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Grafenort schreibt Musikgeschichte

Grosse musikalische Ereignisse geschehen nicht nur im KKL oder anderen grossen Konzerthäusern, sondern für einmal auch im Herrenhaus Grafenort.
Kurt Liembd
Komponist Houtaf Khoury gratuliert Oboistin Andrea Bischoff zur Welturaufführung seiner Komposition für Oboe und Streichquintett.Bild: Kurt Liembd (Grafenort, 21. Mai 2018)

Komponist Houtaf Khoury gratuliert Oboistin Andrea Bischoff zur Welturaufführung seiner Komposition für Oboe und Streichquintett.Bild: Kurt Liembd (Grafenort, 21. Mai 2018)

Da ist Maya Murer, Gastgeberin im geschichtsträchtigen Herrenhaus, ein grosser Wurf gelungen. Sechs professionelle Musiker des Luzerner Sinfonieorchesters (LSO) gaben sich am Pfingstmontag die Ehre und präsentierten ein Matinée-Konzert auf höchstem Niveau. Dies mit dem sinnigen Untertitel «Kultur statt Stau». Auch wenn das Herrenhaus im Prinzip kein eigentliches Konzert ist, erwies sich das Ambiente in jeder Hinsicht als gelungen. Dazu bei trugen auch die rund 80 Zuhörer, womit das Konzert vom Platz her bereits ausverkauft war. Mehr Leute hätten im Parterre, wo das Konzert stattfand, gar nicht Platz gehabt.

Der Konzertrahmen war zwar klein und fast familiär, umso inspirierender erwies sich das Dargebotene. Ausführende waren die Profi-Musiker Andrea Bischoff (Oboe), Manuel Druminski (Violine), Christina Gallati (Violine), Alexander Besa (Viola), Heiner Reich (Violoncello) und Randy Barboza (Kontrabass). Schon das erste der drei Werke liess aufhorchen. Bei Mozarts dreisätzigem Oboenquartett – kein Oboist möchte es in seinem Repertoire missen – fuhr Solistin Andrea Bischoff zur Hochform auf. Den virtuos verspielten Ecksätzen steht ein kurzer Mittelsatz in Moll gegenüber, der die elegischen Klangfarben der Oboe beispielhaft zur Geltung bringt. Die Solo-Oboistin des LSO gefiel durch ihren beispiellosen runden, sanften und letztlich «wahren» Ton auf der Oboe, während die Streicher ihr an Professionalität in nichts nachstanden. Als rhythmische Besonderheit erwies sich der dritte Satz, einem Rondo im Sechsachteltakt, in dem die Oboe für kurze Zeit in den Viervierteltakt überwechselt, während die Streicher im Sechsermetrum bleiben.

«Das ist Balsam für die Seele»

Alles in allem eine tolle Musik, die ebenso leichtfüssig wie schwermütig und in jedem Moment bravourös dargeboten wurde. Von ganz anderem Zuschnitt erwies sich das «Interlude für Oboe und Streichquartett» vom englischen Komponisten Gerald Finzi. Auch in dieser modernen Musik fanden sich die Luzerner Musiker besten zurecht und boten eine Interpretation auf höchstem musikalischen Niveau. «Das ist Balsam für die Seele», sagte ein begeisterter Konzertbesucher und traf damit den Nagel auf den Kopf.

Höhepunkt der Matinée war zweifellos die Uraufführung eines Werkes für Oboe und Streichquintett vom libanesischen Komponisten Houtaf Khoury. Der 51-jährige Tonschöpfer stammt aus Tripoli, der zweitgrössten Stadt des Libanons. Er studierte Musik in seinem Heimatland, aber auch in der damaligen UdSSR und in der Ukraine. Zur «Welturaufführung», wie es im Programm hiess, liess er sich nicht nehmen, persönlich vom Libanon nach Grafenort zu reisen. In seinem Werk beschreibt er Momente, wo man als Mensch im Leben mal anhalten kann. Das Resultat ist ein fantastisches Tongemälde, das für zeitgenössische Musik erstaunlich tonal daherkommt. Das Spektrum reicht von mysteriös-meditativen Klängen bis zu musikalisch hochdramatischem Geschehen. Solistin Andrea Bischoff meisterte dabei das Tonspektrum und verblüffte mit schwierigsten Kadenzen. Das Publikum zeigte sich begeistert und überschüttete die Künstler mit reichem Beifall.

Auch Komponist Khoury strahlte nach der Uraufführung. «Die Musiker haben fantastisch und ganz nach meinen Intentionen gespielt», sagte er gegenüber unserer Zeitung. Den Musikern blieb nach dem Konzert wenig Zeit, sich mit dem Publikum auszutauschen, denn sie hatten anschliessend weitere Verpflichtungen im Luzerner Theater.

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