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Giswil erlebte eine Sprechstunde auf dem Saxofon

Für einmal stand der Dorfarzt im Mittelpunkt des Jahreskonzertes der Musikgesellschaft. Mit seiner Rhapsodie für Alt-Saxofon erntete er frenetischen Applaus.
Bruno Dillier bei seinem Solo-Einsatz am Saxofon. (Bilder: Primus Camenzind (Giswil, 13. April 2019))

Bruno Dillier bei seinem Solo-Einsatz am Saxofon. (Bilder: Primus Camenzind (Giswil, 13. April 2019))

Die Jahreskonzerte vom Samstag und Sonntag waren ausverkauft. Man hätte meinen können, sämtliche Patienten von Bruno Dillier seien an den beiden «Sprechstunden» anwesend. Und falls sie ihren Dorfdoktor zum ersten Mal in musikalischen Belangen aufsuchten, so dürften sie den Gang in die Konzerthalle Giswil bestimmt nicht bereut haben.

Zum Auftakt spielten die gut und gerne 50 Musikanten unter Leitung von Annette Jakob allerdings ein festliches Präludium von Alfred Reed (1921-2005, USA). Als Eröffnungsstück hätte die Dirigentin kaum ein geeigneteres Werk auswählen können. Der feierliche Charakter und das auf absoluten Wohlklang ausgerichtete Arrangement gaben dem Korps Gelegenheit, gleich von Beginn an seine erstaunliche Klangkultur unter Beweis zu stellen.

Ein sichtlich erleichterter Solist

In der Folge trat Daniela Halter ins Rampenlicht. Ihre in unverfälschtem Dialekt aus dem mittleren Wallis humorvoll inszenierte Moderation zog sich zur Gaudi des Publikums einem roten Faden gleich durchs zweistündige Programm. Sie kündigte alsdann den bereits erwähnten Dorfdoktor an. Mit flockiger Leichtigkeit meisterte Bruno Dillier die bereits erwähnte Rhapsodie von Fritz Neuböck (1965*, Österreich). Der Interpret legte dem vom Giswiler Blasorchester subtil begleiteten Konzert seine eigene Musikalität und viel handwerkliches Können zu Grunde. Warum er nach dem letzten Ton und bei tosendem Applaus seine Erleichterung nicht verbergen mochte, erklärte er uns in der Pause: «Es ist das erste Mal im Leben, dass ich ein Konzert als Solist spielen darf», sagte der seit 22 Jahren in Giswil praktizierende Arzt. Fast ebenso lang ist er in der Musikgesellschaft. Vor wenigen Jahren wurde er vom Verein ermuntert, sich bei Gelegenheit mit einem Solostück Gehör zu verschaffen. «Ich spürte dabei die Verantwortung, ein Stück möglichst gut und nach meinen Vorstellungen vorzutragen. Und wenn das jetzt recht gut gelungen ist, löst sich die innere Anspannung und man ist froh und glücklich».

Bruno Dillier mit Dirigentin Annette Jakob.

Bruno Dillier mit Dirigentin Annette Jakob.

Am 1. Innerschweizer Musikfest Mitte Juni wird die Giswiler Musik als Selbstwahlstück «Cry Of The Last Unicorn» von Rossano Galante (1967*, USA) zum Besten geben. Die Sage um ein scheues, magisches und von Menschen gejagtes Einhorn wurde nun in Giswil erstmals konzertreif vorgetragen. Es gibt in der Vorbereitung noch etwas «Luft nach oben», aber die Lyrik, kammermusikalische Passagen, romantische Motive und die Steigerung der Dramaturgie vermochten das Publikum schon jetzt, zwei Monate vor diesem Wettbewerb in Hergiswil, zu überzeugen. Noch vor der Pause erklang der «Marsch der Studentenlegion» von Bedrich Smetana (1824-1884, Tschechien).

Die spielfreudige Jungmusik Giswil-Lungern unter Leitung von Norbert Kiser stimmte das Publikum mit pfiffigen Songs und dem «Final Countdown» auf die zweite Konzerthälfte ein. Deren Höhepunkt war zweifelsohne die «Second Suite For Band» von Alfred Reed. In vier Sätzen bringt der begnadete Komponist und Arrangeur lateinamerikanische und mexikanische Klänge und Rhythmen zum Tragen. Der finale Paso Doble hat alles, was ein sinfonisches Blasorchester an Melodik und Farben erzeugen kann. Hauptmotiv und Nebenthemen zerfliessen förmlich in einem facettenreichen Tongemälde. Wenn dereinst einzelne Register noch homogener ineinandergreifen, könnte die schon jetzt respektable Wiedergabe des berühmten Reed-Klassikers zum einzigartigen Hörerlebnis werden.

Mit «Musica bohemica» von Zdeněk Lukáš (1928-2007, Prag), «Balkan Seven» von Scott Watson (1962*, USA) und der «Russian Circus Music» von Ray Woodfield (1931*, England) bewiesen das Orchester und seine bestens disponierte Dirigentin, dass Unterhaltungsmusik geschmackvoll ausgewählt und stilvoll interpretiert werden kann. Auch die vom Publikum mit Leidenschaft erklatschten Zugaben «Those Were The Days» (russisches Zigeunerlied) und «Zuger Marsch» garantierten für ein Vergnügen bis zum letzten Augenblick.

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