GLAUBENBERG: Nun ziehen die Asylsuchenden ein

Gestern sind die ersten Asylsuchenden im Bundeszentrum ob Sarnen angekommen. Wir liefern Antworten auf Fragen zum Betrieb und zur Mithilfe.

Drucken
Teilen
Die Militärkaserne auf dem Glaubenberg. Hier soll ein Asylzentrum entstehen. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Die Militärkaserne auf dem Glaubenberg. Hier soll ein Asylzentrum entstehen. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

OLiver Mattmann

Der Bund gab vor wenigen Wochen bekannt, das Asylzentrum im Truppenlager auf dem Glaubenberg nicht erst im Sommer 2016, sondern aufgrund der angespannten Flüchtlingslage bereits Anfang November in Betrieb zu nehmen. Gestern war es so weit. Aus allen fünf Empfangs- und Verfahrenszentren in der Schweiz wurden rund 200 Personen mit Bussen ins Langisgebiet gefahren. Dies bestätigte Martin Reichlin, Mediensprecher beim Staatssekretariat für Migration (SEM), auf Anfrage unserer Zeitung. Hauptsächlich seien Asylsuchende aus Afghanistan, dem Irak und Syrien auf den Pass zwischen Sarnen und Entlebuch gebracht worden. Davon seien knapp ein Drittel Frauen, zudem würden über 20 Familien einquartiert. «Nach meinem Kenntnisstand sind die Transfers reibungslos verlaufen», sagte Martin Reichlin am Abend. Heute werden auf dem Glaubenberg 30 weitere Asylsuchende erwartet.

Kapazität fast verdoppelt

Insgesamt bietet das Truppenlager Platz für maximal 400 Asylsuchende. Mit der Inbetriebnahme weiterer Anlagen in Baselland und Schaffhausen hat der Bund die Unterbringungsplätze mittlerweile auf 4300 aufstocken können. Dies ist fast eine Verdopplung gegenüber der Kapazität vor einem halben Jahr.

Wir stellten dem Staatssekretariat für Migration vorgängig zur gestrigen Eröffnung des Bundesasylzentrums auf dem Glaubenberg die wichtigsten Fragen rund um den ganzen Betrieb. Die Fragen stammen teils aus der Leserschaft:

Welche Herkunft haben die Asylsuchenden auf dem Glaubenberg? Auf was achtet der Bund bei der Zuteilung?

Es ist dem SEM nicht möglich, vorab festzulegen, welche Nationalitäten in einem Zentrum untergebracht werden. Einerseits kann man nicht vorhersagen, welche Asylsuchenden in die Schweiz kommen. Andererseits müssen die vorhandenen Kapazitäten flexibel eingesetzt werden, um auch bei einer rasch ansteigenden Zahl von Asylsuchenden alle unterbringen zu können. Der logistische Aufwand würde sich unnötig erhöhen, wenn die Zentren nur bestimmte Asylsuchende aufnehmen würden.

Gibt es für die Asylsuchenden verbindliche Anwesenheitszeiten im Bundesasylzentrum?

Asylsuchende können die Zentren mit Bewilligung des Staatssekretariats für Migration verlassen. Unter der Woche gelten Ausgangszeiten von 9 bis 17 Uhr, am Wochenende dürfen die Asylsuchenden von Freitag, 9 Uhr, bis Sonntag, 19 Uhr, aus der Unterkunft wegbleiben, damit sie beispielsweise Verwandte besuchen können.

Werden die Asylsuchenden auch für «Ämtli» wie Abwaschen, Putzen, Kochen oder Waschen eingespannt?

Asylsuchende sind zur Mitarbeit verpflichtet. Sie reinigen zum Beispiel die Unterkünfte und sanitären Einrichtungen, verteilen Mahlzeiten oder waschen das Geschirr ab.

Können Gemeinden, Kantone oder Private Asylsuchende für Arbeiten engagieren?

Asylsuchende, die sich in Bundeszentren befinden, dürfen keiner Erwerbsarbeit nachgehen. Sie können aber an gemeinnützigen Beschäftigungsprogrammen der Standortgemeinde teilnehmen. Die Arbeit muss der Allgemeinheit zugutekommen und darf die Privatwirtschaft nicht konkurrenzieren. Beispiele sind: Aufräumarbeiten nach Überschwemmungen oder Stürmen, Instandsetzung von Wanderwegen, Säuberung von Kirchenglocken, Mülltrennung für Recycling, Bekämpfung invasiver Pflanzen oder Reinigungsarbeiten im öffentlichen Raum.

Was machen Asylsuchende den ganzen Tag?

Sie müssen sich in erster Linie für die einzelnen Schritte im Asylverfahren bereithalten. In der Unterkunft gilt ein geregelter Tagesablauf mit festen Essens- und Ruhezeiten und der bereits erwähnten Pflicht zur Mitarbeit im Haushalt. Die Betreuungsorganisationen sind zudem dafür verantwortlich, dass Beschäftigungsmöglichkeiten wie Sport oder Sprachunterricht angeboten werden.

