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GISWIL: Jeder Trachtentanz hat seine Geschichte

Als älteste Obwaldner Trachtengruppe feiert jene von Giswil kommendes Wochenende ihr 85-Jahr-Jubiläum. Einer, der die Vereinsgeschicke geprägt hat, ist der ehemalige Tanzleiter Ernst Berchtold. Sein «Hobby-Senn» hat es zu schweizweitem Ruf gebracht.
Marion Wannemacher
Rosi und Ernst Berchtold tanzen in ihrem Garten. (Bild: Marion Wannemacher (Giswil, 21. April 2017))

Rosi und Ernst Berchtold tanzen in ihrem Garten. (Bild: Marion Wannemacher (Giswil, 21. April 2017))

Marion Wannemacher

marion.wannemacher@obwaldnerzeitung.ch

Kaum ein Eidgenössisches vergeht, ohne dass der «Hobby-Senn» getanzt wird. Er stammt aus der Feder von Ernst Berchtold. Auch auf dem Ballenberg wird er getanzt. Fünfzehn Jahre lang, von 1990 an, war Ernst Berchtold Tanzleiter der Trachtengruppe Giswil. Zehn Tänze hat er gemeinsam mit seiner Frau Rosi geschrieben, sie war seine Partnerin auch beim Tanzen. Gern erinnert er sich daran, denn jeder Tanz hat seine Geschichte, genau wie jeder Choreograf seine Handschrift. «An jedem Fest schaut man natürlich mit Interesse, was die jeweilige Trachtengruppe wieder herausbringt», erklärt Berchtold, der früher auf seinem Hof im Geissermattli als Bauer und Schreiner gearbeitet hat. Eine Uraufführung wird es auch zum 85-Jahr-Jubiläum der Trachtentanzgruppe geben: «S chli Wunder» hat der amtierende Tanzleiter Dominik Burch eigens dafür geschrieben.

Was heisst eigentlich «schreiben»? Malen die Choreografen ihre Schritte auf, oder wie funktioniert das? Ernst Berchtold schmunzelt und zeigt die Terminologie eines Tanzes und erklärt: «Verschiedene Zeichen geben Aufschluss über die Aufstellung, das ‹V› steht für Bursche, das ‹U› für Meitli. In Worten steht die Anzahl der Drehungen, welche Schritte, ob Walzer-, Marsch- oder Polkaschritte, und mit welchem Fuss begonnen wird. Auch die Fassung, die Haltung der Arme, wird notiert.» Ein Tanzleiter erfinde zwar den Tanz, in der Gruppe aber werde er erst ent­wickelt und erprobt.

Bevor ein Tanz herausgegeben wird, wacht die Schweizerische Trachtentanzkommission über allfällige Traditionsbrüche. Früher sei es gar nicht einfach gewesen, etwas Neues zu bringen, weiss Ernst Berchtold. «Heute ist das kein Problem mehr. Der Anspruch ist da für Neues, das gehört dazu.»

Tanzen gehörte für beide immer dazu

Mit seinen 69 Jahren ist Ernst Berchtold mittlerweile der älteste Aktive. Tanzen hat für ihn und seine Frau immer dazugehört. Gemeinsam ist man tanzen gegangen, sogar mit dem Verein nach London gefahren, ins benachbarte Österreich, Frankreich und nach Deutschland. «Es ist die Gruppe und die Kameradschaft, die uns gezogen hat», hält Rosi Berchtold fest. «Das ist der einzige Verein, wo Alt und Jung gemeinsam etwas machen», findet Ernst Berchtold.

Trachtengruppe mit blühendem Nachwuchs

Mit 53 aktiven erwachsenen Mitgliedern, 23 Jugendlichen und 25 Kindern hat die Trachtengruppe Giswil beileibe keine Nachwuchsprobleme. «Alle kommen gern, auch wegen der Aktivitäten rundherum», weiss Rosi Berchtold. Wandern, Schlitteln, Kegeln, all das gehört dazu. Worauf man auch im Verein stolz ist: Die Trachtengruppe Giswil verfügt in jeder Gruppe über eine eigene Musik.

Am Festwochenende wird übrigens auch der «Melchaaföhn» getanzt, eine Choreografie von Rosi und Ernst Berchtold zum 10-Jahr-Jubiläum der Kapelle Röbi Odermatt. Manches Ereignis in der Vereinsgeschichte bleibt unauslöschlich haften, so das Jubiläum vor zehn Jahren auf der Mörlialp: «Ein Unwetter verschüttete die Panoramastrasse, sodass gar nicht alle Gäste hoch zu uns zur Mörlialp konnten», erinnert sich der ehemalige Tanzleiter. «Wir feierten mit denen, die da waren, es war toll, und ausserdem dauerte das Fest ja auch mehrere Tage.»

Hinweis

Trachtengruppe Giswil, «Wiä d Zyt vergahd», Freitag, 28., und Samstag, 29. April, 20 Uhr, Konzerthalle.

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