Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

GLAUBENBERG: Sie wollen Freundlichkeit vermitteln

Jeden Samstag trifft sich eine Gruppe Obwaldner mit Asylbewerbern aus dem Bundeszentrum. Sie bringen Früchte, Kuchen und Tee – aber nicht nur.
Martin Uebelhart
Asylbewerber treffen sich bei der Loipenhütte auf dem Langis mit Mitgliedern der Freiwilligengruppe. (Bild Martin Uebelhart)

Asylbewerber treffen sich bei der Loipenhütte auf dem Langis mit Mitgliedern der Freiwilligengruppe. (Bild Martin Uebelhart)

Martin Uebelhart

Die Gruppe aus dem Tal wird bereits erwartet auf dem Langis. Etwa 50 Asylbewerberinnen und -bewerber warten bei der Loipenhütte. Erst wird ausgeladen: Früchte, Tee, Kuchen. Besonders bestürmt wird Andrea Dahinden. Sie verteilt kleine farbige Kärtchen mit Nummern drauf. Die Nummern legen die Reihenfolge fest, in der die Leute die mitgebrachten Handys ausleihen dürfen. Wer an der Reihe ist, darf fünf Minuten mit Freunden oder Familie in der Heimat kommunizieren. Die Möglichkeit zur Kommunikation sei daher so beliebt, weil es im wenige hundert Meter entfernten Asyl-Bundeszentrum für die Flüchtlinge keine Möglichkeit gebe, ins Internet zu gelangen, sagt Anna-Lea Rohrer. Die 21-jährige Alpnacherin hat das samstägliche Engagement der Freiwilligen ins Leben gerufen.

«Sie sind abgeschnitten»

Auslöser war eine ähnliche Initiative für das Bundesasylzentrum auf dem Gubel. «Einige Personen, die Kontakt mit der Freiwilligengruppe vom Gubel pflegen, haben mich angefragt, ob ich mit ihnen die Menschen auf dem Glaubenberg besuchen will», erzählt Anna-Lea Rohrer. Sie habe dann Leute gefragt, ob sie auf den Glaubenberg mitkommen würden. Und seither seien sie jeden Samstag oben gewesen. In der Zwischenzeit gibt es die IG Flüchtlinge Glaubenberg. «Wir sind rund 20 Leute und wechseln uns immer wieder ab», sagt sie. Zu Beginn sei es vor allem darum gegangen Früchte zu bringen. «Denn sie kriegen im Zentrum keine Früchte, so wie wir das mitbekommen haben.» Und es sei ihnen auch darum gegangen, den Menschen hallo zu sagen. «Sie sind hier oben so abgeschnitten», hält Anna-Lea Rohrer fest.

Willkommene Abwechslung

Als sie das erste Mal hier oben gewesen seien, hätten die Leute gesagt, es gehe ihnen nicht gut, sie seien traurig, sie seien jetzt zwar vor dem Krieg geflüchtet, doch fühlten sich hier oben wie in einem Gefängnis. «Ich finde es ungeheuerlich, dass der Aufenthalt hier so ein Gefühl auslösen kann bei den Menschen», betont Anna-Lea Rohrer. «Darum ist es mir wichtig, dass wir immer wieder oben sind, mit den Leuten sprechen und mit ihnen spielen. Manchmal haben wir Bälle oder Federball-Sets dabei», erzählt sie, die gar ein paar Brocken Arabisch und Tigrinya – eine Sprache, die in Äthiopien und Eritrea gesprochen wird – gelernt hat. Sie würde sich wünschen, dass noch mehr Leute Kontakt mit den Bewohnern hätten. «Indem sie uns zum Beispiel an einem Samstag begleiten.»

Das Angebot scheint anzukommen. Die Menschen aus dem Asylzentrum, die aus den verschiedensten Weltgegenden kommen, freuen sich sichtlich über die Abwechslung zum Alltag.

Wetter spielt keine Rolle

«Das sind gute Menschen», sagt ein Asylbewerber aus Somalia über die IG-Mitglieder. Und die Asylbewerber würden sich auch von misslichsten Wetterbedingungen nicht von den samstäglichen Treffen abhalten, erzählen die Leute von der IG. Selbst im Winter seien sie gekommen und hätten sich mitunter völlig durchnässt wieder auf den Rückweg gemacht. An diesem Samstag gibt es blauen Himmel und Sonnenschein. Früchte und Kuchen munden den Zentrumsbewohnern. «Ich möchte mit meinem Engagement ein Stück Freundlichkeit herüberbringen», sagt Andrea Dahinden, die immer wieder darauf schaut, dass die Mobiltelefone weitergegeben werden. «Sie haben eine lange Reise hinter sich, sind vielleicht ein Stück weit hoffnungslos und begegnen wohl eher weniger Menschen, die sie freundlich empfangen», meint sie. «Ich möchte mithelfen, ihnen das Gefühl zu vermitteln, dass sie auch hier Menschen sind.» Sie nehme auch immer ihre Kinder mit. «Damit sie lernen, offen zu sein gegenüber anderen Menschen.»

Menschenverstand und Mitgefühl

Zeit für tiefgründige Gespräche gibt es kaum. «Wir fragen sie, wie es ihnen geht, wie es steht mit Essen und Trinken, mit der Körperhygiene», sagt Minka Rohrer. Sie erkundige sich auch, ob sie die Möglichkeit hätten, sich zurückzuziehen und ob sie sich frei bewegen dürften. «In 90 Prozent der Fälle kommt zuerst, das was gut ist. Dann kommt aber immer auch das, was sie nicht so gut finden», sagt sie. Das bekomme der Bund, der die Leute hier unterbringt, schon mit, weiss Minka Rohrer. Eine Dachorganisation aller freiwilligen Gruppen, die um die Bundeszentren herum engagiert seien, stelle das sicher. «In die Zentren hinein kommen wir ja nicht, also müssen die Menschen aus den Zentren zu uns kommen.» Gefragt nach den Gründen für ihren Einsatz sagt sie, sie habe das Privileg in einem Land zu leben, «wo es mir und uns als Gesellschaft rund herum gut geht». Und wenn es mal nicht so gut gehe, gebe es ein soziales Netz, das einen auffange. Sie sehe es als Aufgabe, zu jenen zu schauen, die das nicht hätten. «Für mich hat das auch einen christlichen Hintergrund. Aber einfach auch Menschenverstand und das Mitgefühl mit den Menschen, die auf der Flucht sind.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.