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GISWIL: Kinder fanden sie streng und lustig

Praxedis Niederberger geht in Pension. Von Ruhestand zu reden, wäre bei der Primarlehrerin allerdings weit gefehlt.
Primus Camenzind
Praxedis Niederberger mit ihren Schülerinnen und Schülern. (Bild: Corinne Glanzmann (Giswil, 4. Juli 2017))

Praxedis Niederberger mit ihren Schülerinnen und Schülern. (Bild: Corinne Glanzmann (Giswil, 4. Juli 2017))

Primus Camenzind

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

Beim Besuch unserer Zeitung in Giswil steht etwas von Anfang an fest: Das Gespräch mit «Präxi», wie sie in ihrem Bekanntenkreis oft genannt wird, dient weder einem üblichen Lebenslauf noch einer Würdigung ihres Berufs­lebens. Die 64-jährige, in Sarnen aufgewachsene Frau lässt keine Zweifel offen, dass sie sich nach wie vor mitten in einem abwechslungsreichen und spannenden Leben befindet. Etwas mehr Ruhe darf in Zukunft schon sein: «Genauso gerne, wie ich in Bewegung bleibe, faulenze ich auch», sagt sie.

Praxedis Niederberger-Durrer lebt in einem jahrhunderte­alten Obwaldner Bauernhaus am Rosenburgweg im Kleinteil. Ähnlich, nämlich «Rosengarten», heisst auch ihr Elternhaus in Sarnen. «Als Kind habe ich gar nicht verstanden, weshalb ich einen so komischen Namen trage», sagt sie. «Aus mir sollte ursprünglich eine Franziska werden, aber die Grossmutter fand das ganz schrecklich.» Die Eltern – der ­Vater war praktizierender Arzt – reisten noch während der Schwangerschaft nach Rom, besuchten dort die kleine Kirche Santa Prassede – auf Griechisch Praxedis, «die Wohltätige». Ein Mädchenname war damit gefunden!

Im Beruf die Kreativität leben

Obwohl selber aus einem sogenannt bildungsnahen Haus stammend, erweckte damals vor allem Cécile Reinhard, «eine junge, kreative und coole Lehrerin an unserer Primarschule», bei Präxi den Wunsch, in den gleichen Beruf einzusteigen. «Ich war überzeugt, wie mein Vorbild die eigene Kreativität als Lehrerin leben zu können», gibt sie zu verstehen. Sie zeichnet viel, liebt das Werken und – ganz ausgeprägt – die Natur. «Ich bin sozial und pflege gerne Beziehungen zu Menschen»; für die Pädagogin und Mutter von fünf Kindern ein wichtiger Aspekt.

Die Kommunikation mit den Eltern besitzt bei unserer Gastgeberin seit je einen grossen Stellenwert. «Dazu braucht es mehr als ein Lehrerseminar», ist sie der Überzeugung und absolvierte deshalb eine Weiterbildung als Supervisorin (Beratung in psychosozialen Berufen). «Ich arbeitete eine Weile als solche, merkte jedoch bald, dass ich dieses ­dazugewonnene Wissen in der Schule am besten einsetzen konnte.»

Ihr im Jahr 2000 verstorbener Ehemann Hanspeter Niederberger war ebenfalls Lehrer, ausserdem ein bekannter Sagenforscher und Autor. Beide lernten sich am Lehrerseminar kennen. «Als unsere eigenen Kinder langsam flügge› wurden, teilten wir uns an der Schule ein Pensum.» Es gab deshalb auch zu Hause einiges zu bereden. «Wir zogen jedoch bewusst Grenzen, denn nur über Schule, Kinder und Eltern fachsimpeln wollten wir nicht!»

«Die Kinder bezeichnen mich als eine strenge, aber auch lustige Person», sagt Praxedis Niederberger. «Sie lieben den Humor und eine Lehrerin, die hin und wieder auch blödelt.» Über die Dauer von insgesamt 42 Berufsjahren kam sie natürlich auch an der im Volksmund als «ewige Baustelle Schule» bezeichneten Bildungspolitik nicht vorbei. «Ich bin gegenüber den laufenden Veränderungen aufgeschlossen, aber insofern kritisch, dass ich meinen eigenen Weg gehe, diese umzusetzen.»

Sie tut sich jedoch schwer mit dem übertriebenen Sicherheitsbedürfnis und den entsprechenden Vorschriften im täglichen Schulbetrieb. «Die Lebendigkeit leidet darunter: Die Kletterstangen auf dem Schulhausplatz sind verschwunden, und zum gemeinsamen Schwimmen im See braucht es zwei geprüfte Rettungsschwimmer.» Alles gelte heutzutage als zu gefährlich, meint sie.

Ein Stück heilere Welt

«Als ich aus dem Seminar kam, war noch die herkömmliche Autorität angesagt, es wurde Frontalunterricht erteilt, und die Schulklassen zählten zuweilen bis 40 Kinder», erinnert sich die Pädagogin. In Lungern und Giswil, wo sie unterrichtet, seien die Kinder aus Grossfamilien gekommen und gewohnt gewesen, «hinten anzustehen und sich unterzuordnen». Heute seien es vielmehr Kleinfamilien, und die Kinder müssten individueller behandelt werden. «Sie sind weniger scheu, aber zum Teil auch weniger konzentriert.» Dank ihrer Naturverbundenheit wollte Praxedis schon immer auf dem Land leben und arbeiten, und sie ist überzeugt, dass an den hiesigen Schulen die Welt doch noch ein Stück «heiler» ist als in der Stadt und ihrer Agglomeration.

Wie schaut der neue Lebensabschnitt aus? «Inzwischen habe ich beim ‹Glaser› (Peter Berchtold) schon einige Stunden Schwyzerörgeli-Unterricht genossen», verrät uns Praxedis. «Ich spüre den Drang, etwas zu lernen, Sachen zu tun, die mich interessieren.» Dazu gehöre zum Beispiel auch die Senioren-Universität in Luzern. «Aber genauso gerne bin ich in den Bergen oder am Faulenzen.»

Und wieder vermehrt auf Reisen will sie auch sein: «Für zwei Monate nach Spanien und Portugal mit einem VW-Bus.» In den Tag hineinleben lautet ihre Devise. Und dann gibt es zu Hause in der faszinierenden Umgebung auch noch acht Grosskinder.

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