GISWIL: Liebe und Beruf gefunden

Ozeanien, der Ferne Osten, Grossbritannien und schlussendlich Giswil. Gordon Duncan ist und bleibt Weltenbürger – einer mit viel «Swissness».

Drucken
Teilen
Ein Weltbürger in Giswil: Gordon Duncan. (Bild: Corinne Glanzmann/Neue OZ)

Ein Weltbürger in Giswil: Gordon Duncan. (Bild: Corinne Glanzmann/Neue OZ)

Ein Abend ohne Fussball-Euro, ideal für den Besuch bei Gordon Duncan. Er lebt mit seiner jungen Familie im eigenen Haus in Giswil. Das Anwesen ist geprägt von einem faszinierenden Garten. Das kommt nicht von Ungefähr: Gordon ist ausgebildeter Landschaftsgärtner und Gartendesigner und übt seinen Beruf in Sarnen aus.

Mit seiner aus Vietnam stammenden und ebenfalls berufstätigen Frau Hoa sowie den drei Kindern (6-, 3-jährig und 1 Monat alt) leben die Duncans in Giswil Tür an Tür mit Hoas Schwester. «Unsere Kinder bekommen auch von ihrer Familie viel Betreuung und Zuneigung», erklärt Gordon.

Begegnung in Thailand

Die Zukunft von Hoa und Gordon begann im Fernen Osten: Der heute 37-Jährige lebte vor zehn Jahren in London, besuchte seine Eltern in Neuseeland und beschloss auf der Rückreise in Thailand einen Kurzurlaub einzulegen. Dort fand die schicksalshafte Begegnung mit Ngujen Thi Hoa statt. Sie ist gebürtige Vietnamesin, lebt bereits seit 1979 in Obwalden und verbrachte zur gleichen Zeit ebenfalls ihren Urlaub auf der siamesischen Halbinsel. «Übrigens», lässt uns ein schmunzelnder Gordon wissen, «neun Monate nach dieser Begegnung waren wir in der Schweiz bereits verheiratet.» Es ging alles sehr zügig voran: Noch ohne Anstellung in Obwalden – Gordon arbeitete zuerst zwei Jahre in Luzern – baute sich das junge Paar ein Haus in Giswil. «Günstiges Land, schöne Lage und die unmittelbare Nähe von Hoas Schwester waren ausschlaggebend», betont er.

Gordon Duncan spielte vorerst mit dem Gedanken, seinen erlernten Beruf an den Nagel zu hängen. «Ich möchte als Landschaftsgärtner ein Perfektionist sein und wusste damals nicht, ob dieser Anspruch im täglichen Berufsleben eine Chance haben würde», erklärt er. Er absolvierte eine Ausbildung als Englischlehrer – schätzt sich heute jedoch glücklich, dass er im erlernten Beruf blieb und bei Toni Bucher in Sarnen eine neue Stelle antreten konnte. Gordon: «Mein Hang zur Perfektion entspricht auch den Ideen von Toni und deshalb ist meine Liebe zu den Pflanzen und der Gartengestaltung ungebrochen.»

Weder isoliert noch einsam

Fortschritte mit der deutschen Sprache und seine bestens integrierte Ehefrau (mit Schweizer Pass) trugen viel dazu bei, dass sich der Neuseeländer hervorragend eingelebt hat und heute ebenfalls Schweizer ist. «Hoa erledigt für unsere Familie alles Administrative», gibt er zu bedenken. Dass er auch Götti eines Schweizer Kindes ist, quittiert Gordon mit sichtlichem Stolz. Bisher habe er sich in Obwalden auch zu keinem Zeitpunkt isoliert oder einsam gefühlt. «Hoa hat hier in der Schweiz und in der Region ihre riesig grosse vietnamesische Familie.» Diese Grossfamilie ist zum Teil auch während unserer Unterhaltung präsent. Verwandte und Bekannte von Hoa bewegen sich mit einer uns Schweizern nicht eben angeborenen Selbstverständlichkeit im Haus. Sie machen sich nützlich, kümmern sich um die Kinder oder plaudern mit Hoa.

Ein Weltenbürger

«Ich mag die Schweiz, liebe ihre Kultur – auch Feste wie die Fasnacht, Schwingen und Ähnliches. Aber auch Weltoffenheit spüre ich in der Schweiz stärker als in gewissen Nachbarstaaten in Europa», meint Gordon Duncan zu seiner eigenen «Swissness» und Bindung an die neue Heimat. Was jedoch seine ursprüngliche Heimat anbelangt, bleibt er Weltenbürger: «Allein die Tatsache, dass wir in der Schweiz sehr glücklich sind, schliesst natürlich nicht aus, dass wir uns auch in Neuseeland eine Zukunft vorstellen könnten.» In diesem ozeanischen Land sei es nämlich einfach, wieder Fuss zu fassen. Es sei beispielsweise einfacher, dort ein Haus zu bauen oder zu kaufen als in der Schweiz. «Wenn die Kinder allerdings mit der Einschulung hier in der Schweiz zu weit fortgeschritten sind, ist das Thema für längere Zeit vom Tisch», gibt er zu bedenken.
Inzwischen ist die Zeit vorgerückt und die Kinder sind bereit für den Gutenachtkuss. Es ist der Moment, uns von einem Menschen und seiner nicht alltäglichen Geschichte zu verabschieden.

Primus Camenzind

Er hat Sehnsucht nach dem Ozean

cam. Aus Vorlieben und Sehnsüchten in seiner neuen Heimat macht der in Neuseeland aufgewachsene Gordon Duncan kein Geheimnis: Als Lieblingsplatz bezeichnet er seinen eigenen, kunstvoll gestalteten Garten, während er der Einfachheit halber «Pizza» zu seinem Lieblingsgericht gekürt hat («jede Sorte, ich bin nicht heikel»). Sauberkeit und Fleiss sind für Gordon die herausragendsten und typischen Merkmale der Schweiz. Fernab von Neuseeland vermisst der 37-jährige Landschaftsgärtner vor allem die weiten Strände rund um Auckland und den Ozean.