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GISWIL: Familie schenkt sich ein Haus aus Stroh

Nein, sie ist nicht verrückt! Die Familie Kurmann hat gute Gründe, ihr Wohn- und Gewerbehaus aus Stroh zu bauen. Jetzt war Aufrichte.
Wie bei Lego: Arbeiter setzen in Giswil die Strohmodule zu einem Haus zusammen. (Bild: Marion Wannemacher / Neue OZ)

Wie bei Lego: Arbeiter setzen in Giswil die Strohmodule zu einem Haus zusammen. (Bild: Marion Wannemacher / Neue OZ)

Das Wetter ist perfekt. Das war in den vergangenen drei Tagen auch schon anders. «Ein bisschen Feuchtigkeit schadet nicht. Nass darf es dagegen nicht sein, sonst kann sich Schimmel bilden», erklärt Sacha Kurmann (39). Seine Familie baut ein Wohn- und Gewerbehaus. Das ist an und für sich nichts Aussergewöhnliches. Speziell aber: Das Haus besteht aus Strohpaneelen.

Ein Augenschein am Morgen des vierten Tag des Aufbaus: Das erste Geschoss ist fertig, der Fussboden des zweiten Stocks montiert. Tagesziel ist die Montage des Dachs. «Anschliessend werden wir noch das Vordachelement anbringen», erklärt Matthias Meister, Projektleiter bei der Holzbaufirma Küng. Sie hat alle Elemente mit Ausnahme der Aussenwände produziert und ist für das Aufrichten vor Ort zuständig. Ein Haus in fünf Tagen? «Die Strohmodule sind Fertigelemente», klärt Sacha Kurmann auf. «Sie haben im Wesentlichen die gleiche Grösse.» Standardmodule sind 1,20 Meter breit und 3 Meter hoch. Ein bisschen wie bei Lego? «Genau», bestätigt Kurmann.

Im Nachbarland Bauweise gelernt

Auch wenn sie selten sind: Strohhäuser in Elementebauweise gibt es schon. Ende 2012 wurde auch im luzernischen Knutwil durch den bekannten Bündner Architekten Werner Schmidt ein solches Haus errichtet. In Giswil ist Sacha Kurmann, Maler und Gipser, selber Bauherr. Während seiner Ausbildung zum Baubiologen hatte er zum ersten Mal von Strohhäusern gehört. Er war begeistert. «Ich hörte von Herbert Gruber in Österreich und nahm dort an einer Fortbildung über Strohballenbau teil.» Vergangenen Herbst kauften er und Ehefrau Maja (37) das Land und begannen ihr Strohhaus zu planen.

Haus zieht Schaulustige an

«Strohelemente haben einen super Dämmwert», nennt Sacha Kurmann einen Vorteil. «Das Baumaterial hinterlässt keinen Müll im Vergleich zu herkömmlichen Isolationsmaterialien», ergänzt seine Frau Maja. Halten soll das Haus über 100 Jahre, sagen Experten. Kurmanns fanden heraus, dass in Nebraska auch über hundertjährige Häuser noch bewohnt werden. Vom Wohnklima erhofft sich das Ehepaar ebenfalls Vorteile. «Das Haus atmet», sagt der Handwerker.

Punkto Brandschutz seien die Werte ebenfalls durch die dichte Pressung – 120 Kilo Stroh auf einen Kubikmeter – unproblematisch. Verputzen wird der Gipser die Wände zum Teil direkt mit Lehm, zum Teil wird er sie mit Täfer verkleiden. Geheizt werden soll mit einer Wärmepumpe. «Eigentlich überdimensioniert», räumt Sacha Kurmann ein, aber man habe nicht allein mit einem Kachelofen heizen wollen. Der Gesamtpreis des Hauses beträgt knapp 800'000 Franken.

Und wie reagieren Freunde und Bekannte? «Vielleicht denken sie: ‹Die spinnen!›, sagen tun sie es nicht. Wir hören höchstens mal Bedenken, das Stroh könne Mäuse anziehen. Aber es ist kein Korn», betont das Ehepaar. Immer wieder kommen Interessierte an die Industriestrasse 41, um das aussergewöhnliche Werk zu bestaunen.

Ein begeisterter Lehrer

Gerade lässt sich ein Architektenteam aus Zürich durch den Rohbau herumführen. Darunter ist auch Sacha Kurmanns Lehrer, der ihn zum Baubiologen ausgebildet hat. Alfred Rüegg ist überrascht, dass er hier auf seinen ehemaligen Schüler trifft. «Es ist super, dass er die Wände zum Teil auch noch mit Lehm verputzt», lobt er. Maja Kurmann zeigt im Rohbau das Magazin. Nebenan sind Wohnzimmer und Küche, im oberen Geschoss die Schlafräume der Eltern und der drei Kinder. Der Anteil der Wohnung beläuft sich auf 180, der des Magazins auf 220 Quadratmeter. Die Proportionen waren Bedingung für die Genehmigung des Bauantrags.

Ist es nicht seltsam, in einer Industriestrasse zu wohnen? «Gar nicht», sagen die Kurmanns und strahlen. «Wir freuen uns auf die Freiheit hier draussen.» Schule und Bahnhof sind nicht weit weg. Im Januar ist Züglete. «Aber Weihnachten feiern wir sicher schon hier», sagt Maja Kurmann.

Marion Wannemacher

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