GESUNDHEIT: Happige Aufschläge in Obwalden

Die Krankenkassenprämien schiessen in die Höhe: 2015 zahlen Schweizer 4,0 Prozent höhere Prämien. Luzerner und Obwaldner müssen zum Teil deutlich mehr zahlen. Am härtesten trifft es die Nidwaldner.

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Arzt hört Lunge einer Patientin mit einem Stethoskop ab. (Symbolbild (Bild: Keystone)

Arzt hört Lunge einer Patientin mit einem Stethoskop ab. (Symbolbild (Bild: Keystone)

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat am Donnerstag den jährlichen Prämienanstieg bei den Krankenkassen bekanntgegeben. Ein Erwachsener mit einer Franchise von 300 Franken und Unfalldeckung bezahlt im nächsten Jahr durchschnittlich 4,0 Prozent, was einem Anstieg von 15,70 Franken entspricht.Für Kinder beträgt der Anstieg 3,8 Prozent. In den vergangenen Jahren lag die Prämiensteigerung jeweils zwischen 1,5 und 2,2 Prozent.

Die Prämienrunde 2015 ist politisch besonders brisant, da am kommenden Sonntag über die Volksinitiative «für eine öffentliche Krankenkasse» abgestimmt wird. Diese verlangt, dass die obligatorische Grundversicherung in Zukunft von einer einzigen Krankenkasse angeboten wird, einer öffentlich-rechtlichen Einrichtung mit kantonal einheitlichen Prämien. Die Befürworter der Initiative versprechen sich davon auch sinkende Prämien; die Gegner hingegen warnen vor steigenden Kosten.

Im Kanton Luzernsteigen die Prämien im Schnitt um 4,9 Prozent an (2013: 3,2 Prozent). Die Prämien für junge Erwachsene steigen um 5,8 Prozent, jene für Kinder um 4,7 Prozent. Im schweizerischen Vergleich sind die Krankenkassenprämien im Kanton Luzern trotzdem unterdurchschnittlich.

Der überdurchschnittliche Anstieg hat verschiedene Gründe. Zum einen hat die Luzerner Bevölkerung insgesamt mehr medizinische Leistungen beansprucht. Dabei sind vor allem die ambulanten Behandlungskosten gestiegen. Ein weiterer Kostentreiber ist die demographische Entwicklung. Die Menschen werden immer älter und beziehen länger medizinische und pflegerische Leistungen, schreibt die Staatskanzlei. Qualität habe auch ihren Preis, so Gesundheitsdirektor Guido Graf. Noch vor einem Jahr teilte Graf mit: «Der Prämienanstieg im Kanton Luzern wird in den kommenden Jahren moderat ausfallen».

Nidwalden ist Schweizer Spitzenreiter

Am happigsten ist der Prämienanstieg im Kanton Nidwalden: Nidwaldner zahlen6,8 Prozent höhere Prämien, was einer monatlichen Mehrbelastung von 20.90 Franken entspricht. Das ist der höchste Anstieg aller Kantone. Gar 8,1 Prozent beträgt der Anstieg bei den jungen Erwachsenen, 6,9 Prozent bei den Kindern.

Nidwaldens Gesundheitsdirektorin Yvonne von Deschwanden zeigte sich auf Anfrage «schon etwas enttäuscht», dass der Anstieg so hoch ausgefallen sei. Für die Bevölkerung sei er happig.

Von Deschwanden betonte aber auch, dass die Nidwaldnerinnen und Nidwaldner die zweittiefsten Prämien überhaupt bezahlen würden. Als Grund für den Anstieg nannte sie unter anderem das Bevölkerungswachstum. Längerfristig verspricht sie sich von der gemeinsamen Spitalversorgung mit Luzern (LUNIS) eine Beruhigung der Situation.

Die Obwaldner leiden 2015 ebenfalls stark: Der Prämienanstieg beträgt in Obwalden 6,2 Prozent, bei den jungen Erwachsenen 7,4 Prozent, bei den Kindern 6,4 Prozent. Obwaldens Landammann Hans Wallimann sagte, dass das Prämienniveau in Obwalden schon länger tief sei und es auch nach dem Aufschlag noch sei. Er geht von einer Angleichung aus, die «verkraftbar» ist.

Allerdings gehören Ob- und Nidwalden mit Prämien von durchschnittlich 329 beziehungsweise 345 Franken im Monat für Erwachsene zu den fünf Kantonen mit den tiefsten Prämien überhaupt. Die allertiefsten Prämien bezahlen die Appenzell Innerrhoder - und zwar von jung bis alt.

