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GISWIL: Hund Tim ist hier der König der Herzen

Seit einem Jahr verschenkt Aktivierungsfachfrau Klara Röthlin in der Betagtensiedlung dr Heimä mit ihrem Hund Momente puren Glücks. Bewohner und Personal haben den Vierbeiner liebgewonnen.
Marion Wannemacher
Klara Röthlin (rechts im Bild) besucht mit Hund Tim die Betagtensiedlung dr Heimä. Unser Bild zeigt sie mit dem Ehepaar Paul und Margrit Kiser. (Bild: Marion Wannemacher (Giswil, 28. März 2017))

Klara Röthlin (rechts im Bild) besucht mit Hund Tim die Betagtensiedlung dr Heimä. Unser Bild zeigt sie mit dem Ehepaar Paul und Margrit Kiser. (Bild: Marion Wannemacher (Giswil, 28. März 2017))

Marion Wannemacher

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

«Gäll du, so ein Braver», lobt Margrit Kiser. Klara Röthlin (54) lässt die Leine ihres Mischlingshundes Tim los. Der wedelt zur Begrüssung freundlich mit dem Schwanz, geht zur Seniorin und lässt sich streicheln. «Unser Grosskind heisst auch Tim», erklärt Paul Kiser. «Deshalb vergessen wir ihn nie», sagt er mit einem Fingerzeig auf Tim. «Sollen wir eine Runde spazieren gehen?», fragt Röthlin. Gemeinsam geht’s aus dem ebenerdigen Zimmer des Ehepaars ins Freigehege. Dort findet etwas Tims ganze Aufmerksamkeit: Ein Meerschweinchen kommt hinter einem Baum hervor. Die Hundebesitzerin ruft ihrem Hund ab. Gehorsam legt der sich bei den Kisers nieder und entspannt sich. «Für ihn bedeutet das jetzt zu verzichten», erklärt Klara Röthlin die Situation.

Es ist Dienstagnachmittag. Arbeitszeit für Tim und Klara. Seit einem Jahr ist die diplomierte Fachfrau Aktivierung und Alltagsgestaltung einmal pro Woche in der Betagtensiedlung tätig – als Einzige ihres Fachs in Obwalden, die mit einem Hund arbeitet. Ursprünglich lernte die gebürtige Kernserin Familienhelferin und absolvierte auch die Haushaltsleiterinnenschule. Sie arbeitete als Hauswirtschaftsleiterin im Haus für Mutter und Kind in Hergiswil, in der Behindertenstiftung Rütimattli, in der Stiftung Juvenat im Flüeli und bis 2015 in der Küche der Betagtensiedlung in Giswil. Dort entschied sie sich für die berufsbegleitende Ausbildung.

An anderen Tagen backt sie mit den Bewohnern, werkt und spielt mit ihnen Lotto oder hört mit ihnen ihre Lieblingsmusik. Für ihre Abschlussarbeit kam ihr die Idee, ihren Hund in die Einzelaktivierung miteinzubeziehen. Röthlin ist mit Hunden aufgewachsen. Daheim mit sechs Geschwistern galt sie als Hundemutter. «Wenn unser Hund eine Zecke hatte, hiess es immer: ‹Klara, der Hund hat eine Zecke›.»

Hund hört auch bei Heimweh zu

Der siebenjährige Tim, eine Mischung aus Border Collie und Berner Sennenhund, bot sich fürs Projekt geradezu an. «Er ist sehr fröhlich, geduldig, anhänglich und vom Aussehen her ‹gmögig›. Ausserdem versteht er alles. Wenn jemand traurig ist, stupst er ihn unter den Ellenbogen.» Da gibt es etwa die Bewohnerin, die immer wieder Heimweh hat. Sie erzählt Tim ihren Kummer. «Er arbeitet, ich begleite ihn», kommentiert sie. Eigentlich hatte Tim die Biografie eines Problemhundes. Er hatte die unangenehme Eigenschaft, alles anzukauen, was ihm in die Quere kam. «Irgendwann fragte mich der Bauer, ob ich ihn nicht nehmen könnte», erzählt Klara Röthlin. Da war Tim eineinhalb Jahre. «Als ich mit ihm in die Hundeschule kam, sagte mir die Leiterin: ‹Klara, mit dem musst du arbeiten›.»

Unterbrechung und Überraschung im Alltag

Die Arbeit hat sich gelohnt. Auch beim Personal hat Tim seine Fans. «Ja, bist du wieder da», sagt eine Pflegerin. «Dich nehme ich heute im Kofferraum mit heim», scherzt eine andere. Auch Geschäftsleiter Daniel Kiefer sagt, das Projekte komme «bei unseren Bewohnern sehr gut an. Sie lieben das, der Hund bringt Unterbrechung im Alltag und Überraschung.» Mittlerweile habe sogar eine Pflegerin mal ihre beiden Hunde zum Plausch der Bewohner mitgebracht. Kiefer stellt in Aussicht: «Auf Ende Jahr wollen wir eine Wohngruppe für Menschen mit Demenz eröffnen. Da wird das Thema Alltagsbetreuung und Aktivierung noch mehr Bedeutung erhalten.»

Aus fachlicher Sicht findet Beatrice Rast, Leiterin Pflege und Betreuung, die Einzelaktivierung mit Hund «eine ausserordentliche Bereicherung für die Bewohner». Psychisch Kranke reagierten extrem gut darauf. «Das Team Mensch und Hund macht es aus. Der Hund ist der Vermittler für die Kontaktaufnahme.» Sie beobachtete Erstaunliches: «Tim ist ein Farbtupfer im Alltag. Wenn ein Mensch nicht mehr aus dem Zimmer geht und der Hund kommt, schon setzt sich derjenige auf. Das kann ein Mensch nicht bewirken.» Wichtig sei auch die nonverbale Kommunikation. «Der Hund stellt keine Fragen, er spürt aber das Bedürfnis des Menschen und merkt, wenn es ihm nicht gut geht.»

Im ersten Stock sitzt eine Bewohnerin im Rollstuhl und kann sich nur mühsam ausdrücken. Klara Röthlin schiebt die Fussraster auf die Seite, damit Tim ganz zur alten Frau gelangt. Der Hund drängt sich an ihre Beine. Sie schnalzt mit der Zunge, streichelt ihn und strahlt. Tim hat wieder ganze Arbeit geleistet: Frau Kläy durfte ihm die Flasche geben, Frau Schrackmann freut sich über ihre spontane Begegnung mit ihm im Flur. Und Frau Krainz erwartet den König der Herzen in der Cafeteria mit einem Leckerli: Tim liebt ihr Brot. «Heute Abend ist er so müde wie nach einer 5-Stunden-Wanderung», sagt Röthlin.

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