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GISWIL: Will Gemeinde Pfarreileiter loswerden?

Was ist bloss in der Pfarrei los? Diese Frage stellt man sich derzeit in Giswil. Von offizieller Seite gibts keine Antworten. Inoffiziell schon.
Der Giswiler Pfarreileiter Ulrich Schmaltz. (Bild Marion Wannemacher)

Der Giswiler Pfarreileiter Ulrich Schmaltz. (Bild Marion Wannemacher)

Adrian Venetz

Seit dem 1. August amtet der 56-jährige Ulrich Schmaltz als Pfarreiverantwortlicher der Katholischen Kirchgemeinde Giswil. Sein Wechsel vom Kanton Uri nach Obwalden sorgte im vergangenen Frühling für einiges Aufsehen. Grund: Schmaltz war seit 1990 in Erstfeld als Pfarrer tätig und zwar als reformierter. Der Wechsel nach Giswil ging einher mit einem Wechsel der Konfession: Schmaltz konvertierte zum katholischen Glauben. In Giswil löste dies bei einigen bodenständigen Katholiken etwas Stirnrunzeln aus. Kritisiert wurde auch die Informationspolitik des Kirchgemeinderats. Doch man liess sich auf das Wagnis ein. «Gebt Herrn Schmaltz eine Chance», sagte der Giswiler Kirchgemeindepräsident Moritz Koller im Mai, als sich der neue Seelsorger in Giswil erstmals den Gläubigen vorstellte.

Keinen Zugang zum Volk gefunden

Diese Chance scheint nun vertan. Ulrich Schmaltz habe sich zwar nichts zu Schulden kommen lassen, sagen verschiedene Giswiler, die anonym bleiben möchten, gegenüber unserer Zeitung. Doch sei man nie wirklich warm geworden mit dem neuen Seelsorger. «Etwas abgehoben», «distanziert», «eher unzuverlässig» oder «eben kein ‹echter› Katholik» so wird er beschrieben. Es sei halt ohnehin keine so gute Idee gewesen, einen vormals reformierten Pfarrer als neuen Pfarreileiter ins ländlich-katholische Giswil zu bringen, heisst es hinter vorgehaltener Hand. Denn: Schmaltz kann trotz der Konversion zum katholischen Glauben weder die Eucharistiefeier halten noch die Beichte abnehmen – diese Aufgaben dürfen nur geweihte Priester wahrnehmen.

Unterschriften für den Diakon

Eine Gruppe von Giswilern hatte gar eine Unterschriftensammlung initiiert. Diese habe sich aber nicht gegen Ulrich Schmaltz gerichtet, heisst es. Vielmehr habe man damit dem jungen Giswiler Diakon Beat Zellweger den Rücken stärken wollen. Zellweger sei ausserordentlich beliebt bei den Giswilern, er habe sich aber zunehmend unwohl gefühlt im Pfarreiteam unter der Führung von Ulrich Schmaltz. Die Unterschriftensammlung entstand aus der Sorge heraus, dass der Diakon Zellweger die Pfarrei Giswil wegen Differenzen mit Schmaltz verlassen könnte.

Seit Weihnachten sieht man den Pfarreileiter, der in Sarnen wohnhaft ist, offenbar gar nicht mehr in Giswil weder im Dorf noch in der Kirche. Wie unserer Zeitung von verschiedenen Seiten zugetragen wurde, war man vor Weihnachten drauf und dran, das Arbeitsverhältnis mit Ulrich Schmaltz aufzulösen. Kurz darauf war Ulrich Schmaltz per ärztlichem Zeugnis krankgeschrieben. Man habe verschiedentlich versucht, ihn zu kontaktieren – ohne Erfolg. Ist eine Person krankgeschrieben, kann man ihr nicht kündigen. Wie lange eine solche «Sperrfrist» gilt, ist abhängig von der Dauer der Anstellung. Im ersten Dienstjahr gilt ein solcher Kündigungsschutz gemäss Gesetz nur während 30 Tagen, bei langjähriger Anstellung bis zu 180 Tagen.

Kopp: «Probleme vorhanden»

Dass Pfarreileiter Schmaltz krankgeschrieben ist, bestätigt der Giswiler Kirchgemeindepräsident Moritz Koller. Sonst aber will er sich zur ganzen Angelegenheit «nicht äussern». Die Kirchgemeinde werde sich vermutlich im März mit weiteren Informationen an die Öffentlichkeit wenden, sicher aber noch «vor dem Sommer».

«Nichts dazu sagen» will auch Martin Kopp, Generalvikar der Urschweiz. Er hatte Schmaltz’ Wechsel von Erstfeld nach Giswil ini­tiiert. Er habe Kenntnis davon, dass in Giswil «Probleme vorhanden» seien, so Kopp. Da Schmaltz krankgeschrieben sei, könne er sich derzeit aber nicht dazu äussern. «Was weiter passiert, ist noch völlig offen», hält Kopp fest. «Ich hoffe, dass sich die Situation bald klärt.»

Fakt ist: Krankgeschrieben und damit zu 100 Prozent arbeitsunfähig – war Ulrich Schmalz bereits vor seinem Weggang in Erstfeld. Dies ab Januar 2014 während eines halben Jahres, genau bis zum Ende des Arbeitsvertrags per 31. Juli 2014. Das sorgte damals für Misstöne, auch wenn die Trennung gemäss offiziellem Wortlaut «in gegenseitigem Einvernehmen» erfolgte. Eine Gruppe innerhalb der Evangelisch-reformierten Landeskirche Uri wollte später mehr wissen über die Einzelheiten des Abgangs von Ulrich Schmaltz. Weil aber Stillschweigen vereinbart worden war, bleiben die Details unklar. Es werde ein «Stück Wahrheit unter den Teppich gekehrt», sagte im November ein Urner Pfarrer. Bereits an einer Versammlung im Mai 2014 gab es in Uri keine Antworten – etwa auf die damals aufgeworfene Frage, ob Rückstellungen von knapp 77 000 Franken für ausserordentliche Personalaufwendungen «für Anwaltskosten oder als ‹goldener Fallschirm› für Pfarrer Schmaltz gedacht» gewesen seien.

Ulrich Schmaltz war für unsere Zeitung für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

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