GISWIL: «Gebt Herrn Schmaltz eine Chance!»

Mit Skepsis begegnen einige Katholiken ihrem künftigen Gemeinde­leiter. Ulrich Schmaltz war über 20 Jahre reformierter Pfarrer in Uri – jetzt konvertiert er.

Marion Wannemacher
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Nach der Kirchgemeindeversammlung: Ulrich Schmaltz (links) im Gespräch mit Giswilern. (Bild Marion Wannemacher)

Nach der Kirchgemeindeversammlung: Ulrich Schmaltz (links) im Gespräch mit Giswilern. (Bild Marion Wannemacher)

Die Mitglieder der katholischen Kirchgemeinde Giswil hatten viele Fragen. «Sind Sie noch reformiert oder katholisch?», wollte eine Frau von Ulrich Schmaltz, dem künftigen Gemeindeleiter wissen. In welchem Pensum er arbeiten werde, fragte jemand anders. Dann die Gretchenfrage: «Warum wechseln Sie zum katholischen Glauben?»

Erstes Treffen mit neuem Hirten

Die Kirchgemeindeversammlung am Dienstagabend war für das Kirchenvolk die erste Gelegenheit, Ulrich Schmaltz kennen zu lernen. Vor allem ältere Personen zeigten Interesse: Der Raum im Mehrzweckgebäude war voll besetzt. Ende Juni wird Pfarrer Willy Gasser nach 28 Jahren Dienst in Giswil pensioniert. Ab Anfang August wird der 55-jährige Schmaltz neuer Gemeindeleiter. «Ich bin guten Mutes und freue mich auf die Arbeit hier,» sagte der gebürtige Deutsche und eingebürgerte Schweizer.

Fast 25 Jahre war Schmaltz Pfarrer in Uri, nicht in einer katholischen Kirchgemeinde, sondern in einer reformierten. Nun konvertiert er (wir berichteten). Bis Ende Juli sei er reformiert. Gottesdienste hält Schmaltz in seiner bisherigen Gemeinde Erstfeld aber bereits keine mehr. «Es geht nicht so von einem Tag auf den anderen, die Konfession zu wechseln», sagte er. «Es ist ein Prozess, schon seit vielen Jahren.» Schmaltz erzählte, dass ihn seine Grossmutter, eine bodenständige Katholikin, sehr beeindruckt habe. Am Anfang seines theologischen Studiums habe er darüber nachgedacht, katholischer Priester zu werden. Er habe sich aber auch gefragt, ob er das seinen reformierten Eltern zumuten könne. Die Zweifel würden sich legen, je länger er den Beruf ausübe, hatten ihm Pfarrer damals geraten. «Ohne dass ich sagen könnte, auf dem reformierten Weg wäre etwas falsch gelaufen – das ist jetzt nicht mehr meine Familie.» Es handle sich nicht um eine Entscheidung, sondern um eine spirituelle Vertiefung, sagte Schmaltz, der verheiratet ist und mit seiner Frau und seinen beiden erwachsenen Kindern nach Giswil ziehen wird. «Ich habe mich nie wirklich entschieden, sondern erkannt, wo der Weg in einer lebendigen Weise weitergeht.»

Kritik an später Information

Man sei überrannt worden, äusserte ein Gemeindemitglied Kritik an der mangelnden Information durch den Kirchgemeinderat. «Wir bekommen einen Gemeindeleiter und wissen nicht, welche Pflichten und Aufgaben er hat.» Moritz Koller, Präsident der Kirchgemeinde, bat um Verständnis. Ulrich Schmaltz habe zunächst seine Verhältnisse in der reformierten Gemeinde ordnen müssen. «In dem Moment, wo man diesen Schritt bekannt macht», wird man handlungsfähig», sagte Schmaltz selber.

Vertreter für einige Sakramente

«Wir haben viel Wertvolles aufgebaut, wir müssen aufpassen, dass nicht Sachen verloren gehen, die wir gepflegt haben, ich habe da etwas Angst», äusserte Religionspädagogin Romi Ziegler ihre Bedenken. Der neue Gemeindeleiter entgegnete, er lege Wert darauf, dass gepflegt werde, was der Gemeinde wichtig sei. «Mir liegt daran, dass wir lebendig halten, was Ihnen zum Leben und Glauben hilft.» Er bitte um die Unterstützung der Gemeinde.

Kritik wertete er positiv: Man müsste sich Sorgen machen, wenn niemand Bedenken hätte. «Dann hiesse das, dass Sie Ihre Kirche nicht ernst nehmen.» Zu den Befugnissen für Sakramente sagte der künftige Gemeindeleiter, er könne beerdigen und taufen, die anderen Sakramente seien dem Priester vorbehalten. Man sei daran, priesterliche Vertretungen zu suchen.

Appell an Giswiler

Gedankt wurde dem abtretenden Pfarrer Willy Gasser vor allem für seine seelsorgerliche Tätigkeit. «Es ist nicht selbstverständlich, so einen Pfarrer zu haben.» Pfarrer Gasser selbst appellierte an die Gemeindemitglieder, sich zu öffnen. «Ich möchte euch danken, dass ihr Offenheit zeigt, was ja eine Qualität der Giswiler ist, wenn etwas Neues kommt.» Moritz Koller sagte: «Wir sind überzeugt, dass wir einen erfahrenen, guten Mann angestellt haben und dass es kommt gut. Wir müssen uns aber auch öffnen und mitmachen. Gebt Herrn Schmaltz eine Chance!