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GISWIL: Fantasie geht mit dem Chauffeur durch

Er fährt einen Sattelschlepper und zeigt der Polizei einen Ausweis, mit dem er auch Ufos lenken dürfe. Der spezielle Fall des Diplomaten einer unbewohnten Insel.
Oliver Mattmann
Der gefälschte Ausweis «berechtigt» zum Lenken aller vorstellbaren Fahr- und Flugzeuge – sogar Ufos. Ausgestellt ist er auf den Namen Jesus Zen Droïd. (Bilder Kantonspolizei Obwalden)

Der gefälschte Ausweis «berechtigt» zum Lenken aller vorstellbaren Fahr- und Flugzeuge – sogar Ufos. Ausgestellt ist er auf den Namen Jesus Zen Droïd. (Bilder Kantonspolizei Obwalden)

Kennen Sie die Insel namens Peilz? Nein? Gleich ergangen ist es den Obwaldner Polizisten, als ihnen der Chauffeur eines Sattelschleppers bei einer Kontrolle in Giswil seinen Führerausweis entgegenstreckte. Darauf gibt sich der 35-jährige Chauffeur als Diplomat der kleinen Waadtländer Insel Peilz aus – notabene eine gerade mal 400 Quadratmeter grosse Oase im oberen Genfersee. Auf der Insel steht einzig und allein ein Baum. Von vermeintlichen Bewohnern ist logischerweise weit und breit keine Spur. Fälschungen von Ausweisen kommen laut Christoph Fries, Leiter der Kriminalpolizei Obwalden, ab und zu vor, doch ein solches Exemplar hat wohl auch er noch nie zu Gesicht bekommen.

Wann hört Künstlerfreiheit auf?

Der Fall hat sich am vergangenen Freitagmorgen zugetragen. Die eigenartigen Kontrollschilder des Lastwagens mit Anhänger, der an der Brünigpassstrasse abgestellt gewesen war, waren den Polizisten ins Auge gestochen. Nebst einer höchst ungewöhnlichen Reihenfolge von weissen Buchstaben und Nummern auf schwarzem Hintergrund zierte das Kürzel «CD» (französisch: Corps Diplo­matique) die Schilder. Dieses wird als Fahrzeugkennzeichen für Diplomaten verwendet. Nur in diesem Fall traf dies nicht zu. «Es ist eine ziemlich kuriose Angelegenheit, so etwas haben wir hier auf dem Polizeiposten wohl noch nie erlebt», sagt Christoph Fries.

Als Begründung für seinen exotischen Ausweis und die gefälschten Kontrollschilder gab der Chauffeur zu Protokoll, dass diese Bestandteil seines Künstlerlebens seien. Ob dies noch der künstlerischen Freiheit zugeschrieben werden kann oder nicht: jedenfalls befugt ihn sein eigenwilliger Fahrausweis unter anderem dazu, Ufos zu steuern. Eigentlich wäre der 35-Jährige im Besitz des richtigen Fahrausweises – auch für den Lastwagen. Bloss: Dieser hat er den Polizisten bei der Kontrolle vorenthalten.

Abänderungen Marke Eigenbau

Laut Fries hatte der Schweizer bei der Befragung angegeben, in Giswil übernachtet zu haben. Auf die Frage, wohin er denn weiterfahren wolle, wusste er indes keine Antwort mehr. Über die Motivation des Mannes respektive dessen Zurechnungsfähigkeit kann die Polizei nur spekulieren. Bevormundet sei er nicht, hält Christoph Fries fest. Fakt ist: Die Hälfte seines rund 10 Meter langen Anhängers hatte er tatsächlich als Künstleratelier eingerichtet, die andere Hälfte als Mini-Wohnung. Darin fanden die Polizisten einen Töff mit ebenfalls gefälschten Kontrollschildern vor.

Beim Umbau seines Anhängers nahm er es mit den Vorschriften nicht so genau. Die hintere Doppelachse reduzierte er auf eine, obschon er ordentlich Gewicht mitführte. «Die Feder ist massiv ungenügend gewesen», nennt Christoph Fries einen von mehreren Mängeln. Nicht zugelassene Änderungen hatte er auch bei der Aufhängung der Kupplung und bei den Bremsen vorgenommen. Kommt hinzu, dass der angebliche Künstler weder für den Sattelschlepper noch den Lastwagen die nötigen Ausweise und Versicherungspapiere vorweisen konnte.

Polizei hält Sattelschlepper fest

Bis dies der Fall ist und die technischen Unzulänglichkeiten behoben sind, bleibt seine «Fracht» vorerst in Polizeigewahrsam. Der Mann selbst wurde an die Staatsanwaltschaft verzeigt und konnte den Polizeiposten nach der Befragung wieder verlassen. Er habe sich kürzlich in der Westschweiz abgemeldet und nun einen neuen Wohnort, «allerdings konnten wir diese Adresse noch nicht verifizieren», so Fries. Wie der Chauffeur ohne seinen Sattelschlepper dahin gelangt ist, weiss die Polizei nicht. Meldungen von Ufo-Sichtungen über Obwalden sind jedenfalls keine eingegangen ...

Oliver Mattmann

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