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Werk von Obwaldner Regisseur wird Hörspiel des Monats: Grosserfolg für Vater-Sohn-Duo

Erstmals wurde eine Schweizer Produktion im deutschsprachigen Raum als Hörspiel des Monats ausgezeichnet. Besonderen Anteil an diesem Erfolg haben Geri Dillier als Obwaldner Regisseur und sein Sohn Jul mit seiner Musik.
Marion Wannemacher
Sie wirkten am Hörspiel mit (von links): Ueli Jäggi, Stefan Kurt, Regisseur Geri Dillier und Autor Arno Camenisch. (Bild: SRF)

Sie wirkten am Hörspiel mit (von links): Ueli Jäggi, Stefan Kurt, Regisseur Geri Dillier und Autor Arno Camenisch. (Bild: SRF)

«Arno Camenisch gewinnt mit ‹Der letzte Schnee› die Auszeichnung als Hörspiel des Monats Februar 2019.» Was in der Pressemitteilung von SRF fast unspektakulär klingt, ist in Wahrheit ein Riesenerfolg nicht nur für den Autoren, sondern auch für den Obwaldner Geri Dillier, der bei dem Hörspiel auf unbedingten Wunsch von Camenisch Regie führte. Und ebenfalls für Dilliers Sohn Jul, der mit der Komposition der Musik einen grossen Anteil am Erfolg hat.

Seit über 40 Jahren kürt die Deutsche Akademie der Darstellenden Künste Hörspiele mit dieser Auszeichnung, bislang nur in Deutschland, neuerdings auch in Österreich und der Schweiz. Wer es bis zur Nominierung unter so vielen Produktionen geschafft hat, darf sich freuen. Nun hat SRF Dilliers Hörspiel nominiert und gleich mit seiner ersten Teilnahme gewonnen. «Ich war überrascht, dass SRF jetzt mitgemacht und wir damit den ersten Preis gewonnen haben. Das ist wunderschön, zumal dieses Hörspiel zur eher leisen Art mit feinen Zwischentönen gehört», kommentiert der Regisseur. Er hat seit seiner Pensionierung als Hörspielredaktor bei SRF vor fast fünf Jahren drei weitere Hörspiele produziert.

Alpenblues am scheppernden Bügellift

18 Monate war Camenischs Buch ‹Der letzte Schnee› auf der Bestseller-Liste. Darin und im gleichnamigen Hörspiel geht es um Paul und Georg, die in den Bündner Alpen einen betagten Bügellift betreiben. Während sie auf den Schnee warten, erzählen sie vom zurückweichenden Gletscher, der letzten Liebe, dem Lädeli und dem Skirennen, dass es alles nicht mehr gibt. Der Lift dreht und dreht währenddessen ohne Touristen, bis er irgendwann stehen bleibt.

Im Hörspiel verwendet der Autor, der auch die Hörspielbearbeitung geschrieben hat, ein Hochdeutsch mit Helvetismen, da und dort drückt der Bündner Dialekt durch. Der Hörer fühlt sich auf bedrückende Art atmosphärisch nah. Fast hat er den Eindruck, selbst am Skilift-Hüttchen zu stehen.

Die beiden alten Männer lamentieren nicht, fast beiläufig und gelassen teilen sie miteinander ihre Wahrnehmungen und Erinnerungen. «Es ist die Qualität der Vorlage, dass man nicht auf falsche Nostalgie drückt, sondern auf Beiläufigkeit ohne Pathos», betont Geri Dillier.

«Meditatives Werk voller Einsichten»

Auch der Jury hat das Hörspiel in seiner Reduziertheit gefallen, das bewusst auf grossen Aufwand verzichtet. «Mit den beiden alpinen Philosophen schafft Camenisch ein meditatives Werk voller wertvoller Einsichten», begründet sie ihren Entscheid. Sie sieht das Werk als «Versuch der Versöhnung mit den Veränderungen der Zukunft».

Grosses Lob erhielt auch Jul Dillier mit seiner Komposition. Mit einem Harmonium, das er vom Elternhaus in Sachseln nach Zürich ins Aufnahmestudio zügelte, spielte der in Sachseln und Wien lebende Musiker nicht nur die musikalischen Brücken zwischen den Szenen, sondern produzierte damit auch fast sämtliche Geräusche, den Lift, den Heli, das Schneeschaufeln. Das Pumpen der Pedale, das Klappen des Deckels, dunkle Akkorde ohne Ton – der 29-Jährige entwickelte viel Kreativität beim Simulieren der Geräusche. «Für uns war das ein Weg, eine Analogie vom ausgedienten Bügellift zum Harmonium herzustellen, das ja als Instrument ebenfalls aus der Zeit gefallenen ist. Dadurch kommt es zu einer grossen Einheit zwischen Text und Musik», sagt der Künstler.

Rosse stampfen durch die musikalische Szene

Immer wieder variiert Jul Dillier sein musikalisches Grundthema, illustriert einzelne Motive und untermalt Stimmungswechsel. Wenn in der Sturmwarnung von stampfenden Rossen die Rede ist, stampfen diese auch durch seine musikalische Szene. Arno Camenisch lobt euphorisch: «Die Musik versetzt den Text in die Schwebe und öffnet die Räume, richtig schön.»

Bereits im Visionen-Gedenkspiel im Jubiläumsjahr 2017 von Niklaus von Flüe (600. Geburtstag von Bruder Klaus) hat die Zusammenarbeit von Vater und Sohn Dillier grosse Beachtung gefunden. Wird es auch künftige gemeinsame Projekt geben? «Auf jeden Fall», sagt Jul: «Es ist immer sehr schön mit meinem Vater zusammenzuarbeiten, er ist sehr sorgfältig, genau und klar in der Ästhetik.»

Sendehinweis

Das Hörspiel «Der letzte Schnee» wird am Samstag, 4. Mai, um 20.05 Uhr auf Deutschlandfunk wiederholt.

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