Gemeindeversammlung
Sarnen will Gemeindehaus sanieren und erweitern – die finanzielle Lage der Obwaldner Gemeinde sieht derweil gut aus

Das 45-jährige Sarner Gemeindehaus genügt nicht mehr. Nun möchte der Gemeinderat einen Planungskredit für die Sanierung und Erweiterung.

Romano Cuonz
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Am 11. Mai können sich Sarnerinnen und Sarner erstmals zur Zukunft ihres 45-jährigen Gemeindehauses äussern.

Am 11. Mai können sich Sarnerinnen und Sarner erstmals zur Zukunft ihres 45-jährigen Gemeindehauses äussern.

Bild: Romano Cuonz (14.4.2020)

Die Sarner Einwohnergemeindeversammlung vom 11. Mai dürfte bei Sarnerinnen und Sarnern auf grosses Interesse stossen: Erstmals dürfen sie nämlich in Sachen Sanierung, Aufstockung und Erweiterung des Gemeindehauses von 1975 ein Wörtchen mitreden. Gemeindevizepräsident Peter Seiler, der auch für die Liegenschaften verantwortlich ist, sagt: «Gestützt auf Erkenntnisse aus einer Machbarkeitsstudie haben wir beschlossen, die bestehende Bausubstanz grundsätzlich zu erhalten.» Hinter der braunfarbigen, vorgehängten Blechfassade mit hohem Fensteranteil verberge sich ein intakter Betonskelettbau, aus dem sich viel machen liesse. Ausserdem hätten Fachstimmen dafür plädiert, das Haus als «Zeuge der Nachkriegsmoderne» äusserlich wie teilweise auch im Inneren in seinem Erscheinungsbild zu erhalten.

Geplant hatte den Bau seinerzeit der Sarner Architekt Paul Dillier. Allerdings entschied sich der Gemeinderat auch bewusst gegen eine denkmalpflegerische Unterschutzstellung des Gemeindehauses. «Wir wollen beim Umbau eine möglichst hohe gestalterische Freiheit bewahren», begründet Peter Seiler den Entschluss. Aus diesem Grund habe man auf einen Architekturwettbewerb verzichtet. Vielmehr wurde ein zweistufiges Planungsverfahren mit einer öffentlichen Architektur-Honorarausschreibung gestartet. Aufgrund der Vorqualifikation hat der Einwohnergemeinderat nun fünf Planungsbüros eingeladen, Offerten einzureichen. Bis Ende Juni 2021 sollen das Planungsbüro bestimmt und der Planungsauftrag definitiv vergeben sein.

Einbezug eines alten Schulhauses

«In erster Linie muss das Gemeindehaus ein gut funktionierender Arbeits- und Dienstleistungsort für Bürgerinnen und Bürger wie auch für Mitarbeitende werden», postuliert Peter Seiler. Das 45-jährige Gebäude entspreche weder aus technischer noch aus energetischer Sicht mehr geltenden Normen. Auch seien Brand- und Erdbebenschutz, Fluchtwege und Hindernisfreiheit nicht mehr gewährleistet. «Unser Gemeindehaus muss aussen wie innen saniert und auch erweitert werden», sagt Seiler. Geplant ist ein zusätzliches Vollgeschoss und ein neuer Attikaaufbau. Optional zur Gemeindehaussanierung und Aufstockung wird – mit separatem Kreditantrag – auch eine Einstellhalle unter dem Aussenparkplatz angedacht.

Gleichzeitig fasst der Rat für das an der Südwestecke angrenzende, sogenannte Schulhaus 4 (Baujahr 1940) einen Ersatzbau ins Auge. «Dies eröffnet den Planern nochmals neue Perspektiven und kann unter anderem als Hauswart-Zentrum gute Dienste leisten», ist Seiler überzeugt. Damit jedoch die Planung ins Rollen kommt, müssen Sarnerinnen und Sarner am 11. Mai an ihrer Versammlung dem Projektierungskredit zustimmen. 220'000 Franken hat der Gemeinderat für die strategische Planung und eine Vorstudie in eigener Finanzkompetenz in Auftrag gegeben. Zur Erarbeitung eines eigentlichen Vorprojekts und Bauprojekts inklusive Kostenvoranschlag ist ein weiterer Kredit von 700'000 Franken nötig. Zu beiden Summen haben nun Einwohnerinnen und Einwohner das letzte Wort.

Gemeindepräsident Jürg Berlinger hofft auf breite Zustimmung. «Nur so können wir unseren Terminplan einhalten», sagt er. Und der ist ehrgeizig: Im August 2022 müssten Bauprojekt und Kostenvoranschlag vorliegen und voraussichtlich im Herbst 2022 plant man die Volksabstimmung dazu. Der Baubeginn soll im Juli 2023 erfolgen. Im Juli 2025 könnten dann – wenn alles nach Plan läuft – das sanierte und aufgestockte Gemeindehaus und das neue Hauswart-Zentrum eingeweiht werden.

HINWEIS: Die Einwohnergemeindeversammlung Sarnen findet am 11. Mai um 19.30 Uhr in der Aula «Cher» in Sarnen statt.

Erneut erfreuliches Plus in der Rechnung

(cuo) Der Sarner Finanzchef Beat Odermatt wartet einmal mehr mit guten Zahlen auf: Die Gemeinderechnung 2020, die er dem Stimmvolk präsentiert, weist einen Ertragsüberschuss von 3'591'860 Franken aus. Budgetiert war ein Aufwandüberschuss von 2'434'900 Franken. Odermatt begründet: «Den erfreulichen Überschuss verdanken wir etwa tieferen Kosten beim Personalaufwand und teils einmaligen Steuererträgen, die alles in allem um 4,99 Millionen höher ausgefallen sind als budgetiert.» Dabei sei zu berücksichtigen, dass aufgrund der Coronapandemie verschiedene Investitionen nicht getätigt werden konnten. Ein Teil davon würde zu einem späteren Zeitpunkt anfallen. Auch die Auswirkungen der Coronakrise seien zurzeit noch kaum spürbar.

Solide Finanzen der Obwaldner Gemeinde

Verwendet wird der Ertragsüberschuss zu Gunsten des Eigenkapitals (3'491'860 Franken) und für eine Einlage von 100'000 Franken in den Sozialfonds. «Alle relevanten Kennzahlen können als gut bis sehr gut bezeichnet werden», stellt Odermatt fest. Der Selbstfinanzierungsgrad präsentiere sich mit 115,49 Prozent äusserst positiv. Auch das Vermögen pro Einwohner konnte mit der Rechnung 2020 leicht erhöht werden. Es beträgt nun 2282 Franken. Gemeindepräsident Jürg Berlinger geht davon aus, dass die Sarner Steuerzahlerinnen und Steuerzahler von der guten Rechnung profitieren können. «Wir werden bei den Budgetdiskussionen darüber befinden, ob erneut ein Steuerrabatt in Erwägung gezogen werden soll», verspricht er.