Giswil
Sie war die wohl erste Obwaldnerin mit einer Vespa: Margrit Ming feiert ihren 100. Geburtstag

An ihrem runden Geburtstag erhielt die Giswilerin Margrit Ming viel Besuch – auch vom Regierungsrat.

Richard Greuter
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«Ich fühle mich immer noch wohl», sagte Margrit Ming am Montag. Von Altersbeschwerden wollte sie nichts wissen, lediglich das Gehör hat etwas nachgelassen. Aber sie könne noch immer das Pfeifen der Vögel hören.

Margrit Ming aus Giswil erhielt anlässlich ihres 100. Geburtstages, von ihrer Tochter Margrit Ming (Zweite von links) liebevoll betreut, hohen Besuch von Regierungsrat und Landammann Christian Schäli (links), Gemeindepräsident Beat von Wyl (Zweiter von rechts) und Gemeinderat Daniel Studer (rechts).

Margrit Ming aus Giswil erhielt anlässlich ihres 100. Geburtstages, von ihrer Tochter Margrit Ming (Zweite von links) liebevoll betreut, hohen Besuch von Regierungsrat und Landammann Christian Schäli (links), Gemeindepräsident Beat von Wyl (Zweiter von rechts) und Gemeinderat Daniel Studer (rechts).

Bild: Richard Greuter (Giswil, 7. Juni 2021)

An ihrem 100. Geburtstag erhielt die Jubilarin, die seit bald 40 Jahren in Giswil lebt, hohen Besuch von der Obwaldner Behörde. Landammann Christian Schäli überbrachte die besten Glückwünsche der Regierung. «Das ist ein ganz besonderes festliches Ereignis für Sie und für uns eine seltene Freude», sagte der Regierungsrat und schenkte der Jubilarin einen Goldtaler von Josef Ignaz von Ah (1834–1896), der in Obwalden als Seelsorger und Lehrer und Mitbegründer des «Nidwaldner Volksblattes» wirkte. «Geniessen Sie diesen besonderen Tag mit viel Freude und interessanten und lieben Begegnungen», sagte Gemeindepräsident Beat von Wyl, der der Jubilarin, zusammen mit Gemeinderat Daniel Studer, zu ihrem Jubiläum gratulierte. Still und leise genoss die Jubilarin das Geburtstagsfest und bedankte sich am Schluss bei den Behördenmitgliedern für ihren Besuch.

Erste Vespafahrerin in Obwalden

Bei dieser Feier kam einiges aus dem Leben der Jubilarin zu Tage. So kam ihr erstes Lesebuch, das an allen Ecken und Enden geflickt wurde, zum Vorschein. Auch ihr altes «Griffeltruckli» aus ihrer Schulzeit ist noch völlig intakt. Gemeindepräsident von Wyl berichtete zudem, dass Margrit Ming die erste Obwaldner Frau war, die in den 50er-Jahren die Fahrprüfung absolvierte und fortan mit einer Vespa unterwegs war, damals vorwiegend auf Schotterstrassen. Später lernte sie mit einem Messerschmitt – einem Dreirad-Kultroller – fahren und bestand später die Autoprüfung. So durfte Margrit Ming, die sich damals für den Mütterverein engagierte, die Vereinsbeiträge nicht mehr zu Fuss, sondern motorisiert einkassieren. Vermutlich hatte es mit der Witterung zu tun. Jedenfalls gefiel ihr das Autofahren am besten, wie sie sagte.

Margrit Ming, einst die erste Motorradfahrerin Obwaldens, geniesst ihren 100. Geburtstag.

Margrit Ming, einst die erste Motorradfahrerin Obwaldens, geniesst ihren 100. Geburtstag.

Bild: Richard Greuter (Giswil, 7. Juni 2021)

Das Tessin wurde zur zweiten Heimat

Nachdem sie 1946 ihren Jugendfreund Josef Ming heiratete, der später in Wilen OW als Primarlehrer tätig war, verbrachten sie ihre Ferien am liebsten im Süden. Mit ihren Töchtern Margrit und Luzia fuhr die Lehrerfamilie oft nach Locarno ins Tessin oder nach Ravenna an die italienische Adriaküste und baute ihr Zelt auf. So wurde das Tessin nach und nach zu ihrer zweiten Heimat – und ist es bis heute geblieben. Für ihre Tochter Margrit ist es längst ihre erste Heimat. Die gelernte Krankenschwester lebt seit den 70er-Jahren in der Sonnenstube der Schweiz. Seit ihrer Pensionierung vor etwa zehn Jahren kümmert sie sich liebevoll um ihre betagte Mutter, die inzwischen sogar zweifache Urgrossmutter ist. Die Hälfte ihrer Zeit verbringt die Jubilarin mit ihrer Tochter in Lugano, wo sie am gesellschaftlichen Leben teilhaben kann, aber scheinbar auch gehorchen muss. So darf sie nur mit ihrem Gehstock und Schuhen herumlaufen, berichtete Tochter Margrit, und hält mit einem Augenzwinkern fest: «Es ist ihr untersagt, allein die Treppe zu besteigen.»

Doch damit war das Jubiläumsfest noch nicht zu Ende. Am Abend spielte eine Kleinformation der Musikgesellschaft Giswil zum Jubiläum. Und am nächsten Morgen waren ihre Nachbarn Gäste bei einem Morgenbrunch und auch Verwandte und Bekannte überbrachten ihre Glückwünsche.