Grossprojekte

Engelberg setzt Prioritäten bei Bauvorhaben

Der Engelberger Gemeinderat hat seine Finanzstrategie aktualisiert. Diese zeigt auf, wie die laufenden und anstehenden Investitionen nachhaltig bewältigt werden sollen.

Martin Uebelhart
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Der Sporting Park in Engelberg.

Der Sporting Park in Engelberg.

Bild: Obwaldner Zeitung

Mit dem fertiggestellten Schulhaus I, dem Hochwasserschutzprojekt, dem Projekt Wohnen im Alter oder der Sanierung der Friedhofsanlage befänden sich grosse Investitionsvorhaben im Bau oder seien bereits abgeschlossen worden. Mit der Sanierung und Erneuerung Schwimmbad Sonnenberg, der Sanierung und Erneuerung Sporting Park oder einer neuen Turnhalle seien weitere grosse Investitionen geplant, schreibt der Einwohnergemeinderat Engelberg in einer Mitteilung.

Aufgrund der aktuellen Situation könne die Einwohnergemeinde jährlich bis zu vier Millionen Franken aus eigener Kraft investieren – das heisst ohne die Aufnahme von zusätzlichem Fremdkapital. «Dieser Betrag war in der Vergangenheit höher und muss aufgrund der zu erwartenden Auswirkungen der Coronapandemie nun reduziert werden», so der Gemeinderat weiter. Die laufenden und anstehenden Projekte überstiegen dieses Volumen. Für die anstehenden Grossprojekte will der Gemeinderat die zusätzliche Aufnahme von Fremdkapital bremsen.

Neues Schwimmbad könnte in vier Jahren fertig sein

Nach dem Erlenhaus soll auch der Sporting Park samt dem Schwimmbad Sonnenberg aus der Einwohnergemeinde ausgelagert und in eine neue Rechtsform überführt werden. Der Einwohnergemeinderat sieht eine Mehrheitsbeteiligung von 15 Millionen Franken an einer neuen Aktiengesellschaft vor. Dank dieser Anschubfinanzierung muss die Einwohnergemeinde Engelberg nicht die gesamte Investition tragen. Die restlichen Gelder sind durch weitere Investoren – etwa über Bankkredite, Gewinnung weiterer Kleinaktionäre oder Fundraising – zu generieren. «Wir beginnen jetzt mit der Planung», sagt Statthalter Seppi Hainbuchner auf Anfrage. Das sei ein längerer Prozess, der auch mehrere Abstimmungen beinhalte. Mit Blick auf die Pläne am Sonnenberg meint er: «Wenn alles gut läuft, könnten wir in rund vier Jahren ein neues Schwimmbad haben.»

Engelberg will bei guten Rechnungsabschlüssen auch weiterhin zusätzliche Abschreibungen und Einlagen in die finanzpolitischen Reserven tätigen. Zusätzliche Abschreibungen entlasteten die Gemeinderechnung in Zukunft und die Einlage in die finanzpolitischen Reserven könne aufgelöst werden, sobald die Erfolgsrechnung aufgrund der anstehenden Grossprojekte stark belastet werde. Eine Steuererhöhung oder die Einführung einer zweckgebundenen Sondersteuer ist für den Gemeinderat laut der Mitteilung momentan keine Option.

Neubau des Gemeindehauses hat zweite Priorität

Mit dem Turnhallenprojekt, der Sanierung und Erweiterung des Schwimmbades Sonnenberg sowie der Sanierung und Erweiterung des Sporting Park stehen in den nächsten Jahren grosse Investitionen an. Diese Investitionen haben für den Einwohnergemeinderat Priorität. Ein Neubau des Gemeindehauses, welcher ebenfalls im aktuellen Finanzplan aufgeführt ist, hat für den Einwohnergemeinderat zweite Priorität und wird – sofern es die finanziellen Rahmenbedingungen erfordern – weiter nach hinten verschoben. Dies bedeutet allerdings auch, dass der Unterhalt in das bestehende Gemeindehaus wieder intensiviert werden muss.

Das Gemeindehaus in Engelberg.

Das Gemeindehaus in Engelberg.

Bild: Obwaldner Zeitung

Auch mit diesen Massnahmen werde es gemäss dem aktuellen Finanzplan zu einer Zunahme der Verschuldung kommen. Wenn sich die Steuereinnahmen, welche aufgrund der Coronapandemie in den nächsten Jahren voraussichtlich stagnierten, nicht erholen würden, werde die Einwohnergemeinde nicht darum herumkommen, die Sachlage neu zu beurteilen.

Der Gemeinderat verzichtet bewusst auf die Formulierung einer Fremdkapitalobergrenze, sondern entscheidet aufgrund der gesetzlichen Rahmenbedingungen und der Entwicklung der finanziellen Situation der Einwohnergemeinde, welche Projekte dem Volk zur Bewilligung vorgelegt werden. Der Gemeinderat macht aber auch darauf aufmerksam, dass der Ansparung eines Liquiditätspolsters nach den investitionsstarken Jahren Beachtung geschenkt werden muss, um Rückzahlungen von Fremdkapital zu finanzieren. Rund sechs investitionsstarke Jahre erwartet Seppi Hainbuchner, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung sagt. «Wir müssen darauf achten, dass wir die gesetzlichen Vorgaben zur Verschuldung einhalten können.»