Wie wird die Sicherheit und Ordnung im und um das Truppenlager gewährleistet?

Private Sicherheitsfirmen sorgen in den Bundesasylunterkünften für ein friedliches Zusammenleben und setzen die Hausordnung durch. Bei Hinweisen auf strafrechtlich relevante Vorgänge wird konsequent Anzeige erstattet. Zutritt haben nur Bewohnerinnen und Bewohner der jeweiligen Unterkunft.

Müssen Postauto und die Zentralbahn ihr Angebot aufstocken, oder werden die Asylsuchenden auf anderem Weg ins Tal gebracht?

Es werden eigene Transportdienste für die Asylsuchenden eingerichtet. Es ist den Asylsuchenden jedoch nicht untersagt, auch die Postautoverbindung zu benützen.

Welches Essen wird den Asylsuchenden serviert? Was muss dabei berücksichtigt werden?

Die Verpflegung soll ausgewogen und ausreichend sein, einmal pro Woche sollte Fisch angeboten werden, eine spezielle Auswahl für einzelne Gruppen von Asylsuchenden gibt es aber nicht. Da zahlreiche Menschen aus verschiedensten Herkunftsländern aus unterschiedlichen Gründen auf Schweinefleisch verzichten, wird dieses nicht verwendet.

Muss ein permanenter Dolmetscherdienst aufrechterhalten werden, damit sich Asylsuchende und das Personal verständigen können?

Das Betreuungspersonal in den Bundeszentren ist geübt im Umgang mit Asylsuchenden und spricht zum Teil deren Sprache. Ein Teil der Migranten beherrscht eine Fremdsprache wie Englisch oder Französisch. Damit ist die Kommunikation im Alltag möglich. Für Termine im Rahmen des Asylverfahrens werden Dolmetscher beigezogen.

Werden Kinder privat unterrichtet, oder wird versucht, diese in öffentlichen Schulen zu integrieren?

Heute halten sich Asylsuchende nur für kurze Zeit in den Bundesasylzentren auf. Deshalb ist eine Einschulung in die öffentliche Schule nicht sinnvoll. Nach der Neustrukturierung des Asylbereichs sollen Asylsuchende länger in den Bundeszentren verbleiben, bis zu 140 Tage. Dann sollen schulpflichtige Kinder im Asylzentrum unterrichtet werden.

Kann man Asylsuchende besuchen und mit ihnen Kontakt aufnehmen?

Nein. Die Unterkünfte sind ausschliesslich für die Asylsuchenden bestimmt. Sie sind der Öffentlichkeit grundsätzlich nicht zugänglich. Ausnahmen sind Besuche von Personen, die eine Beziehung zum Asylsuchenden glaubhaft machen können.

Erhalten Asylsuchende ein Taschengeld? Wie viel?

Während des Aufenthalts in den Bundeszentren erhalten Asylsuchende ein Taschengeld von 3 Franken pro Tag. Im Rahmen von Beschäftigungsprogrammen können sie ausserdem tageweise an gemeinnützigen Arbeiten mitwirken. Dafür ist eine Motivationsentschädigung von maximal 30 Franken pro Tag und Person vorgesehen.

Können Private ebenfalls Asylsuchende bei sich aufnehmen? Unter welchen Kriterien?

Das SEM begrüsst das Engagement von Privatpersonen und Organisationen grundsätzlich. Für die relativ kurze Zeit, in der die Asylsuchenden untergebracht werden, eignet sich eine private Beherbergung jedoch nicht. Die längerfristige Unterbringung von Asylsuchenden, vorläufig Aufgenommenen und anerkannten Flüchtlingen ist wiederum eine Aufgabe der Kantone. Sie sind denn auch die richtigen Ansprechpartner für die Frage der privaten Unterbringung.

Gibt es eine Sammelstelle, um Asylsuchenden Kleider, Kinderbücher oder Spielsachen abzugeben?

In den Bundesasylzentren können künftig in der Regel Kleider oder Spielsachen abgegeben werden. Das SEM macht die Erfahrung, dass sich häufig auch Gruppen aus der Zivilgesellschaft oder die Gemeindebehörden anbieten, Sachspenden anzunehmen.

Sind die Asylsuchenden krankenversichert?

Ja. Der Bund vergütet den Kantonen mittels Pauschalen die Kosten für die Krankenversicherung. Pro Person und Monat sind dies 1500 Franken. Die Pauschale setzt sich aus verschiedenen Anteilen zusammen: für die Mietkosten, für die Sozialhilfe- und Betreuungskosten und für die Krankenversicherungsprämien, Selbstbehalte und Franchisen..