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GISWIL: Waschweiber und «Persil-Gritli»

Im Kleinteil klopft die letzte Schlegelsäge der Schweiz im Takt. Weniger bekannt ist, dass es daneben auch eine europaweit einzigartige Sammlung von Wasch-Utensilien aus Grossmutters Zeiten gibt.
Romano Cuonz
Ruth Wolf (links) und Mariette Sigrist demonstrieren, wie zu früheren Zeiten gewaschen wurde. (Bild: Romano Cuonz (Giswil, 22. Mai 2017))

Ruth Wolf (links) und Mariette Sigrist demonstrieren, wie zu früheren Zeiten gewaschen wurde. (Bild: Romano Cuonz (Giswil, 22. Mai 2017))

Romano Cuonz

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

Man muss das Rad der Geschichte bloss um ein Jahrhundert zurückdrehen und schon begegnet man wieder echten «Waschweibern», die an Brettern mühsam Wäsche reiben und in strenger Arbeit versuchen, allen Schmutz daraus zu lösen. Meist wurde dabei, wie es alte Redewendungen belegen, getratscht und geschwatzt. Da es zu «Waschweiber»-Zeiten weder Kinderkrippen noch Kindergärten gab, waren meist auch die Kleinkinder dabei. Entweder halfen sie mit – ausgerüstet mit eigenen Waschbrettchen . Oder aber spielten sie daneben im Laufgitter: etwa mit dem berühmten «Persil-Gritli», einer Kunstpuppe mit roten Fingernägeln und listiger Haartolle.

Apropos Persilpuppe: Das «Bäbi» – heute ein rares Sammlerstück – erhielten damals einzig Kunden der Firma Henkel. Vorerst aber mussten sie unzählige Gutscheine sammeln, die den Waschpulverpackungen beilagen. Dem Persil-Gritli, vielen Sorten Waschbrettern, ersten kuriosen Waschmaschinen, alten Waschmitteln und Seifen und vielem mehr kann man am Schweizer Mühletag vom kommenden Samstag bei der Schlegelsäge im Giswiler Kleinteil begegnen. Mehr noch: Da wird – man traut seinen Augen kaum – von drei Giswiler «Waschweibern» nochmals schmutzige Wäsche gewaschen und gepresst. Genau so, wie es weiland Vorfahren taten. Lachend und plaudernd!

Einzigartige Sammlerpassion

Heute besitzt die Heimatkundliche Vereinigung Giswil – wie sie mit Stolz festhält – eine schweiz-, ja europaweit einzigartige Sammlung von allem, was zum Waschen gehörte. Die Entwicklung von Wascharbeiten in früheren Zeiten kann damit fast lückenlos dokumentiert werden. Bei den Besuchern löst dies ein «Ah» und «Oh» nach dem andern aus. Dass die «Alte Giswiler Wäscherei» in den letzten Jahren wuchs und wuchs, hat man – nebst andern – vor allem zwei aus dem Dorf stammenden passionierten Sammlern zu verdanken. Maria Schnider ist die treibende Kraft, wenn es ums «Waschen wie früher» geht. Was auch immer in ­ der Sammlung noch fehlt, ob ein besonders seltenes hölzernes Waschbrett, ein Waschpulver-Päckli von 1907, aus den Anfangszeiten eine Trommelwaschmaschine: Auf Wunsch treibt Maria Schnider einfach alles auf. Selbst wenn sie dafür weite Reisen bis ins Ausland und die ganzen Kosten auf sich nehmen muss. Der Zweite im Bunde ist der handwerklich begabte Arnold Burch. Ihm gelingt es, mit Tüfteln und Basteln jeder noch so komplizierten Mechanik auf die Schliche zu kommen. Alte Maschinen bringt er immer wieder zum Laufen und Rattern. Die aktuelle Ausstellung erzählt und illustriert zahllose Waschtags-Geschichten: Berichtet vom «Wäschbräd», dem «Wäschhafä». Von «Wesch- und Säpfämääl». Utensilien, die noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts überall gebraucht wurden.

«Eine grosse Wäsche dauerte mehrere Tage», erzählt Maria Schnider von Grossmutters Zeiten. «Oft waren geschwollene und zerschundene Hände die Folge solch mühevoller Arbeit.» Heutige Generationen könnten sich die Tortur langer Waschtage vor und auch nach der Erfindung des Waschbrettes kaum mehr vorstellen. Deshalb zeige man die alten Gerätschaften nochmals. Auch die mühseligen damaligen Wascharbeiten.

Alte Waschbrettpresse in Aktion

Arnold Burch zieht und drückt an ein paar Hebeln: Und schon nimmt eine beinahe archaische Maschine stampfend und klopfend ihre Arbeit auf. «Das ist unsere ‹Weingarten-Presse›, darauf sind wir besonders stolz», erklärt der vife Senior. «Sie stand über 40 Jahre in der einzigen Schweizer Waschbrett-Fabrik in Sachseln. Mit 100 Tonnen Druck presst die Maschine die typischen Rillen ins Blech von Waschbrettern.» In Giswil stehe das einzige noch funktionierende Exemplar von ganz Europa. Dass man hier auch Waschbretter aller Generationen finde, sei ein Höhepunkt der Sammlung. Ein anderer seien die ersten, so richtig listigen Waschmaschinen, die samt und sonders der Oberschicht vorbehalten waren.

Was Giswil da besitzt, ist ­einmalig. Dies bestätigte nach einem Besuch vor zwei Jahren auch Cornelia Meyer, Vizepräsidentin des Verbandes der Museen der Schweiz. Sie lobte: «Ich hatte den Eindruck, dass alle beteiligten Personen dieser Sammlungen mit Leidenschaft den in seiner Weise einzigartigen Ort betreiben. Diese Arbeiten und diese Einsätze sollten unbedingt unterstützt werden.»

Hinweis

Schweizer Mühletag: Samstag, 27. Mai, 10 bis 16 Uhr bei der Schlegelsäge im Giswiler Kleinteil mit Waschtag wie zu Grossmutters Zeiten. Attraktionen wie Pferdekutschenfahrten, Säumer und Festwirtschaft. Weitere Infos unter www.hvgiswil.ch.

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