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GRAFENORT: «Herrenhaus soll kein Museum sein»

Seit 20 Jahren versteht sich das Herrenhaus als Ort der Begegnung und der Bildung. Was das Haus am Weg nach Engelberg bietet, ist vielen unbekannt.
Martin Uebelhart
Maya Murer, Gastgeberin im Herrenhaus, führt durch den imposanten Dachstock des Gebäudes. (Bild Corinne Glanzmann)

Maya Murer, Gastgeberin im Herrenhaus, führt durch den imposanten Dachstock des Gebäudes. (Bild Corinne Glanzmann)

Martin Uebelhart

Eben hat sich eine Gruppe die markanten Zimmererarbeiten der Korndiele im obersten Stock des Herrenhauses angesehen. «Für Leute, die sich mit Holz oder Holzbau beschäftigen, ist der Original-Dachstuhl offenbar von Interesse», sagt Maya Murer. Sie ist die Geschäftsführerin der Stiftung Lebensraum Gebirge, die das 1690 erbaute Haus führt (siehe Kasten). Das Herrenhaus sei ein Ort der Begegnung, sagt Murer. So sei das bei der Renovation bestimmt worden. «Es ist aber auch ein Ort der Bildung. Die Stiftung hat eine Bildungskommission, die eine Reihe mit monatlichen Vorträgen zum Thema Lebensraum Gebirge organisiert.» Konzerte und Ausstellungen ergänzen das Jahresprogramm der öffentlichen Veranstaltungen.

Seminare und Kunden-Events

Begegnungen könnten im Herrenhaus nach Ansicht der Geschäftsführerin noch viel mehr stattfinden. «Das Hauptproblem ist, dass es zu wenig bekannt ist», so Maya Murer. Und dass sich die Leute nicht hingetrauten, weil sie dächten, es sei ein Museum oder ein Wohnheim des Klosters Engelberg. Das habe sie in ihrer Zeit als Geschäftsführerin schon einige Mal gehört. «Das Herrenhaus soll kein Museum sein», betont sie. «Das Haus soll leben.»

Ganz ohne Leben ist das Haus gleichwohl nicht. Übers Jahr finden verschiedenste Anlässe statt. Etwa Seminare von Firmen, Kunden-Events oder auch Familienfeiern wie Geburtstage oder Hochzeiten. Im Trauungszimmer kann die zivile Zeremonie abgehalten werden. Weiter gibt es Angebote für Wandergruppen, auch Vereine schauen das Haus an und halten gleich noch ihre Generalversammlung in Grafenort ab. «Wir möchten offen sein für jedermann, der Freude hat an so einem Gebäude», umschreibt Maya Murer die Philosophie. Für die Anlässe steht den Gästen eine ausgebaute Infrastruktur zur Verfügung. Räume in verschiedensten Grössen können gemietet werden, Räume, die teilweise einen einfachen Charme aufweisen, andere wiederum sind geschmückt mit aufwendigen Wandmalereien. Und auch eine Küche gibt es.

Mehrwert für die Gäste

Die Gäste hätten die Möglichkeit, nur die Räume zu mieten und einen eigenen Caterer mitzubringen, sagt Murer. Man könne sich aber auch von den Landfrauen, die im Herrenhaus mitarbeiten, bekochen lassen. «Sie machen bodenständige Gerichte, die nicht zuletzt bei ‹Städtern› gut ankommen.» Und sonst sei man auch behilflich beim Organisieren der Verpflegung: «Wir arbeiten regelmässig mit dem Engelberger Bankett-Service zusammen.» Das Team des Herrenhauses versuche mit Mehrwert zu punkten, hält Murer fest. «Mit einer anderen Küche, mit mehr Service, Flexibilität und dem Umstand, dass immer nur eine Gruppe im Haus ist.» Gerade im Seminarbereich laufe vieles über Mundpropaganda. «Besonderes externe Seminarleiter sind gute Werbeträger», weiss die Geschäftsführerin. Wenn es ihnen gefallen habe, würden sie das Herrenhaus ihren Kunden empfehlen.

