Giswiler Schüler bringen älteren Menschen das Tablet näher

Der Einstieg in die digitale Welt fällt in höherem Alter nicht immer einfach. Vier Primarschüler aus Giswil erklären ihren älteren Mitbürgern die wichtigsten Funktionen des iPads – und lernen selbst dabei.

Florian Pfister
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Die 12-jährige Maria Delle Fiamme erklärt Anneliese Albert das iPad.

Die 12-jährige Maria Delle Fiamme erklärt Anneliese Albert das iPad.

Bild: Florian Pfister (Giswil, 10. März 2020)

«Wenn ich eine Tasche nähen will, kann ich dazu also eine Videoanleitung auf YouTube finden?» Mit Begeisterung bedient Anneliese Albert zum ersten Mal ein iPad. Fast schon voreilig will die 62-Jährige wissen, was der nächste Schritt ist. Konzentriert stellt sie den Wecker ein, vergrössert die Karte oder schiesst ein Foto. Die 12-jährige Maria Delle Fiamme erklärt ihr Schritt für Schritt die wichtigsten Funktionen des Tablets. «Sie hat das super gemacht und mir das iPad sehr gut erklärt», freut sich Anneliese Albert.

Vier Primarschüler der Schule Giswil erklären im Rahmen des Generationenprojekts Compisternli jeweils einer älteren Person aus ihrem Umfeld das iPad. Diese neue Erfahrung hat Anneliese Albert erfreut. Momentan besitzt Marias Bekannte kein iPad, nur ein Handy. Nachdem sie die vielen Möglichkeiten eines Tablets kennen gelernt hat, könnte sich das ändern. «Es wäre schon praktisch», schmunzelt sie. Vor allem die Möglichkeit, Antworten auf ihre Fragen online zu finden und der elektronische Notizblock würden ihren Alltag vereinfachen.

Sechs Doppellektionen als Vorbereitung

Auch Maria musste sich zunächst in die Welt des Tablets und der verschiedenen Apps einarbeiten. In den sechs Doppellektionen zur Vorbereitung lernte sie die Bedienung aber rasch, sodass sie diese nun ohne Probleme erklären kann. «Anneliese hat es schnell verstanden», stellt die Sechstklässlerin fest. «Ich war auch überrascht, wie gut sie schon mit der Tastatur umgehen kann. Nur die Leertaste hat sie manchmal vergessen.»

Dass Anneliese Albert und drei weitere Personen überhaupt in den Genuss einer neuen Welt kommen, verdanken sie der Schule Giswil. Als Chantal Rieger, Fachperson Begabungs- und Begabtenförderung, von dem Generationenprojekt hörte, wollte sie dieses Projekt unbedingt mit den Kindern aus dem Pullout durchführen. Das Pullout ist ein Angebot für Dritt- bis Sechstklässler mit hohem Potenzial. Unterstützt wird sie vom Verein Compisternli, der sich zum Ziel gesetzt hat, älteren Menschen durch Kinder den Einstieg in die digitale Welt zu erleichtern. Dieser stellt Unterlagen und die iPads zur Verfügung.

«Jung und Alt haben Spass»

So übernehmen vier Schülerinnen und Schüler für einmal den Unterricht. Sie erklären ihren Verwandten oder Bekannten während zweier Kurstage insgesamt zwei Stunden lang Apps und die Funktionen des iPads. Am Dienstag fand die erste Lektion statt, nächste Woche die zweite. «Was muss ich genau drücken, um einen Screenshot zu machen?», «Kostet YouTube?» und viele weitere Fragen beantworten die Viert- bis Sechstklässler den neugierigen Teilnehmenden. Aber nicht nur den spezifischen Umgang mit dem Tablet lernen die Kinder durch dieses Projekt. Sie setzen sich auch mit Fragen wie zum Beispiel «Wie erkläre ich älteren Personen das Internet?» oder «Was mache ich, wenn eine ältere Person nicht mehr gut sieht oder hört?» auseinander.

«Unser Ziel ist es, den älteren Menschen den Einstieg in die digitale Welt zu erleichtern», sagt Chantal Rieger. Besonders freut sie sich über das Interesse der Teilnehmenden. «Alle Personen waren motiviert und bereit, von den Jungen etwas zu lernen.» Sie zieht ein positives Zwischenfazit. «Die Kinder machen es super und erklären die Technik verständlich. Jung und Alt haben Spass dabei.»