Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

GESCHICHTE: Vor 110 Jahren fuhren im Kanton Obwalden genau drei Autos

Wenig Begeisterung zeigte der Kanton fürs Automobilwesen Anfang des 20. Jahrhunderts. So wurden 1906 nur drei Autobesitzer gezählt. Schwer tat sich auch die Regierung mit der neuen Technik, zeigt ein neues Buch auf.
Robert Hess
Ausflug ins Tessin um 1935 mit OW 1 mit einem Fotohalt an der Axenstrasse. Elisabeth Dillier-Wyrsch (links) und ihre Freundin Regina Käppeli. (Bild: Reproduktion aus dem Buch)

Ausflug ins Tessin um 1935 mit OW 1 mit einem Fotohalt an der Axenstrasse. Elisabeth Dillier-Wyrsch (links) und ihre Freundin Regina Käppeli. (Bild: Reproduktion aus dem Buch)

Robert Hess

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

Die Anfänge des Automobilwesens im Kanton Obwalden hat erstmals der frühere Arzt An­dreas Anderhalden ausführlich beschrieben. Gleichzeitig hat der Autor in seinem soeben erschienenen Buch «Auf Rädern zum Erfolg» in einem zweiten Teil die Geschichte der Sarner Firma Dillier-Wyrsch AG aufgezeichnet. «Der Automobilverkehr durch Obwalden lief zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch ohne Beteiligung von Obwaldner Automobilisten ab», schreibt der Autor im Vorwort. «Den hiesigen Einwohnern hat wahrscheinlich das Geld für den Kauf eines Automobils und die Erkenntnis der Nützlichkeit des neuen Fortbewegungsmittels gefehlt», fährt Anderhalden fort. Erst im Verlaufe der 1920er-Jahre sei die Zahl der Motorfahrzeuge rasch angestiegen.

Noch keine Unfälle angezeigt

Zu Beginn der 20. Jahrhunderts «befuhren erst 387 Automobilwagen und 126 Automobilvelozipede (Motorräder) das primitive Strassennetz der Schweiz», hält der Autor in seinem reich bebilderten 126-seitigen Buch fest. 1902 wollte es das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement in Sachen Automobile genau wissen und erkundigte sich bei allen Kantonen nach den bisherigen Erfahrungen mit dem motorisierten Verkehr. Der Obwaldner Regierungsrat antwortete: «Im herwärtigen Kanton wird zurzeit nur ein Automobilwagen verwendet, und zwar ausschliesslich als Beförderungsmittel für Personen im Privatverkehr resp. zu Sportzwecken.» Unfälle aus dem Verkehr mit Automobilen «sind bis jetzt keine zur Anzeige gelangt», hiess es weiter.

Die ersten Obwaldner Autobesitzer

Erster Besitzer eines Automobils im Kanton Obwalden war 1902 der Kernser Kantonsrat Alois Egger-Michel. Sein Auto war ein Zweisitzer, wog 400 Kilo und wies eine Leistungsstärke von 3,5 PS auf. Eine Versicherung war damals noch kein Thema. Nummernschilder gab es erst ab 1903: Egger erhielt die Nummer 2901 aus der vom Bund zugeteilten Schilderserie. Im Jahre 1906 kamen zwei weitere Autobesitzer hinzu: Der Engelberger Hotelier Alfred Hug mit einem zweizylindrigen Vierplätzer sowie der Kernser Dorfarzt Gallus Deschwanden.

Verzeichnet wurden ferner drei Motorräder. 1909 wurde der erste Lastwagen durch den Kernser Fabrikanten Josef Vogel eingelöst. Nach wie vor entwickelte sich das Automobilwesen in Obwalden aber gemächlich: So waren 1917 im ganzen Kanton erst zwölf Personen Besitzer eines Motorfahrzeuges. Zum Vergleich: Hundert Jahre später weist Obwalden einen Gesamtbestand von über 31000 Motorfahrzeugen aller Art auf.

Motorfahrzeuge auf dem Brünig verboten

Auch die Begeisterung der Behörden für die neue Technik hielt sich in Grenzen. Zwar ging der Obwaldner Regierungsrat nicht so weit wie die Bündner, die im August 1900 ein Fahrverbot für Automobile auf sämtlichen Strassen des Kantons verkündeten, das bis 1925 galt. Die Obwaldner Regierung hielt aber bereits 1900 fest, dass sich auswärtige Automobilfahrzeuge «etwas unangenehm bemerkbar gemacht haben». Sie erliess deshalb eine Verordnung betreffend den Strassenverkehr mit Motorwagen mit klaren Einschränkungen und Bussenandrohungen.

«Einen schweizweit heftigen Sturm im Blätterwald», schreibt der Autor, löste 1906 die Sperrung des Brünigpasses für Motorfahrzeuge aus. Nach wenigen Wochen musste sich der Regierungsrat jedoch dem «äusseren Druck beugen» und hob das Fahrverbot am 2. Juli 1906 mit Bedingungen wieder auf. So war der Automobilverkehr am Brünig nur an Werktagen von vormittags 9 Uhr bis nachmittags 16 Uhr gestattet. Und für das Befahren der Strecke Giswil–Brünig–Passhöhe musste in den Bahnhofbuffets Giswil oder Brünig jedes Mal eine Fahrbewilligung eingeholt werden.

Der Bund übernimmt das Steuer

Im Verlaufe der 1920er-Jahre ist auch in den «ländlichen Gegenden die anfängliche Skepsis gegenüber den heulenden Ungetümen der Erkenntnis der Nützlichkeit des neuen Transportmittels gewichen», schreibt Anderhalden. Mit einer Änderung der Bundesverfassung ging 1922 die Gesetzgebungsgewalt im Automobil- und Fahrradverkehr vollständig auf den Bund über. Erst 1932 trat die entsprechende Gesetzgebung in Kraft. Die Motorfahrzeuge setzten sich nun auch in Obwalden durch, und 1936 wurden 182 Besitzer von Personenwagen sowie 55 Besitzer eines Lastwagens, Gesellschaftswagens oder Traktors verzeichnet.

Im Jahre 1933 wurde die bisherige Bundes-Nummern-Serie durch die heutige Nummerierung abgelöst. Gleichzeitig wurden die Fahrzeug- und Führerscheinprüfungen eingeführt. Zum ersten nebenamtlichen Prüfungsexperten des Kantons wählte der Regierungsrat den Sarner Christian Dillier-Wyrsch, der 1930 das heute noch bestehende gleichnamige Unternehmen gegründet hatte. In seiner Funktion «fasste» der erste Obwaldner Autoexperte gleich auch das Nummernschild OW 1.Dieses ziert heute noch ein Auto des Sarner Unternehmens.

Hinweis

Das Buch «Auf Rädern zum Erfolg» ist bei Bücher Dillier, Sarnen, und im Buchhandel zum Preis von 45 Franken erhältlich.

Auf den Teil zur Geschichte der Sarner Firma Dillier-Wyrsch AG kommen wir in einem weiteren Artikel zurück.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.