Giswiler gewinnen Landwirtschafts-Auszeichnung

Ein Landwirt und ein Informatiker haben einen Futterschieber erfunden, der per Handy gesteuert werden kann.

Robert Hess
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Landwirt Adrian Zumstein (links) und Informatiker Joel Ming führen den Futterschieber vor. (Bild: Robert Hess, Giswil, 19. November 2019)

Landwirt Adrian Zumstein (links) und Informatiker Joel Ming führen den Futterschieber vor. (Bild: Robert Hess, Giswil, 19. November 2019)

Könnten Kühe wie die Menschen denken, hätten sich die prächtigen Tiere auf dem Giswiler Hof Wespimattli eines Tages gewundert, dass ihnen nicht mehr der Bauer oder einer seiner Helfer das Futter zuschiebt, sondern irgendetwas Bewegliches aus Metall und Gummi.

Selbstverständlich ist Meisterlandwirt Adrian Zumstein gerne in der Nähe seiner 25 Milchkühe und den rund 30 Stück Jungvieh auf dem Biohof im Kleinteil oder im Sommer auf der Alp Glaubenbielen, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung betont. «Doch wollten wir auch technische Möglichkeiten nutzen, wenn meine Milchkühe dadurch mehr fressen und sich dazu noch rund 30 Minuten Arbeit pro Tag sparen lassen.»

Erfinderduo Landwirt und Informatiker

Im Klartext: Der 30-jährige Landwirt Adrian Zumstein und der 36-jährige Informatiker und Kollege Joel Ming haben einen Futterschieber erfunden und entwickelt, der den Menschen auf dem Bauernhof viel Handarbeit abnimmt und sich auch vom Mobiltelefon aus steuern lässt.

Und so läuft die Sache ab: Die tägliche Ration Futtermischung, aus geschnittenem Heu, Emd, Gras- und Maissilage wird wie gewohnt längs des Fressplatzes im Laufstall deponiert. Eigentlich müssten nun die Bauersleute das aufgehäufte Futter regelmässig in den Bereich der fressenden Tiere von Hand nachschieben. Auf dem Hof Wespimattli übernimmt nun aber ein mechanischer Futterschieber diese Aufgabe. Zu diesem Zweck ist ein alter Anhänger-Pneu mit einem Metallgestänge verbunden, das auf einem kleinen Stützrad steht. Das Metallgestänge läuft auf einer Schiene, die sich über die ganze Länge der Futterausgabe unter dem Fressgitter befindet. In diesem Bereich befindet sich auch ein Drahtseil, das den Futterschieber mit Hilfe einer von einem Elektromotor angetriebenen Winde zieht. Durch seine besondere Lagerung dreht sich der Pneu bei der Bewegung und schiebt das Futter laufend den hungrigen Mäulern zu. Eventuell muss am Schluss etwas nachgewischt werden, doch den täglichen Futternachschub besorgt die Anlage selbstständig.

Über eine Smart-Home-App aufrufbar

Das Erfinderduo hat einen weiteren Schritt gemacht. Der Futterschieber kann nämlich sowohl durch Schalter vor Ort wie auch über das Mobiltelefon gesteuert werden. Dieser Bereich war Sache des Informatikers Joel Ming. «Ich habe dazu einfach das übliche Smart-Home System auf den Stall umprogrammiert», berichtet Ming. «Weiter sind die im Stallgebäude montierten Überwachungskameras in der Smart-Home-App des Handys aufrufbar.» So kann Adri­an Zumstein auf der Arbeit im Feld kontrollieren, ob die Kühe «zu Hause» noch genügend Futter haben oder die Anlage programmgemäss funktioniert. Für Meisterlandwirt Adrian Zumstein war wichtig, «eine Anlage zu realisieren, die finanziell tragbar war. Unsere Investitionskosten betrugen rund 3000 Franken», fährt er fort, «eine Fertiglösung mit Roboter wäre zu teuer gewesen.»

Bäuerlicher Innovationspreis gewonnen

Heute Freitag wird den beiden Giswilern anlässlich der Suisse Tier Messe in Luzern der mit 3000 Franken dotierte bäuerliche Innovationspreis 2019 für die Erfindung des Futterschiebers verliehen. Nicht in Frage kommt für die beiden, die Anlage patentieren zu wollen. «Wir haben das für uns gemacht, um Zeit und Geld zu sparen», sagt Joel Ming, der in einem andern Informatikbereich arbeitet, «aber ein grosses Herz für die Landwirtschaft» hat. Zusammen mit Adrian Zumstein will er weitere ähnliche bäuerliche Projekte realisieren. Beide betonen, dass sie ihr Wissen und die Erfahrungen interessierten Kreisen zur Verfügung stellen.