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GISWIL: Reizende Damen und verbohrte Mannen

Dem Theater im Obwaldner Dorf gelingt dieses Jahr wieder ein wahrer Husarenstreich. Beim Stück «Altweiberfrühling», das Rafael Iten temporeich inszenierte, bleibt einem das Lachen wirklich nie im Halse stecken.
Romano Cuonz
Wenn ältere Damen den Frühling spüren, haben die Männer das Nachsehen. Von links: Urs Kafader, Res Berchtold, Edith Zumstein, Gabi Zumstein, Ingrid Zumstein und Annalies Näf. (Bild: Romano Cuonz (Giswil, 13. Januar 2018))

Wenn ältere Damen den Frühling spüren, haben die Männer das Nachsehen. Von links: Urs Kafader, Res Berchtold, Edith Zumstein, Gabi Zumstein, Ingrid Zumstein und Annalies Näf. (Bild: Romano Cuonz (Giswil, 13. Januar 2018))

Romano Cuonz

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

Würde das Theater Giswil bei seiner heurigen Produktion «Altweiberfrühling» Zuschauerinnen und Zuschauern, die dabei nicht zum Lachen kommen sollten, eine «Geld-zurück-Garantie» offerieren ... es ginge nicht ein einziger Franken verloren! Die Kunst, mit welcher der erfahrene Regisseur Rafael Iten hier ein nicht minder cleveres Ensemble von Laienspielerinnen und -spielern in Szene setzt, ist gross. Klug inszeniert und überaus witzig kommt in Giswil die berühmte Komödie – verfasst von Stefan Vögel nach dem Drehbuch des bekannten Schweizer Films «Die Herbstzeitlosen» – daher.

Dabei kann man es Iten und den Giswilern nicht hoch genug anrechnen, dass sie all die vielen pikanten Szenen, die es in diesem Stück gibt, keinen Moment mühsam oder gar frivol ausreizen. Was einen in dieser Aufführung so herzhaft – und manchmal auch schallend – lachen lässt, ist guter Witz. Bissiger Humor. Feinste Ironie.

Ein himmlisch höllisches Quartett

Und dazu vor allem auch jene, schon fast wieder kabarettistisch treffende Zeichnung verschiedener Charaktere mit typisch dörflichen Zügen. Da setzen sich so richtig zopfige Mannen in Szene: etwa Fritz, der urchig verbohrte Präsident der Land- und Leutepartei und Sänger vor Gott (von Res Berchtold mit umwerfender Kuriosität gezeichnet).

Oder Walter, ein eifriger junger Pfarrer, der Wasser predigt und so ganz im geheimen doch Wein, Gesang – und vor allem Weib (Sonja Müller als attraktive Shirley) – nicht ganz abgeneigt ist. Urs Kafader versteht es in dieser Pfarrer- und Sohnemann-Rolle, das Publikum jedes ulkige Detail voll auskosten zu lassen.

In einem ländlichen Dorf tut sich die früh verwitwete Dorfladenbesitzerin Martha mit drei anderen, älteren Damen zusammen. Im Stück mimt diese Witwe Annalies Näf, präsent und prächtig wandlungsfähig. Das Quartett spürt im Herbst den Frühling! Und so bietet sich denn dem Theater Giswil die einmalige Chance, seine ganz grosse Stärke auszuspielen: Wie kaum anderswo verfügt man da nämlich über gleich mehrere Darstellerinnen, die punkto komödiantischem Spiel alle Register zu ziehen vermögen.

Im Stück heisst die eine Lisi. Sie gibt vor, in Amerika gewesen zu sein. In Wirklichkeit aber ist sie wohl dem Teufel vom Karren gefallen. Ganz prächtig, wie Edith Zumstein dieser vor Temperament sprühenden Schlüsselfigur die nötige Mischung zwischen dörflicher Bauernschläue und städtischer Gerissenheit angedeihen lässt.

Die zweite heisst Hanna und wird von Gabi Zumstein sehr nuanciert dargestellt. Sie hat das Pech, mit dem Parteibüffel Fritz verheiratet zu sein. Zuerst tut sie sich denn auch schwer. Mit der Zeit aber haut sie regelrecht auf die Pauke. Schliesslich wäre da auch noch Frieda aus dem Altersheim (Ingrid Zumstein skurril und witzreich), die es punkto Hausfreund und Computer faustdick hinter den Ohren hat.

Wandlungsfähiges Bühnenbild

Dass diese vier Frauen am Schluss die Mannen ganz schön dumm aussehen lassen, versteht sich fast von selbst. Wie sie dies – mittels Reizwäsche, Stil «Petit Paris» statt mit Bibelsprüchen und Parteiparolen – bewerkstelligen, ist der grosse Coup in diesem Stück. Er soll hier nicht verraten werden.

Was man aber unbedingt noch sagen sollte: dass da auch eine Akkordeonspielerin (Patricia Rohrer) samt einem gemischten Chörlein auftritt, deren prächtige Einlagen allein schon das Eintrittsgeld wert wären. Sehenswert ist auch das unglaublich wandlungsfähige Bühnenbild. Gerissen: Sein spezieller – für einmal wohltuend schattenbildfreier – Durchblick nach aussen. Entworfen und gebaut haben es Simone Baumberger und Theo Halter. Giswil einmal mehr eine Garantie für mehr als nur gutes Landtheater.

Hinweis

Weitere Aufführungen bis am 3. Februar. Auskünfte und Tickets über www.theater-giswil.ch

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