GISWIL/LUZERN: Musiker sucht Neues und Unbekanntes

Der Giswiler Christoph Blum komponiert zeitgenössische Musik. Am Festival «Szenenwechsel» wird sein neustes Werk aufgeführt.

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Der Giswiler Komponist Christoph Blum (24) vor der Musik-Hochschule Dreilinden in Luzern. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue OZ)

Der Giswiler Komponist Christoph Blum (24) vor der Musik-Hochschule Dreilinden in Luzern. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue OZ)

Primus Camenzind

Überschrieben mit «1915/2015 eine musikalisch-panoptische Weltreise» präsentiert das Studio für zeitgenössische Musik diese Woche in Luzern im Rahmen des Musikfestivals «Szenenwechsel» eine Reihe von Konzerten und Lehrveranstaltungen, an denen sich Studierende der Hochschule – Musik beteiligen können.

Im Rahmen dieser Veranstaltungen ist morgen Samstag eine Neukomposition des Giswilers Christoph Blum zu hören (siehe Hinweis).

Seit Kindheit spielt er Panflöte

«Zur Musik kam ich durch meine Familie. Meine Mutter, vor allem mein Vater und auch alle meine Geschwister spielen ein Instrument», lässt der 24-jährige Komponist unsere Zeitung im persönlichen Gespräch wissen. Er studiert an der Hochschule in Luzern im 7. Semester im «Bachelor of Arts in Music» Klassik mit Schwerpunkt Komposition und spielt als Hauptinstrument Panflöte. Dieses Instrument wird unter Musikfreunden und auch in Musikerkreisen nicht überall ernst genommen. Zu Unrecht, wie Christoph Blum findet: «Die Panflöte, welche ich seit meiner Kindheit spiele, bietet viel mehr als die gängigen Klischees.» Vor allem für zeitgenössische Musik biete die Panflöte ein riesiges Potenzial an Klängen, sagt er. Am Samstagabend im Neubad (ehemaliges Hallenbad) in Luzern tritt Blum allerdings als Komponist und nicht als Instrumentalist in Erscheinung.

Das Bekannte wurde langweilig

In der Gymnasialzeit und im Verlauf seiner musikalischen Entwicklung begann Christoph Blum vieles, was er an herkömmlicher Musik bereits kannte, als «irgendwie langweilig» zu empfinden. Er machte sich deshalb auf die Suche nach Klängen, die neuartig und ihm unbekannt waren. So werden auch seine Neukomposition mit dem Titel «Hackordnung» und ihre Aufführungspraxis am Konzert vom Samstag daherkommen. «Das Ensemble ein Quintett – besteht aus Klarinette, Flöte, Geige, Cello und Hackbrett. Am Hellraumprojektor operieren zwei Studenten der Hochschulabteilung Design und Kunst», erklärt Christoph Blum. «Und es gibt den Dirigenten, der dafür sorgt, dass Musik und Grafik synchron laufen. Was hat es mit den beiden Jahreszahlen 1915/2015 auf sich? Vor hundert Jahren, während des Ersten Weltkriegs, herrschte Grauen, Zerrissenheit und Perspektivlosigkeit. Das Verarbeiten und Verdrängen des Krieges förderte in kultureller Hinsicht – vor allem auch im Komponieren – eine ungemeine Vielfalt zu Tage. «Meine Verarbeitung passiert vor allem über den Weg der Grafik. Auf den Folien der Hellraumprojektoren geht es – in Anlehnung an den Krieg – um Territorien, die Aufgabe oder Eroberung von Feldern und Gebieten. Ich habe das Ganze in meine musikalische Sprache übertragen», erklärt Blum weiter. «Es ging mir dabei um die Frage nach der Hierarchie der beiden Sinne Optik und Akustik beziehungsweise die Wahrnehmung beim Publikum», präzisiert der Komponist.

Offen für alles

Christoph Blum empfindet sich in der Musik als «offen für alles». Er spielt auf der Panflöte zeitgenössische und klassische Musik und Folklore, «und auf der Bassgeige liebe ich es, Ländlermusik zu spielen», betont er. Da er ein vielseitig interessierter Musiker sei und wisse, dass Komponist zeitgenössischer Musik nicht unbedingt ein sicherer Broterwerb ist, kann er sich seine Zukunft als sogenannter «Patchwork-Künstler» gut vorstellen: «Kompositionsaufträge, Konzerte in verschiedenen Stilrichtungen, Unterrichten, Theatermusik», fährt er fort.

Am Samstag nun sollten die Musikfreunde nach Blums Überzeugung jedoch nach Luzern kommen, «weil es dort ein optisches und akustisches Erlebnis zu geniessen gibt, welches in dieser Form wirklich neu ist».

Hinweis

Samstag, 31. Januar: Konzert der Reihe «Szenenwechsel» um 19.30 Uhr; Neubad, Bireggstrasse 36, Luzern. Eintritt frei (Kollekte).