GISWIL: Wieder einmal so richtig herzhaft lachen

Acht begabte Akteure auf und ein kluges Team hinter der Bühne bieten zurzeit erfrischend gutes Theater. «Anne Bääbi im Sääli» bringt einen zum Lachen und ein wenig zum Nachdenken.

Romano Cuonz
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Jetzt geht es ans «Wyybe»: Ruth Enz, Res Berchtold und Christoph Hurni (von links) fahren im Stück «Anne Bääbi im Sääli» im Wagen nach Solothurn. (Bild: Romano Cuonz (Giswil, 16. Januar 2017))

Jetzt geht es ans «Wyybe»: Ruth Enz, Res Berchtold und Christoph Hurni (von links) fahren im Stück «Anne Bääbi im Sääli» im Wagen nach Solothurn. (Bild: Romano Cuonz (Giswil, 16. Januar 2017))

Romano Cuonz

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Ausgerechnet der Berner Autor Beat Sterchi bringt Jeremias Gotthelfs Klassiker «Anne Bääbi Jowäger» ein bisschen anders, ja sogar ziemlich schräg auf die Bühne. Noch vor 50 Jahren wäre dies in Gotthelfs Heimat ein Sakrileg gewesen. Und ja: Selbst heute polarisiert der 1949 geborene Autor des mehrfach ausgezeichneten Romans «Blösch» damit noch immer. In einem Leserbrief kommentiert eine Dame aus Oberbüren: «So was von Schwachsinn eines sogenannten Schriftstellers!»

Wenn das Theater Giswil Sterchis Stück «Anne Bääbi im Sääli» dennoch ausgewählt und mit einem teils neuen, jungen Team auf die Bühne gebracht hat, beweist allein dies schon Mut. Aber es ist noch mehr: In der häufig brav dem Publikumsgeschmack angepassten Landtheaterszene wirkt das Stück auf wohltuende Weise frech. Kurzum: Giswil gelingt mit der Inszenierung, bei der auf und hinter der Bühne einfach das meiste stimmt, einmal mehr ein guter Wurf.

Freiwillige und unfreiwillige Komik

Vier Frauen und vier Männer stehen der Berner Regisseurin Renate Adam, die das Stück auf ebenso kluge wie kreative Weise bearbeitet und inszeniert, zur Verfügung. Jede und jeder von ihnen hat das Zeug zum Komiker oder zur Komikerin. Und alle beweisen sie dieses Talent gerne und virtuos. Gerade bei diesem Stück, das ständig zwischen zwei sehr verschiedenen Ebenen hin und her wechselt, ist dies absolut notwendig. Die eine Ebene ist das «Ochsensääli». Hier probt eine Laientheatergruppe ganz ernsthaft Gotthelfs «Anne Bääbi». Die Mitglieder versuchen gar, weltoffen zu sein. Dank einem Kulturfonds für Randregionen hat man einen deutschen Profi-Regisseur engagiert. Michael Grieger spielt ihn nuanciert, bald leidenschaftlich begeistert, bald bodenlos enttäuscht. Er lässt die sieben Spieler zu den Wolken greifen und gar «moonwalken». Das ganze Hickhack, das sich auf Landtheaterbühnen hinter den Kulissen oft zutragen mag, wird auf die Schippe genommen. Wenn nun diese Mitglieder – auf der zweiten Ebene des Stücks – in Gotthelfs behäbige Welt einzutreten versuchen, wirken sie unfreiwillig skurril. Urkomisch. So sehr, dass man als Zuschauer immer wieder laut herauslachen muss.

Vieles muss man selber merken

«Anne Bääbi im Sääli» ist kein Stück, das eine Geschichte gradlinig vom Anfang bis zum Ende erzählt und dabei alles und jedes bis zum Gehtnichtmehr erklärt. Oft muss man sich als Zuschauer auch selber einen Reim aus dem machen, was man im «Ochsensääli», auf der Bühne im Stück oder als virtuoses Schattentheater in Bruchstücken zu sehen und zu hören bekommt.

Sehr schön gezeichnet sind – vom Autor wie vom Giswiler Ensemble – die Charaktere. Da ist die umtriebige Präsidentin der Truppe: Ruth Enz spielt sie und das Anne Bääbi gewitzt, höchst amüsant. Mit ihr verbandelt ein gescheiterter Landwirt, der ausgerechnet den Hansli Jowäger spielen soll. Res Berchtold mimt ihn in ständigem Aufruhr gegen den deutschen Regisseur umwerfend komisch. Der Jakobeli (Christoph Hurni prächtig naiv) ist ein Autofreak und lustigerweise auch der abgeblitzte Liebhaber einer baldigen «Miss Coop Zentralschweiz», die das Meyeli spielen darf: Jana Odermatt agiert virtuos und temperamentvoll. Schliesslich sind da auch noch der widerwillige Bauer Sami (eine Rolle wie gemacht für Jakob Grünenfelder) und das verzweifelte schwangere Mädi (Marina Koller auf zwei Ebenen glaubhaft). Schliesslich, als Sonnenschein im trüben Stück und Glanzlicht auf der Bühne, die kroatische Kellnerin Marija. Was Sonja Müller da singend und verwandlungskünstlerisch zeigt, ist spitze.

In dieser schlanken, zügigen Produktion sind einfach alle für dicke und positive Überraschungen und sitzende Gags gut: Regisseurin Renate Adam mit ihren Ideen, Adrian Hossli mit dem prächtig kontroversen Bühnenbild, Barbara Medici und Monika Rossacher mit – je nach Spielebene rasch wechselnden – mal opulenten, mal prosaischen Kostümen und Masken. Das Stück ist wohltuend anders, und auch die drei Sprachebenen, in denen es spielt, tragen zu einem besonderen Theaterspass bei.

Hinweis

Theater Giswil: «Anne Bääbi im Sääli» von Beat Sterchi. Noch 12 Aufführungen in der Kulturhalle beim Schulhaus bis zum 25. Februar. Weitere Informationen unter www.theater-giswil.ch.