich verbessern», erklärt André Strasser, Verwaltungsratspräsident der Skilifte Mörlialp AG. «Die Gesellschaft steht wieder gut da. Wir sind abgesehen von Darlehen schuldenfrei und verfügen über genügend Liquidität.» Mit dem Verkauf der Liegenschaft kam es aber zu einem Abschreibungsaufwand, der zu einer rechnerischen Überschuldung der AG führen würde. «Vereinfacht gesagt, haben wir die Immobilie für weniger Geld verkauft, als sie in der Bilanz bewertet war. Die Differenz muss nun abgeschrieben werden», so André Strasser weiter. Die AG hätte in der Vergangenheit mehr Abschreibungen auf den Anlagen als auf den Immobilien vorgenommen. Ohne entsprechende Sanierungsmassnahmen wäre der Verwaltungsrat nun aber gemäss Art. 725 des Schweizerischen Obligationenrechts bei einer Überschuldung aufgefordert, das Gericht zu informieren und Sanierungsmassnahmen zu unterbreiten.

«Lediglich eine theoretische Risikoerhöhung»

Mit Unterstützung der Gemeinde, die auch selber Aktionär der Skilifte Mörlialp AG ist, erfolgt nun eine bilanztechnische Sanierungsmassnahme, so dass die Meldung ans Gericht gar nicht nötig wird. Dafür hat der Gemeinderat für einen Betrag von 700'000 Franken einen sogenannten Rangrücktritt beschlossen. Die Skilifte Mörlialp AG hat von der Gemeinde bereits früher zwei Darlehen von insgesamt 1,4 Millionen Franken erhalten (der aktuelle Restsaldo beträgt rund 1,33 Millionen Franken). Giswil ist damit die grösste Gesellschaftsgläubigerin.

Der Rangrücktritt bedeutet, dass die Forderungen unverändert bestehen bleiben und weiterhin gemäss den vertraglichen Vereinbarungen verzinst und/oder amortisiert werden. Im Falle einer Liquidation der Gesellschaft würde aber ein Teil der Darlehen der Gemeinde im Umfang von 700'000 Franken erst nach allen anderen Forderungen beglichen, soweit noch Mittel dazu zur Verfügung stehen.

«Da die Gemeinde ohnehin grösster Gesellschaftsgläubiger ist und gemessen an den gesamten Verbindlichkeiten nur noch relativ geringe Forderungsbeträge Vorrang vor den Forderungen der Gemeinde geniessen, handelt es sich beim Rangrücktritt lediglich um eine theoretische Risikoerhöhung», schreibt die Gemeinde in einer Medienmitteilung. Es handle sich in etwa um den Betrag, der als Sanierungsmassnahme ausreiche, um den Gang zum Gericht zu vermeiden und die Gesellschaft weiter zu führen, heisst es auf Nachfrage. Die anderen Forderungen, die vor denen der Gemeinde stehen, haben laut André Strasser eine Höhe von knapp 100'000 Franken.

Sommeraktivitäten werden verstärkt

Auch die Gemeinde Giswil ist überzeugt, dass die Skilifte Mörlialp AG nun gut aufgestellt ist. Es sei eine ausreichende Liquidität für die Fortführung der Geschäfte vorhanden. Ein wichtiger Grund sei auch die laufende Arbeit eines 2019 gegründeten Vereins, bei dem die Gemeinde ebenfalls mitmacht. Dabei geht es um die zukünftige strategische Ausrichtung. Bereits klar ist, dass die Sommeraktivitäten auf der Mörlialp verstärkt werden sollen. «Vielleicht können wir bereits im nächsten Sommer die ersten Neuerungen vorstellen», hofft André Strasser. Im Gespräch seien beispielsweise ein kinderwagentauglicher Panoramawanderweg, ein Spielplatz oder Familienfischen am Speichersee.

Gute Wintersaison erwartet

Für die kommende Wintersaison ist man auf der Mörlialp sehr zuversichtlich. «Wir brauchen eigentlich nur tiefe Temperaturen, weil wir genügend Beschneiungsanlagen haben», sagt André Strasser. Da zudem alle Lifte im Freien sind, werde trotz Corona maskenfreies Skifahren möglich sein. Auch die Buchungen im Gebiet seien erfreulich, es hätten sich bereits etliche Schulen für Lager angemeldet und auch die Ferienwohnungen seien gut gebucht.

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