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GISWIL: «Gäll, Wisi, wir verstehen uns blind»

Seit rund dreissig Jahren richten die Giswiler Jäger Tristen auf. Eine alte Tradition mit neuzeitlichen Maschinen, die jeweils kurz vor Jahresende den Höhepunkt erreicht.
Flavia Niederberger
Mit der Maschine bringt Daniel Enz (links oben) das Heu zur Triste, wo es von Wisi Epp (Bild rechts) mit der Heugabel nach oben befördert wird zu Bärti Enz, der es mit seinen Händen andrückt. (Bild: Corinne Glanzmann (Giswil, 22. August 2017))

Mit der Maschine bringt Daniel Enz (links oben) das Heu zur Triste, wo es von Wisi Epp (Bild rechts) mit der Heugabel nach oben befördert wird zu Bärti Enz, der es mit seinen Händen andrückt. (Bild: Corinne Glanzmann (Giswil, 22. August 2017))

Flavia Niederberger

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

Seltsam wirkt das Spektakel, das sich am Dienstagnachmittag auf der Alp Horlachen abspielt. Mehr als drei Meter hoch liegt Heu aufgetürmt, in der Mitte ragt ein Tannenstab in die Höhe, und daran scheint ein Mann gefährliche Turnübungen auszuführen. Doch wozu das Ganze? In Wahrheit ist der Mann einer von elf Giswiler Jägern, die zusammen zwei Tris­ten erstellen. Probleme bereitet ihm eine unscharfe Säge, die seine Fertigstellung der Triste verlängert. Drei Tage sind die Jäger beschäftigt mit dem Mähen des Grases, Zusammentragen mit Bläsern und Erstellen der Tristen.

Dazu häufen sie auf einem Steinbett Heu rund um die Triststange, und eine Person stampft fortwährend das neue Material mit den Füssen fest. Zum Schluss wird die Stange gekürzt, damit ein Stück des Rasens den schützenden Deckel bilden kann. Damit das Wasser gut abperlen kann, sollte die Triste eine Birnenform haben. So bleibt das Heu innen trocken. «Wenn das gut gemacht wird, kommt das Heu raus wie Tabak», erklärt einer der Jäger stolz. «Dann hat es Glanzqualität!»

Dreissigjährige Jägertradition

Seit rund dreissig Jahren bewirtschaften die Giswiler Jäger das Land bereits, erinnert sich Heinz Wolf, der damals Hegechef war. Davor wurde das Gelände von Vieh genutzt. Nun sorgen die Jäger dafür, dass die Gegend nicht innerhalb weniger Jahre verwaldet. «Es ist ein ökologisch wertvoller Beitrag», betont Wolf. «Auch für das Landschaftsbild ist es schön, weil alles an der Triste vor Ort gewachsen ist.» Für ihre Arbeit erhalten sie einen kleinen Beitrag vom Kanton in ihre Vereinskasse. Doch für die Jäger stehen die Liebe zum alten Handwerk und die Zusammenarbeit im Vordergrund. Angefangen hatten die Jäger vor dreissig Jahren noch ohne Bläser und Mähmaschinen. «Eine gewisse Neuzeit hat schon Einfluss gehalten, aber das Ergebnis ist immer noch das gleiche: schöne Tristen und schöne Erlebnisse.»

Zusammenarbeit und Erfahrung sind entscheidend

Auch wenn es so wirken mag – gefährlich finden die Jäger ihre Arbeit nicht. Sie sind schwindelfrei und erfahren. «Die Schwierigkeit ist, dass es zwei braucht, die einander verstehen», erklärt Bärti Enz und ruft von oben Kollege Epp zu: «Gäll, Wisi, wir haben dies schon mehrere Jahre zusammen gemacht. Wir verstehen uns blind!» Beim Mähen am Wochenende sind auch Jägerfrauen und -kinder dabei, und beim Abtransportieren der Tristen, jeweils am 26. Dezember, werden diese zum gesellschaftlichen Anlass des ganzen Dorfes. Die Jäger werden bei Kaffee und Jodelgesang beobachtet, wie sie – wie vor hundert Jahren – voller Stolz das Heu auf Schlitten ins Tal transportieren. Es sei denn, es habe wie letztes Jahr zu wenig Schnee.

Wisi Epp befördertr das Heu mit einer Heugabel nach oben zu Bärti Enz. (Bild:Corinne Glanzmann (Giswil, 22. August 2017))

Wisi Epp befördertr das Heu mit einer Heugabel nach oben zu Bärti Enz. (Bild:Corinne Glanzmann (Giswil, 22. August 2017))

Bärti Enz.drückt das Heeu mit seinen Händen an. (Bild: Corinne Glanzmann (Neue NZ) (Giswil, 22. August 2017))

Bärti Enz.drückt das Heeu mit seinen Händen an. (Bild: Corinne Glanzmann (Neue NZ) (Giswil, 22. August 2017))

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