Gibelguuger geben Hoffnung nicht auf

Sie prägten 24 Jahre lang die Dorffasnacht in Lungern. Nun lösen sich die Gibelguuger auf – wegen Nachwuchsmangel.

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Die Gibelguuger aus Lungern. (Bild: PD)

Die Gibelguuger aus Lungern. (Bild: PD)

Wer an die Lungerer Dorffasnacht denkt, kommt um die Gibelguuger nicht herum. Sie waren es, die fast ein Vierteljahrhundert lang das närrische Treiben am Fasnachtsmontag organisierten – und selber ihren kakofonischen Beitrag zur Lungerer Fasnacht beisteuerten. Während die Gumulu kürzlich ihr 33-Jähriges feierte, endet ein Kapitel Fasnachtsgeschichte. 24 Jahre nachdem an einer Luzerner Tagwacht bei zehn Fasnachtsbegeisterten die Idee einer eigenen Guuggenmusik aufgetaucht war, lösen sich die Gibelguuger auf. «Unser Bestand ist mittlerweile auf acht Mitglieder geschmolzen. So macht eine Weiterführung keinen Sinn mehr», begründet Präsident Jonas Furrer (21) den Entscheid. Ein weiteres Problem stellte sich jeweils beim Organisieren der Dorffasnacht vom Fasnachtsmontag, welche seit Beginn unter der Federführung der Gibelguuger läuft. «Die bescheidene Anzahl Mitglieder wurde unter anderem beim Aufstellen und Abräumen bemerkbar – als wir zu zehnt versuchten, den Anlass auf die Beine zu stellen», so Jonas Furrer, der selber seit sechs Jahren bei den Gibelguugern dabei ist – davon seit drei Jahren als Präsident. «Die Zeit war gekommen, dem Elend ins Auge zu schauen und in den sauren Apfel zu beissen.»

Der Nachwuchs blieb aus

In den besten Zeiten bestand der Verein aus bis zu 40 Mitgliedern. In den vergangenen Jahren gaben immer mehr Guugger der ersten Stunde ihren Rücktritt – sie waren sozusagen dem Guugger-Alter entwachsen. Jonas Furrer: «Im vergangenen Jahr traten zwölf Mitglieder gleichzeitig aus.» 2009 nahmen die Gibelguuger das letzte Mal an der Fasnacht teil. Das Konzert am Sachsler Mattliball im vergangenen Jahr setzte dann sozusagen den fulminanten Schlusspunkt dieser Guugger-Ära. Für einmal spielten noch stolze 37 Gibelguuger auf – darunter viele ehemalige Enthusiasten.

Trotz verschiedentlichen Anstrengungen, so etwa einem Grillabend für Beitrittsinteressierte, konnte das Nachwuchsproblem nicht gelöst werden. Seit fünf Jahren gab es keine Neuzugänge mehr. «Viele wollen nicht alleine zu den Gibelguugern stossen und verzichten darum auf einen Beitritt», begründet Jonas Furrer das Problem. Man habe den Schritt zur Auflösung noch um ein Jahr hinausgezögert, dann aber einsehen müssen, dass ein weiteres Zuwarten das Problem nicht gelöst hätte. Die Auflösung löste Wehmut aus. «Viele Gründungsmitglieder haben mir geschrieben und ihr Bedauern über die Auflösung ausgedrückt. Verständlich, schliesslich waren sie es, die 1988 die Gibelguuger ins Leben riefen. Furrer: «Sie begannen mit nichts ausser viel Herzblut und mussten Instrumente und Geld beschaffen.»

Hoffnung auf Neuanfang

Jonas Furrer gibt die Hoffnung nicht ganz auf, dass irgendeinmal ein paar Fasnachtsbegeisterte mit denselben Ideen die Gibelguuger wieder zum Leben erwecken. «Ein grosses Vereinsvermögen und Instrumente für bis 40 Mitglieder wären vorhanden. Es müsste also nicht bei null begonnen werden.»

Mit der Auflösung der Gibelguuger verliert die Lungerer Dorffasnacht auch ihr langjähriges Organisationskomitee. Eine Zeit lang war darum auch die Zukunft der Dorffasnacht ungewiss. Nun gibts Entwarnung. Ein siebenköpfiges Organisationskomitee der IG Dorffasnacht Lungern, bestehend auch aus ehemaligen Gibelguugern, organisiert die Fasnacht 2012 am Fasnachtsmontag. «Eine Fortsetzung lag uns sehr am Herzen», erklärt OK-Mitglied Christian Britschgi. «Das einzige Hindernis war, die nötigen Guuggenmusiken zu organisieren. Mittlerweile haben wir von drei Guuggenmusiken eine Zusage erhalten, die am Umzug teilnehmen.» Total sechs Guuggenmusiken werden am Fest auftreten. Damit findet die Fasnacht in Lungern wieder im selben Rahmen wie an anderen Jahren statt – mit insgesamt rund zehn Nummern am Umzug und einem anschliessenden Fest.

Matthias Piazza/ Neue OZ