GISWIL: «Der Preis ist eine Schande»

Der 4. Obwaldner Fälimärt zog über 400 Besucher an. Während das Volksfest viel Anlass zur Gemütlichkeit und Kollegialität gibt, macht den Jägern der Preiszerfall bei den Fellen keine Freude.

Philipp Unterschütz
Drucken
Teilen
Michael Ming, Ulrich Knozinger, Adi Wolf (OK-Präsident), Christoph Krummenacher, Ruedi Wolf und Chrigu Wolf (von vorne) bringen ihre Fuchsbälge an den Fälimärt. (Bild: Philipp Unterschütz (Giswil, 4. März 2017))

Michael Ming, Ulrich Knozinger, Adi Wolf (OK-Präsident), Christoph Krummenacher, Ruedi Wolf und Chrigu Wolf (von vorne) bringen ihre Fuchsbälge an den Fälimärt. (Bild: Philipp Unterschütz (Giswil, 4. März 2017))

Philipp Unterschütz

philipp.unterschuetz@obwaldnerzeitung.ch

«Ist es nun ein Fellmarkt oder ein Volksfest?», fragt sich der Besucher. Im Foyer der alten Turnhalle Giswil treffen die Jäger ein, die meisten mit Anhang, Freunden oder Familie, verkaufen ihre Felle einem der beiden Händler und begeben sich schnurstracks in die Turnhalle, wo die Festwirtschaft mit musikalischer Unterhaltung, Wildspezialitäten und traditionellen Obwaldner Spezialitäten bis spät in die Nacht wartet. Adi Wolf, OK-Präsident des 4. Obwaldner Fälimärts, lacht. «Es ist beides. Der Fälimärt ist nicht zuletzt vor dem Hintergrund entstanden, dass wir Jäger und Bevölkerung zusammenbringen wollten. Es geht auch darum, Vorurteile abzubauen und Verständnis zu fördern.» Da könne man beispielsweise im Gespräch auch mal vermitteln, dass die Obwaldner Jäger im vergangenen Jahr 8500 Stunden Hegeleistungen erbracht hätten.

Und das Konzept des Fälimärts kommt an. Die Tische in der Turnhalle sind schon um 17 Uhr fast voll besetzt. Insgesamt besuchten über 400 Personen die vierte Ausgabe. Und es seien immer mehr Familien dabei, die auch wegen der Ausstellung – unter anderem mit Tierpräparaten – kämen, freut sich Adi Wolf.

Der Preis für Fell ist in den Keller gefallen

Für die Jäger – die meisten kommen aus Ob- und Nidwalden – ist es wichtig, dass sie ihre Felle, vorwiegend Fuchsbälge, in ihrer Wohnregion den Händlern verkaufen können. Es gibt weitere Märkte in Muotathal, Altdorf, Sursee und Thun, doch wird dort teilweise an Werktagen am Morgen gehandelt. Für viele berufstätige Jäger also nicht einfach. «Das war ein Wahnsinn für uns, eine Stunde zu fahren, nur um ein paar Felle zu verkaufen», erzählt Adi Wolf. «Wir sagten uns, wir machen es anders: zuerst handeln, dann ein Volksfest.» Man wolle ja auch die Kollegialität unter den Jägern pflegen. Gewinne aus der Veranstaltung steckt das siebenköpfige OK jeweils in die Tombola, die auch an der diesjährigen Ausgabe ein beachtliches Ausmass hat.

Die weite Fahrt an einen Fellmarkt würde sich nur schon wegen der Preise nicht mehr lohnen, diese seien in den vergangenen Jahren regelrecht abgestürzt. Peter Hofstetter aus Flawil, seit 35 Jahren Fellhändler, zahlt dieses Jahr je nach Qualität 8 bis 10 Franken pro Fuchsbalg, 20 für ein Marderfell. Rund 150 Fuchsfelle kauft er jeweils in Giswil ein. Angeliefert wurden laut Adi Wolf 263 Füchse, 32 Marder und 4 Dachse. Die Qualität sei sehr gut, sagt Peter Hofstetter. «90 Prozent der Felle gehen in den Export und kommen wohl teilweise wieder an Kleidungsstücken zurück, 10 Prozent verarbeiten wir selber in der Kürschnerei.» Viel Spannweite zum Handeln habe er nicht. «Die Preise auch für Schweizer Fuchs werden an grossen internationalen Auktionen gemacht, der grösste Markt ist Russland», erklärt Peter Hofstetter. Die Jäger seien natürlich schon nicht glücklich über den Preiszerfall.

Für die Jäger gibt es Wichtigeres als die Felle

«Der Preis ist eine Schande», meint denn auch der Engelberger Erich Hess (65), der seit 46 Jahren auf die Jagd geht. Früher hätte man bis 300 Franken für einen schönen Fuchsbalg erhalten, und unter den Händlern sei noch Konkurrenz da gewesen. «Doch heute trauen sich die Leute ja nicht mehr, Pelz zu tragen. Die Pelzgegner und die Züchter, welche die Tiere quälen, haben den Markt kaputtgemacht.» Früher habe man zur Rheumabehandlung auch Katzenfelle verkauft, so etwas sei heute unvorstellbar. «Würde man nur an die Rendite denken, müsste man die Felle wegwerfen. Allein um es abzuziehen, braucht man rund eine Stunde.» Aber bei der Jagd gehe es hier ja auch nicht ums Fell, sind sich Erich Hess und Adi Wolf einig. «Das Erlebnis, die Natur, die Bestandeshaltung stehen im Mittelpunkt. Die Fuchsjagd ist zudem auch wichtig, weil der Fuchs ein gefährlicher Krankheitsüberträger ist, auch für Katzen und Hunde», sagt Adi Wolf, der selber zwölf Fuchsbälge verkauft hat. Die Jäger hoffen aber auf Besserung der Marktsituation , weil in Bern starke Bestrebungen im Gang sind, den Import von Pelzen zu erschweren.