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GISWIL: Wie Mongolen Rymanns Gämseli jagen

Aus der Alphütten-Bar der «Krone» tönt es vertraut und fremd: Musiker aus Nidwalden und aus der Mongolei proben zusammen den «Gämselijeger».
Romano Cuonz
In der «Krone» in Giswil proben die Nidwaldner Ländlerkapelle und das Pferdekopfgeigen-­Quartett aus der Mongolei den «Gämselijeger». (Bild Romano Cuonz)

In der «Krone» in Giswil proben die Nidwaldner Ländlerkapelle und das Pferdekopfgeigen-­Quartett aus der Mongolei den «Gämselijeger». (Bild Romano Cuonz)

Romano Cuonz

«Es war schon ein unglaublich eindrückliches Erlebnis, als wir in der Giswiler ‹Krone› in einen Bus einstiegen und neben uns plötzlich Mongolen in ihrer Tracht und mit ihren seltsamen Instrumenten Platz nahmen», berichtet Severin Barmettler. Er ist der Bassist der bekannten dreiköpfigen Nidwaldner Huismuisig, die dieses Jahr zum zweiten Mal am Volkskulturfest Obwald auftritt. Später sei dann alles fast wie in einem Film abgelaufen. «Wir trafen in dieser unglaublich stimmungsvollen Waldlichtung ein, spielten unsere Musik und lauschten den Pferdekopfgeigen-Klängen der mongolischen Musiker», schildert Barmettler.

Eine beinahe absurde Situation sei es, wenn man als Nidwaldner in einem Obwaldner Wald auf mongolische Musiker treffe und sogleich miteinander harmoniere! Auch der Akkordeonist und Primarlehrer Markus Bircher schwärmt: «Die Mongolen kamen freundlich, ja herzlich auf uns zu, vor allem waren sie sehr offen.»

Indessen: Sich über die Sprache zu verständigen, war mehr als schwierig, weil die Mongolen kein Englisch sprachen. Da brauchte es eine Dolmetscherin. Musikalisch jedoch habe es keinerlei «Barrikaden» gegeben. Und da sei denn der Wunsch, miteinander zu musizieren, förmlich in der Luft der Lichtung mit dem bezeichnenden Namen «Gsang» gelegen.

Der «Gämselijeger» als Pflichtstoff

Am späten Abend kehrte man zurück in die «Krone». «Dass dort viele Musiker ein gemeinsames Quartier haben, gehört zu den Besonderheiten dieses Festivals», findet Severin Barmettler. Bei einer gemeinsamen Probe in der Alphütten-Bar stellte sich dann nur noch eine Frage: Was könnte man denn miteinander spielen?

Markus Bircher musste nicht lange überlegen. «Da dieses Jahr Ruedi Rymanns Sohn Peter auf dem Schwyzerörgeli den ‹Gämselijeger› spielt, war es fast eine Pflicht, dieses Lied für unseren überraschenden gemeinsamen Auftritt zu wählen.» Und bald schon ertönte die bekannte Melodie, intoniert von einer Geige, einem Akkordeon und dem Kontrabass aus Nidwalden, gleichzeitig aber eben auch von den Saiten der verschiedenen Pferdekopfgeigen des mongolischen Quartetts. Der professionelle Geiger Andreas Gabriel dazu: «Die mongolischen Musiker drücken die Saiten mit einer ganz anderen Technik als wir, aber erstaunlicherweise harmonieren die Instrumente prächtig miteinander.» In der Tat: Die Klänge mischen sich so gut, dass der «Gämselijeger» schon am ersten Obwald-Abend zum «Schuss» kam und einen geradezu donnernden Applaus des Publikums erntete.

Stolz, das berühmte Lied zu singen

«Für die meisten Musiker von uns ist die Schweiz ein fernes, ein fremdes Land, und wir hätten nie gedacht, dass wir hier so froh mit anderen Musikern harmonieren könnten», gestand die Dolmetscherin Ulaakhou Suvda. Und der mongolische Bandleader, Sänger und Geiger Batzorig Vaanchig meinte: «Ich bin froh, dass ich mit so grossartigen Schweizer Musikern zusammenarbeiten und das berühmteste Lied der Schweiz vor einem grossen Publikum spielen darf.» Natürlich hätten sie das Lied exakt und mit viel Einsatz geprobt. Dies vor allem auch, weil ihre Instrumente doch ein bisschen Probleme gehabt hätten.

An die hohe Luftfeuchtigkeit, die in Obwalden herrsche, seien die Pferdekopfgeigen aus der trockenen Steppe anfangs gar nicht gewohnt gewesen. Erst mit der Zeit habe sich das Problem gelöst. Batzorig Vaanchig, der als Berufsmusiker in einem der grössten staatlichen Ensembles der mongolischen Hauptstadt Ulan Bator spielt, war schon einmal in der Schweiz. «Als Mann aus der endlos weiten Wüste habe ich mich auf die Berge, auf die schönen grünen Landschaften und auf den ‹Juiz› ge-freut», hielt er fest. «Dass unsere unendlichen, eher melancholischen Lieder so anders sind als eure Jodel, muss an der Landschaft liegen», ist der mongolische Geiger und Sänger überzeugt.

Hinweis

Einen Bericht über den gestrigen Konzertabend lesen Sie am Samstag im Kulturteil.

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