Lage hat Vor- und Nachteile

«Wir sind an einem schönen Ort, haben die Haltestelle der Zentralbahn vor der Haustür und genügend Parkplätze in unmittelbarer Nähe», streicht Maya Murer die Pluspunkte heraus. Sie weiss aber auch um die Nachteile: «Die Lage ist ein Vorteil, wenn Leute so ein Haus wie unseres suchen. Auf der anderen Seite liegen wir nicht gerade am Weg, die Anreise von Zürich, Basel oder Bern ist entsprechend etwas aufwendiger.»

Die Seminargäste kämen denn auch mehrheitlich aus dem Raum Obwalden, Nidwalden und Luzern. Definitiv ein Nachteil sei, dass bei mehrtägigen Veranstaltungen keine Zimmer für Übernachtungen zur Verfügung stünden. «Wir versuchen, das Beste daraus zu machen, indem wir die Kunden beim Buchen der Unterkünfte unterstützen und den Transfer der Gäste übernehmen.»

Unterstützung vom Kloster

Für den Betrieb kann Maya Murer auf eine Reihe von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zählen, die zur Stelle sind, wenn es etwas zu tun gibt. Lisbeth Odermatt ist eine von mehreren Frauen aus der näheren Umgebung, die sich um das Wohl der Gäste und um das Gebäude kümmern. «Das Haus hat mich schon in der Schulzeit beeindruckt», erzählt sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Sie ist ganz in der Nähe des Herrenhauses aufgewachsen und lebt heute noch dort – allerdings auf Nidwaldner Boden, wie sie betont. Unten im Herrenhaus sei der Bahnhof der damaligen Luzern-Stans-Engelberg-Bahn integriert gewesen, und in der heutigen Empfangshalle hätten sie jeweils die Velos abgestellt, wenn sie auf die Bahn oder zur Schule gegangen seien. «Dass ich einmal hier arbeiten würde, hätte ich mir nicht vorstellen können.» Sie gehört schon fast seit der Wiedereröffnung zum Team und schätzt die Aufgaben im Herrenhaus. «Man lernt ganz unterschiedliche Menschen kennen», sagt sie, «und die Arbeit ist sehr abwechslungsreich.» Ihre Mitarbeiterinnen seien alles bodenständige Frauen, hält Maya Murer fest. «Sie leisten viel und kommen mit allen unseren Gästen zurecht.»

Das Herrenhaus gehört auch heute noch dem Kloster Engelberg. Das zeigt sich unter anderem darin, dass die Mönche dort ihre Sommerferien verbringen. «Auch dieses Jahr war wieder eine Hand voll von ihnen da», weiss Maya Murer. Und sie kann auf die Unterstützung der Klostergärtnerei, der Malerei oder der Schreinerei zählen, wenn es etwas zu verschönern oder auszubessern gibt. «Ansonsten arbeitet die Stiftung völlig autonom», hält sie fest.

Erholungsort und Treffpunkt

Zum Gebäude red. Seit der Renovation des Herrenhauses in den Jahren 1992 bis 1995 hat die vom ehemaligen Obwaldner Kantonsoberförster Leo Lienert ins Leben gerufene Stiftung «Lebensraum Gebirge» im barocken Haus ihr Zuhause. Die Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, die vielfältige Thematik des Gebirgsraumes auf fachlich kompetentem Niveau zu erörtern, wie einer Informationsbroschüre des Hauses zu entnehmen ist.

Schon über 320 Jahre alt

Das Herrenhaus wurde 1690 von den Mönchen des Benediktinerklosters Engelberg erbaut. Der markante Bau diente von Anfang an als Talresidenz und Erholungsstätte für Abt und Konvent, als Herberge für vornehme Reisende, als Ort für politische Zusammenkünfte sowie als Korndiele, Sust und Warenumschlagsplatz.

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