GISWIL: Statt Geld gabs Gemschigusler

Seit 23 Jahren bauen die Gemschigusler Wagen für die Fasnacht. Der Gründung ging eine Sammelaktion für ein Klassenlager voraus.

Marion Wannemacher
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«Guseln» beim Wagenbau (von links): Thomas Durrer und Remo Burch. (Bild Marion Wannemacher)

«Guseln» beim Wagenbau (von links): Thomas Durrer und Remo Burch. (Bild Marion Wannemacher)

Das klingt nach Arbeit: Aus der Scheune beim BWZ ertönt eifriges Hämmern. Auf dem fast fertigen Wagen wird bereits gemalt, Wellbleche werden mit dem Trennschneider zugeschnitten. Für die Gemschigusler geht es in den Endspurt vor dem grossen Fasnachtsumzug am Sonntag. Die Stimmung ist gut. Stress gibt es wohl keinen mehr. «Ein paar Tage vorher werden die Frauen noch malen, und dann sind wir fertig», sagt Marcel Enz. Rund 40 Stunden haben an die zehn Vereinsmitglieder am Wagen gebaut.

Als Wagensujet das Gemeindehaus

Ihr Sujet dieses Jahr: ein Gemeindehaus für Giswil. «Wir nehmen die Platzprobleme aufs Korn», erzählt Enz. «Der Chef im Büro, der hat Platz. Aber sonst drängt sich alles in jede nur freie Ecke.» Das Chefzimmer ist ein Büro mit Schreibtisch und Sofa. Im kleinen Vorzimmer dagegen hängt sogar noch unterm Dach ein Stuhl. Und auch dass der Bahnhof Giswil als Folge der abgelehnten Überbauung kein wirkliches WC hat, sondern nur ein Baubuden-Toi-Toi, nehmen die Gemschigusler auf die Schippe. «Das muss auch auf den Wagen», sagt Enz mit einem verschmitzten Lächeln.

Die Anforderungen an ein Sujet sind klar definiert: «Es muss lustig sein, etwas Aktuelles aus dem Jahr und kann aus der Gemeinde oder Region sein oder auch ein internationales Thema», so Enz. Wichtiger Faktor bei der Truppe ist, dass möglichst viele mitmachen können. «Personalchef» Peter Zumstein teilt nach den Wünschen der 23 Mitglieder ein. Rund um den Wagen laufen die Familien mit. Und das zu eigens für die Gruppe geschriebener Musik von Musikschullehrer Pascal von Wyl.

Am Anfang war ein Klassenlager

23 Jahre gibt es die Gemschigusler schon. Eigentlich sind die meisten alte Schulkollegen. «Unser damaliger Lehrer Markus Furrer leitete uns an, wir sollten einen Fasnachtswagen machen, um für ein Klassenlager Geld zu sammeln», erzählt Peter Zumstein. Das war in der sechsten Klasse. Am Schluss habe man sich darauf geeinigt, das Geld für weitere Fasnachtswagen zu verwenden – die Geburtsstunde der Gemschigusler. «Unsere Eltern zahlten die Schulreise.»

Auch ausserhalb der Fasnacht trifft man sich. Zum Skiweekend, Schlitteln, Fondueplausch oder Wandertag. Nur in einem Punkt kennen die Gemschigusler keinen Spass: «Keine Päärli im Klub», sagt Zumstein. «Päärli im Klub sind der Tod», weiss er aus der Erfahrung anderer Wagenbauerklubs. Schon öfter hätten langjährige Freundinnen versucht, Mitglieder zu werden. «Dann würde der Wagen anders ausschauen», ist Zumstein überzeugt. Frauenfeindlich sind die Gemschigusler aber nicht: Drei ihrer Mitglieder sind Frauen.

Und die meisten bringen Fertigkeiten mit, die beim Fasnachtswagenbau gefragt sind. Einer ist Maurer, ein anderer Zimmermann, einer Dachdecker, Metzger, Mechaniker, Sanitärfachmann oder Wirt. Wer hier mitmacht, ist mit Herzblut dabei. Einer von ihnen habe gar einen Transporter gekauft, erzählt der Präsident. «Wir sind Spinncheibe für die Fasnacht», lacht sein Kollege Peter Zumstein.

Zwei Siege für die Gemschigusler

Zwei Siege haben die Gemschigusler bisher eingefahren. 1997 zeichnete sie die Jury für das Sujet «Handy-Fiäber» mit dem ersten Platz aus und gleich zwei Jahre später noch einmal. «Früher war unser Ziel zu gewinnen, heute ist es mitzumachen», sagt Marcel Enz.

Der Wagenbau hat in Giswil eine alte Tradition, so wie auch die Fasnacht nur in Giswil so sein kann, wie sie ist. «Mindestens jedes zweite Jahr gibt es eine neue Fasnachtsgruppe», erzählt Enz. Ihren Wagen haben sie von einer Gruppe übernommen, die sich auflöste. Ihr Klubheim dagegen haben sie vor Jahren an Jüngere weitergegeben. «Wir brauchen es nicht. Jetzt haben wir ja alle Wohnungen», so der Präsident.

Für genau einen Umzug bauen sie den Wagen, für den Sonntag in Giswil. Nein, leid tue es ihnen nicht, den wieder abzubauen, da ist sich die Runde einig. «Am Montag wir aufgeräumt, Wurst gebrätelt, dazu gibt es Bier. Wir gehen alles durch, und die Fasnacht ist gegessen.» Ihr Wagen trägt am Umzug am Sonntag die Nummer 26.