GISWIL: Toni Halter setzt Spichtigs Visionen um

Kurz bevor er starb, hat Alois Spichtig einen Visionsweg fürs deutsche Heiligkreuztal entworfen. Nun vollendet ihn sein Freund Toni Halter.

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Toni Halter arbeitet in seinem Atelier an der Vollendung eines Visionswegs für ein deutsches Kloster. (Bild Romano Cuonz)

Toni Halter arbeitet in seinem Atelier an der Vollendung eines Visionswegs für ein deutsches Kloster. (Bild Romano Cuonz)

Wände und Arbeitsflächen im Giswiler Atelier des 42-jährigen Toni Halter sind über und über voll mit Skizzen, Modellen und eindrücklichen Grossskulpturen, die eben am Entstehen sind. «Zurzeit wende ich viel Arbeitszeit dafür auf, einen Visionsweg fürs deutsche Kloster Altheim-Heiligkreuztal zu vollenden», sagt der Künstler und Familienvater aus Sachseln. Die Skulpturen stehen alle als Zeichen für die Visionen von Bruder Klaus. Sie sollen in Nischen einer mittelalterlichen Klostermauer eingesetzt werden. Entworfen hat diesen Visionsweg noch der Sachsler Bild­hauer Alois Spichtig, kurz bevor er am 24. Juli 2014 verstarb. Es war Alois Spichtigs Wunsch gewesen, dass Toni Halter vollendet, was er angedacht hat.

Deutscher Pfarrer war begeistert

Die Kulturgeschichte ist spannend. Ihren Anfang nahm sie 2008, als ein Monsignore Peter Schmid aus dem ehemaligen deutschen Zisterzienserinnenkloster Heiligkreuztal nach Sachseln zu Bruder Klaus pilgerte. Von den Visionsbildern Alois Spichtigs im Museum Bruder Klaus war er tief beeindruckt. Kurz darauf fragte er den damals schon 81-jährigen Bildhauer an, ob er bereit wäre, für das mittelalterliche Kloster in Oberschwaben/Baden-Württemberg einen Visionsweg mit 16 Stationen zu schaffen. Der mit Arbeit überhäufte betagte Bildhauer zögerte vorerst. 2011 aber führte er dann doch noch einen Entwurf mit Handskizzen und drei Modellen aus. Monsignore Schmid war begeistert.

Nun wandte sich Alois Spichtig an den um Generationen jüngeren Toni Halter. Dieser – gelernter Spengler und Dachdecker – hatte sich schon Jahre zuvor der Gestaltung, Kunst und Bildhauerei zugewandt. Von Alois Spichtig, so wusste er, könnte er noch viel lernen. Mit der Zeit entstand zwischen den beiden eine Freundschaft. Halter erinnert sich: «Alois sprach von einem atemberaubenden Projekt der Stefansgemeinschaft und fragte, ob ich mir zutrauen würde, dieses zu vollenden, falls er es nicht mehr tun könnte.»

Geradezu ideale Zusammenarbeit

Nach einiger Bedenkzeit sagte Toni Halter zu. Darauf modellierte er – immer noch gemeinsam mit Alois Spichtig im Sachsler Atelier – die Turmvision. Bald wurde sie im Heiligkreuztal montiert. Alois Spichtig war erleichtert, dass er die anstrengenden Arbeiten in guten Händen wusste. Halter erinnert sich: «Alois fühlte damals, wie seine Kräfte mehr und mehr schwanden.» Doch aus den Augen liess er seinen «Schüler» zeitlebens nicht. «Er kam in mein Giswiler Atelier und schaute die Modelle, die ich vorgearbeitet hatte, ganz genau an», erzählt Halter. Dann habe der Meister wo nötig Korrekturen angebracht. Da etwas geöffnet, dort etwas stehen gelassen. «Sein Ratschlag an mich lautete oft, ich solle mal selber schauen, wie ich das löse!» Die Zusammenarbeit war in zwei Hinsichten geradezu ideal: Spichtig liess seinem Schüler so viel Freiraum, dass er an der grossen Aufgabe wachsen konnte. Wenn dieser jedoch einen Rat brauchte, bekam er ihn.

Ein grosses Erbe gut verwalten

Als Alois Spichtig 2014 verstarb, waren sechs Visionen vollendet und im Heiligkreuztal montiert. «Auf seinen Wunsch habe ich das Erbe übernommen und versprochen, den Visionsweg als Werk von uns beiden zu vollenden», erzählt Toni Halter. Es war wie Trauerarbeit, als er unmittelbar nach dem Tod seines Freundes die erste Etappe kolorierte. Darauf arbeitete er nach Spichtigs Skizzen an den Modellen und Figuren der zweiten Etappe (wiederum fünf Visionen) weiter. Zurzeit arbeitet Halter an den letzten vier Visionen. Eben platziert er mit Akribie und Sorgfalt einzelne Teile für die Vision, bei der Bruder Klaus das Antlitz Gottes sah. «Bevor ich die letzten Visionen im Heiligkreuztal montiere, werde ich sie allen Interessierten in meinem Atelier zeigen», verspricht Halter.

Mittelalterliche Mauer erzählt mit

Die 16 Nischen in der 800-jährigen Klostermauer verteilen sich auf mehr als hundert Meter Wegstrecke. Die Nischen, in welche die Visionen platziert werden, sind zwei auf zwei Meter gross. Eine ist von einem Bruch durchzogen. «Hier kommen höchstens einige Worte des Bruderklausengebetes hinein», sagt Toni Halter. Das habe Alois Spichtig so gewünscht, weil es ja auch im Leben von Bruder Klaus einen Bruch gegeben habe. In allen andern Nischen aber werden Visionen thematisch und symbolisch dargestellt. «Immer und überall spielt die alte Mauer, deren Mörtel langsam abbröckelt und die von Wind und Wetter gemalte Farbmuster aufweist, entscheidend mit», weiss Halter. Und er freut sich, dieses Werk mit Alois Spichtig geschaffen zu haben.

Romano Cuonz

Hinweis

Bruder-Klaus-Visionsweg im Kloster Heiligkreuztal in Altheim (D) von Alois Spichtig und Toni Halter. Einweihung Samstag, 2. April 2017. Tag der offenen Tür im Atelier Toni Halter, Spichersmatt 1, Giswil, am Samstag, 9. April 2016, 10 bis 16 Uhr. Weitere Informationen unter www.tonihalter.ch