Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

GISWIL: «Duu Uflaat, duu»: Berndeutsch in Giswil

Wer im Stück «Anne Bääbi im Sääli» mitspielt, braucht Sprachbegabung. Da wird Berndeutsch, Hochdeutsch und sogar Kroatisch – nur eben nicht Obwaldner Dialekt – gesprochen!
Romano Cuonz
Die Berner Regisseurin Renate Adam (rechts) übt mit Ruth Enz, der Darstellerin des Anne Bääbi, das ­breiteste Berndeutsch. (Bild: Romano Cuonz (Giswil, 17. Januar 2017))

Die Berner Regisseurin Renate Adam (rechts) übt mit Ruth Enz, der Darstellerin des Anne Bääbi, das ­breiteste Berndeutsch. (Bild: Romano Cuonz (Giswil, 17. Januar 2017))

Romano Cuonz

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

«Soonä schiissige Giraff begäreni niid», diktiert die Bernerin Renate Adam eins übers andere Mal. Ja, sie zelebriert es direkt, ihr breitestes Berndeutsch. «Den Mund weit öffnen, die Vokale lang dehnen», ermahnt sie die Giswiler Spielerinnen und Spieler. «Wir sprechen hier nicht Obwaldnerisch!» Sie müssen die markig ­blumig formulierten Sätze von Jeremias Gotthelf noch und noch wiederholen: Das Anne Bääbi (Ruth Enz), der Hansli (Res Berchtold), der Jakobli (Christoph Hurni), das Mädi (Marina Koller) oder auch der Sami (Jakob Grünen­felder). Alle erdenkliche Mühe ­geben sie sich. Versuchen, ihre Giswiler Mundart zu vergessen und Berndeutsch zu reden. Ein kleiner sprachlicher Hochseilakt! «Ohne Berndeutsch würden auch die wunderschön rhythmischen Mundartpassagen, mit denen Autor Beat Sterchi den Rahmen gesetzt hat, ihre Wirkung verlieren», gibt sich Renate Adam überzeugt. Dieses zeitgemässe Stück, das auf drei Ebenen spielt und in dem sich Konflikte der Spieler und des Dorfes stetig mischen, ja zuspitzen, sei lebendig und amüsant. «Nicht zuletzt, weil neben Gotthelfs Berndeutsch auch noch zwei andere Sprachen dazukommen und oft geradezu aufeinanderprallen», sagt Renate Adam.

Den ganzen Text auf Tonband

Weil die 60-jährige Profi-Regisseurin aus dem bernischen Hinterkappelen von Anfang an überzeugt war, dass dieses Berner Stück in Obwalden nur dann funktionieren kann, wenn die Laienspieler über ihren eigenen «Sprachschatten» springen, scheute sie keine Mühe, dieses Ziel zu erreichen. «Zuerst habe ich das ganze Stück auf Tonband vorgesprochen und es Spielerinnen und Spielern ausgehändigt», erzählt sie. Noch bevor man wirklich mit Proben begann, standen Sprachtrainings auf dem Programm. «Besonders schwer fällt es den Obwaldnern, die langen Vokale – ein Merkmal des Berndeutschen – zu übernehmen», sagt Adam. Und sie hat auch gleich einige Beispiele zur Hand, wie es tönen müsste: «Duu Uflaat, duu, was de bisch! Soones Schläärpli isch es, mideme Titti­gfrääss! Äs wird ä suuferi Moore si.» Die Giswiler sprechen es nach. Üben und üben. Derweil beschäftigt sich Renate Adam schon mit zwei anderen Sprachherausforderungen. Die «Ochsen»-Kellnerin Marjia (Sonja Müller) spricht entweder mit kroatischem Akzent Deutsch oder stellenweise tatsächlich Kroatisch. «Für sie haben wir eigens einen kroatischen Coach engagiert», erzählt Adam. Schliesslich sei da auch noch der aus Deutschland importierte Regisseur Holger im Stück. «Damit er komisch wirkt, muss Michael Grieger in dieser Rolle ein möglichst reines Bühnendeutsch hinkriegen», sagt Renate Adam. Alles in allem sei der Umgang mit all den verschiedenen Sprachen durchaus auch lustig gewesen, versichert sie.«Jedenfalls haben wir während der Proben noch und noch gelacht.»

Hinweis

Theater Giswil: «Anne Bääbi im Sääli» in der Kulturhalle beim Schulhaus Giswil. 13 Aufführungen vom 21. Januar bis 25. Feb­ruar. Infos: www.theater-giswil.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.