Am meisten Prämien zahlt 2015 im Kanton Basel eine Erwachsene Person mit 533 Franken pro Monat, gefolgt von Genf (500.-) und Waadt (422.-). Am anderen Ende der Skala liegen Appenzell Innerrhoden (320.-), gefolgt von Nidwalden (329.-) und Graubünden (344.-).

Zug will tiefste Prämien

Im Vorteil sind die Zuger Prämienzahler: Im Kanton Zugist der Aufschlag mit 3,6 Prozent unter dem schweizweiten Durchschnitt. Die Palette reiche von einer Reduktion von 6 Prozent bis zu einer Erhöhung von 9,6 Prozent, wie das Zuger Gesundheitsdepartement vorrechnet. Das entspreche der Strategie «Leuchtturm 2020», wonach sich Zug unter den prämiengünstigsten Kantonen der Schweiz positionieren will. Laut dem Gesundheitsdirektor Urs Hürlimann profitiere die Zuger Bevölkerung insbesondere von früher zu viel bezahlten Prämien. So werden die Versicherten im Kanton Zug in den Jahren 2015 bis 2017 als Einzige in der Zentralschweiz eine Rückerstattung erhalten.

Mit 4,1 Prozent liegt der Anstieg im Kanton Uriknapp über dem Schweizer Durchschnitt. Für Urner Erwachsene liegt im kommenden Jahr die durchschnittliche monatliche Krankenkassenprämie bei 345.70 Franken. Bei jungen Erwachsenen beträgt der Aufschlag 5,2 Prozent, bei Kindern 3,8 Prozent. Wie die Staatskanzlei schreibt, müssen Urner im nächsten Jahr immer noch weniger für ihre Krankenkassenprämien ausgeben als in den meisten anderen Kantonen.

Im Kanton Schwyzbeträgt der Aufschlag 4,4 Prozent für Erwachsene, 5,6 Prozent für junge Erwachsene und 4,3 Prozent für Kinder.

Berset: «Entwicklung wird so weitergehen»

Gesundheitsminister Alain Berset sagte am Donnerstag vor den Medien: «So lange die Gesundheitskosten steigen, steigen auch die Prämien. Die Entwicklung wird so weitergehen.»

«Die Schätzungen der Krankenkassen zeigen, dass die Kosten im nächsten Jahr um rund 4 Prozent steigen werden», sagte Berset. Dies bedeute einen Anstieg der Prämien im selben Ausmass. Das System verlange dies. Würden die Kosten nicht auf die Versicherten überwälzt, komme es früher oder später zu einem Prämienschock.

Gesundheitsminister Berset nannte drei Hauptgründe für den neuerlichen Prämienanstieg: «Die Leute werden generell älter, die Baby-Boom-Generation kommt in ein Alter, in der sie höhere Gesundheitskosten verursacht, und der technische Fortschritt in der Medizin kostet viel Geld.»

Die hohe Qualität des Schweizer Gesundheitswesens habe ihren Preis. Die Situation der Patienten werde medizinisch laufend verbessert. Berset nannte die Entwicklung neuer Krebsmedikamente als Beispiel: «Wir haben in diesem Bereich viel bessere Arzneimittel als noch vor zehn Jahren - diese kosten aber auch zehn Mal mehr.»

Berset versicherte, der Bundesrat unternehme alles, um die Gesundheitskosten zu senken. Er ergänzte aber - ohne Namen zu nennen -, dass die ideologische Diskussion mit vielen Akteuren die Suche nach Lösungen erschwere.

So wechseln Sie Ihre Krankenkasse

Wer die Krankenkasse oder das Versicherungsmodell wechseln will, hat mit der Kündigung bis Ende November Zeit. Bis dann muss das Schreiben beim Versicherer eintreffen. Bis Ende Dezember muss der Nachweis für die neue Grundversicherung der alten Kasse zugestellt werden.

Das Bundesamt für Gesundheit bietet für Vergleiche seine Prämienübersicht an und gibt Hinweise etwa zu Kündigungsfristen, Sparmöglichkeiten, HMO-Standorten oder Hausarztnetzen.

Das Bundesamt hat einen Prämienrechner aufgeschaltet. Auf der Webseite www.priminfo.ch lassen sich die Prämien oder Versicherungsangebote vergleichen und kostenlos Offerten online bestellen. Zu Bürozeiten berät die Hotline 058 464 88 01. Schon lange in Sachen Krankenkassen aktiv sind die beiden Vergleichsdienste comparis.ch und bonus.ch.

Wer sich lieber auf Papier informiert, kann beim Bundesamt für Gesundheit bis Ende Jahr die Dokumentation Prämienberatung bestellen.

rem/sda