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GISWIL: Jetzt haben ihre Kühe genug zu fressen

Die Glücksfee der Korporation waltete. Dank Los kommen zwei Bauern aus der Bergzone zu Land, das für sie grössten Wert hat.
Romano Cuonz
Das Grundstück liegt im Aaried südlich der Pfarrkirche. (Bilder Romano Cuonz)

Das Grundstück liegt im Aaried südlich der Pfarrkirche. (Bilder Romano Cuonz)

Romano Cuonz

Man spürte die Spannung förmlich, die im Saal des Landgasthofs Grossteil herrschte: Susi Zemp-von Ah als Glücksfee zog aus einem irdenen Topf ein Los. Dann verkündete Peter Abächerli, der Vorsitzende der Korporations-Kulturlandkommission: «Die Parzelle von 10 140 Quadratmetern im Aaried geht an Sepp Amgarten-Kiser, Schwandli, und kostet 497 Franken im Jahr.» Amgarten strahlte: «Es ist wirklich eine grosse Freude für mich, dass die Glücksfee ausgerechnet meinen Namen gezogen hat!» Der Giswiler Landwirt bewirtschaftet auf seinem Hof im Kleinteiler-Berg 20 Hektaren teils «stotziges» Gebiet. «Da ist solch flaches Land im Aaried – wo sich jeder Landwirt höchstens um eine Parzelle bewerben darf – ein Geschenk», sagte er. Amgarten darf nun die Parzelle in den nächsten Jahren bewirtschaften.

Ausserordentliche Ziehung

Am Donnerstagabend war er nur einer von 24 Landwirten, die an der Verlosung von zwei Kulturland-Parzellen teilnahmen. All diese Bauern wären nur zu gerne zum Zuge gekommen.

Die Korporation Giswil besitzt aufs ganze Gemeindegebiet verteilt rund 220 Hektaren Land, das landwirtschaftlich nutzbar ist. Alle zehn Jahre werden 50 Hektaren verlost. Genauer gesagt: Jeder Bürger und Landwirt, der direktzahlungsberechtigt ist, kann sich um eine oder mehrere solche Parzellen bewerben. Normalerweise findet die Ziehung nur alle zehn Jahre statt. Nun aber konnte Peter Abächerli, im Namen der Kulturlandkommission, zu einer ausserordentlichen Ziehung für zwei Parzellen aufrufen: «Landwirte, die pensioniert werden oder den Betrieb aufgeben, müssen das Land abgeben, deshalb sind jetzt zwei Parzellen für den Rest des Turnus frei geworden.»

Ein billiger «Blätz» Land

Neben der erwähnten wertvollen Parzelle im Aaried, um die sich acht Landwirte bewarben, kam an diesem Abend noch eine zweite in der Allmend «Grundwald» zur Verlosung. Sie ist mit 45 Aren etwas kleiner als die erste und hat für den Bewirtschafter zudem den Nachteil, dass sie im Sommer der Jugend als Platz für Zeltlager zur Verfügung steht. «Der Zeltplatz hat Vorrang, wir machen damit Werbung für Giswil, das ist wichtig», begründet Peter Abächerli. Deshalb koste diese Parzelle aber auch nur 30 Franken im Jahr. Gleich 17 Landwirte bewarben sich denn auch um den finanziell günstigen «Blätz» Land.

Auch Peter Kiser vom «Ninzenacher» im Kleinteil konnte sein Glück kaum fassen, als Susi Zemp-von Ah aus den 17 Namenskarten gerade die seine zog. «Ich besitze 16 Hektaren Land in der Bergzone 2, und da ist denn dieses ebene Stück Land für mich von grösster Bedeutung», sagte er.

Ohne Wachstum wirds schwierig

Wie sein Kollege Sepp Amgarten ist auch er darauf angewiesen, dass er im Frühjahr oder im Herbst, wenn es nass wird und Land in Hanglage wenig abwirft oder schwer zu bewirtschaften ist, Grünfutter aus dem Tal holen kann. «Wir haben im waldnahen Berggebiet noch ein anderes grosses Problem», erzählte Kiser. «Mit bis zu 50 Hirschen, die den ganzen Winter praktisch jede Nacht unser Gras fressen und Schaden anrichten.» Sein Kollege Sepp Amgarten stimmte ihm voll zu. «Wegen der Hirsche fällt im Frühling der erste Schnitt karg aus, die Entschädigung dafür ist bis heute sehr gering geblieben.»

Für Amgarten und Kiser wird die Bewirtschaftung von zusätzlichem Kulturland der Korporation früher oder später auch zur Existenzfrage. Nun könne er sicherstellen, dass seine Kühe genug zu fressen hätten, sagte Amgarten. Und Kiser fügte bei: «Die Standardarbeitskraft (SAK) zur Bemessung der Betriebsgrösse ist gesenkt worden, da braucht einer unbedingt mehr bewirtschaftbare Fläche, sonst hört die volle Direktzahlungsberechtigung auf.» Und wie wenn nicht mit Kulturland der Korporation sollten Landwirtschaftsbetriebe heutzutage überhaupt noch wachsen können?

Glücksfee Susi Zemp-von Ah zog vor den Augen von Kommissionspräsident Peter Abächerli (rechts) das Los von Sepp Amgarten. (Bild: Romano Cuonz / Neue OZ)

Glücksfee Susi Zemp-von Ah zog vor den Augen von Kommissionspräsident Peter Abächerli (rechts) das Los von Sepp Amgarten. (Bild: Romano Cuonz / Neue OZ)

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