GISWIL: Ein grosses Fest mit Fahnen und Chlefeli

Beim Treffen der schweizerischen Landjugend standen Innerschweizer Traditionen wie Fahnenschwingen auf dem Programm. Dieses erwies sich als schwieriger als gedacht.

Silvia Embacher
Drucken
Teilen
Fahnenschwinger-Workshop in der Mehrzweckhalle. (Bild: Izedin Arnautovic (Giswil, 30. September 2017))

Fahnenschwinger-Workshop in der Mehrzweckhalle. (Bild: Izedin Arnautovic (Giswil, 30. September 2017))

Es ist laut am Samstag in der Kulturhalle Giswil, als unzählige Chlefeli gleichzeitig zusammenschlagen. Das Herbst-Info-Treffen der Landjugend Schweiz ist in vollem Gang und bietet dieses Jahr unter dem Motto «Schwungvoll durs Wuchäend» Kurse im Chlefelen und Fahnenschwingen an. Die Landjugend wurde ursprünglich von Bäuerinnen und Bauern gegründet, hat inzwischen aber Mitglieder aus den unterschiedlichsten Berufen und umfasst Jugendliche von 14 bis 30 Jahren. Jährlich findet ein Treffen statt, wo Kultur und Geselligkeit zelebriert werden. Dieses Jahr wurde es vom Innerschweizer Regionsverband Winkelried organisiert, und so sind fast 70 Teilnehmer aus der ganzen Deutschschweiz nach Giswil gereist.

Chlefelen wirkt auf die Teilnehmer ansteckend

Chlefelen, das Kulturgut aus dem Kanton Schwyz, das seit kurzem auf der Unesco-Liste für immaterielles Kulturerbe der Schweiz steht, zieht alle Teilnehmer in seinen Bann. Julius Nötzli, der die jungen Teilnehmer im Chlefelen unterrichtet, zeigt sich begeistert: «Es ist wahnsinnig, wie gut die Jungen waren, sie machten von Anfang an mit Elan und im Rhythmus mit. Manchmal sind die Leute sehr verkrampft mit den Händen.»

Julius Nötzli, der schon über 30 Jahre chlefelet, machte im Vorjahr als «Nötzli mit den Chlötzli» im Final von «Die grössten Schweizer Talente» auf sich aufmerksam, und so erkannten ihn auch viele Kursteilnehmer auf den ersten Blick. Der Kurs wird überraschend mit Dehnübungen gestartet, das Schlagen der kleinen Hölzer zwischen den Fingern kann durchaus in die Arme gehen. Dann erzählte der Schwyzer von der Herkunft des Chlefelen als «Siechenklappern» im 13. Jahrhundert, als Menschen mit ansteckenden Krankheiten sich damit für Gesunde bemerkbar machten.

Ansteckend ist es inzwischen nur noch im positiven Sinn. Julius Nötzli erzählt begeistert, wie er Jung und Alt unterrichtet, «einmal sogar 21 Schulklassen in einer Woche». Auch die Mitglieder der Landjugend zeigen sich angetan, in der Pause kaufen sich einige eigene Chlefeli, um zu Hause weiterzuüben.

Fahnenschwingen will gelernt sein

Gegenüber in der Mehrzweck­halle übt die andere Gruppe das Fahnenschwingen und bekundet dabei Mühe, die wehenden Flaggen ordnungsgemäss in die Höhe zu werfen. Bein-, Hoch- und Mittelhochschwung, die unter Anleitung von Profis trainiert werden, funktionieren auf Anhieb nicht wunschgemäss. «Man muss die Fahne gut in die Hand nehmen und die richtige Technik haben, damit sich die Fahne nicht verwickelt. Man sieht schnell, ob es jemand draufhat oder nicht», erklärt Erwin Langensand, Präsident der Obwaldner Fahnenschwinger. Derweil werden draussen Festzelte und -bänke aufgestellt, die letzten Vorbereitungen für das abendliche Schuäl­hittä-Fäscht laufen. Trotz Regen rechneten die Organisatoren mit bis zu 1000 Besuchern.

Silvia Embacher

redaktion@obwaldnerzeitung.ch