GISWIL: Landfrauen müssen vielseitig sein

Der Titel der Talkrunde hätte auch «Heldinnen des Alltags» lauten können. Drei Landfrauen erzählten vor dem Frauenforum Obwalden aus ihrem Alltag.

Marion Wannemacher
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Drei Landfrauen als Talkgäste. Von links: Yvonne Ettlin-Ettlin, Pia Windlin-von Ah und Paula Burch-Gwerder. (Bild: Marion Wannemacher (Giswil, 29. Januar 2017))

Drei Landfrauen als Talkgäste. Von links: Yvonne Ettlin-Ettlin, Pia Windlin-von Ah und Paula Burch-Gwerder. (Bild: Marion Wannemacher (Giswil, 29. Januar 2017))

Marion Wannemacher

marion.wannemacher@obwaldnerzeitung.ch

Wenn Frauen aus Landwirtschaft, Kantonsrat und Frauenbund am Kaminfeuer gemeinsam Fondue geniessen und dabei angeregt miteinander ins Gespräch kommen, dann steht «Fäden ziehen» auf der Agenda. Am Sonntag waren die Landfrauen Obwalden Gastgeberinnen. Und 74 Frauen, mehrheitlich aus der Landwirtschaft, kamen in die Alphütte der Giswiler «Krone».

Mit dem Talk-Thema wolle man zeigen, «wie vielseitig wir Landfrauen sind», erklärte Paula Burch-Gwerder, Präsidentin der Obwaldner Landfrauen. So berichteten die Frau eines Politikers, Pia Windlin-von Ah, Yvonne Ettlin-Ettlin, die mit ihrem Mann einen Gastrobetrieb eröffnet hat, und Paula Burch-Gwerder selbst, die vor viereinhalb Jahren wieder in ihren Beruf als Kindergärtnerin eingestiegen ist, aus ihrem Alltag. Helene Ming-Andermatt lockte sie mit pfiffigen Fragen aus der Reserve.

Sie sind die Dreh- und Angelpunkte

Zum Beispiel Pia Windlin-von Ah: Frau des Kernser Gemeindepräsidenten André Windlin. «Was musst du alles abdecken, wenn André fort ist?», fragte Helen Ming. «Alles», gab Pia Windlin trocken und unter dem Schmunzeln der Zuhörerinnen zur Antwort. «Ich komme mir vor wie ein Dreh- und Angelpunkt.» Der 83-jährige Schwiegervater lebe noch auf dem Hof, Pia Windlin ist Mutter von vier Kindern zwischen 16 und 21 Jahren, und im Sommer sei ein Zivildienst-Angestellter bei ihnen. Der Hof mit 60 Rindern basiere auf Mutterkuhhaltung mit 25 Mütterkühen und Aufzuchtrindern. Im Winter sei ihr Mann eigentlich im Büro und sie schaue zum Betrieb, sagte sie. Als ihr Mann Gemeindepräsident geworden sei, hätten sie abgemacht, dass sie ihn anrufen dürfe, wenn es «brenne», beispielsweise wenn eine Kuh kalbe. «Zweimal musste ich ihn bisher aus einer Gemeinderatssitzung holen», erzählte sie. Wie ihre Aufgabe sie verändert habe, fragte Helen Ming nach. Sie habe nach und nach mehr Verantwortung übernommen, sei daran gewachsen. Und auch daran, als «Anhängsel» an Veranstaltungen mit ihrem Mann zu gehen, habe sie sich gewöhnt. «Da er ja die Gemeinde repräsentiert, ist es eine Ehre», findet sie.

13 Jahre war Paula Burch-Gwerder weg vom eigenen Beruf als Kindergärtnerin, bis sie vor viereinhalb Jahren über eine Stellvertretung wieder einstieg. «Ich habe gefühlt, ich will wieder etwas für mich machen», erinnerte sich die gebürtige Muotatalerin und Mutter dreier Kinder zwischen 14 und 18 Jahren. Im Kindergarten in Lungern seien sie ein gutes Team. «Es gefällt mir», sagt sie mit Überzeugung. Dass sie auch Bäuerin ist, habe sicher Auswirkungen auf ihren Beruf: «Es ist mir wichtig, den Kindergartenkindern die Jahreszeiten zu zeigen und die Früchte, die in der Schweiz wachsen. Dass ich Mutter bin, beeinflusst mich sicher auch.»

«Wenn es ein Müssen wäre, funktionierts nicht»

«Mir ist es wichtig, leidenschaftlich und mit viel Liebe und Fleiss dabei zu sein», betont Yvonne-Ettlin-Ettlin, die mit ihrem Mann in einem ausgedienten Stall das «Gastro-Bord», einen Gastrobetrieb aufmachte und dafür bereits mit dem Innovationspreis Landwirtschaft ausgezeichnet wurde. Bereits am Tag der offenen Tür sei ein Gast gekommen, der bald darauf dort seinen 60. Geburtstag feiern wollte. Yvonnne Ettlin glaubte nicht daran, der Gast kam und der Erfolg sprach sich rum. Im Gastro-Bord kocht die Schwiegermutter, Yvonne Ettlin ist für Service und als gelernte Floristin für die Dekoration zuständig. Motivation sei ihr, wenn sie höre, dass Besucher auf dem Hof abschalten könnten. Inzwischen haben Ettlins so viele Termine, dass für sie feststehe, mehr wollten sie nicht annehmen.

Und wie siehts mit Hobbys aus? Da muss Pia Windlin spontan lachen: «Ein Hobby? Die Landwirtschaft muss ein Hobby sein, es ist eine Lebensaufgabe. Wenn es ein Müssen wäre, würde es nicht funktionieren.»