Gute Ausgangslage für Lehrstellensuchende in Obwalden und Nidwalden

Obwohl schweizweit Lehrstellen wegen der Coronakrise fehlen werden, ist der Lehrstellenmarkt in Obwalden und Nidwalden entspannt. 

Marion Wannemacher
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Die Schulabgänger haben eine grosse Auswahl an Lernberufen.

Die Schulabgänger haben eine grosse Auswahl an Lernberufen. 

Bild: Florian Arnold (Stans, 15. Mai 2020)

In der gesamten Schweiz werden nach einer Studie der Universitäten von Bern und Zürich in den nächsten fünf Jahren total 5000 bis 20'000 weniger Lehrverträge abgeschlossen wegen der Coronakrise.  In Ob- und Nidwalden zeigt sich aktuell ein anderes Bild. «Wir haben im Moment sogar leicht mehr Lehrvertragsabschlüsse als im vergangenen Jahr um diese Zeit», erklärt Urs Burch, Leiter des Berufsbildungsamtes Obwalden. Bis Mittwoch wurden 328 neue Lehrverträge in Obwalden genehmigt, bis Ende Mai vor einem Jahr waren es 325. Bis Ende dieses Monats erwartet das Amt für Berufsbildung noch etwa zehn weitere Verträge. Allerdings zähle dieser Jahrgang auch 30 Schulabgänger mehr als 2019.

In anderen Jahren zog die gute Versorgung mit Lehrstellen bisher auch Bewerber aus anderen Kantonen nach Obwalden. So besetzten im vergangenen Jahr 72 Prozent der Obwaldner die 374 Lehrstellen, 25 Prozent stammten aus der Zentralschweiz und 3 Prozent aus anderen Kantonen.

Aufruf an Lehrbetriebe, weiterhin Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen

«Die Coronakrise darf nicht zu einer Schwächung der Berufsbildung führen», appelliert Urs Burch an die Lehrbetriebe. «Es ist besonders in wirtschaftlich angespannten Zeiten wichtig, Jugendlichen eine Perspektive zu geben, indem das Angebot an Lehrstellen und Arbeitsplätzen für Lehrabgänger hochgehalten wird.» Auch der Schweizerische Gewerbeverband ruft Lehrbetriebe und Berufs­verbände auf, in der Krise Lehr­stellen zur Verfügung zu stellen und zu fördern.

In Nidwalden gingen bislang 319 Lehrverträge beim Berufsbildungsamt ein, das sind 35 oder fast zehn Prozent weniger als zum selben Zeitpunkt im Vorjahr. Sorgen macht sich Amtsleiter Pius Felder trotzdem kaum, denn 2020 gibt es im Kanton auch 28 Schulabgänger weniger als 2019. «Das beunruhigt mich nicht extrem. Die Situation kann ausserdem von einem Tag auf den anderen anders aussehen», so Felder. Er nehme die Entwicklungen aber dennoch als Warnzeichen wahr, denn bis zum Lockdown im März seien gleich viel Lehrverträge wie sonst auch eingegangen. Felder hofft, dass die Zahlen mit den Lockerungen wieder anziehen.

Für die Situation des Lehrstellenmarktes in Nidwalden zeigt sich der Berufsbildungsexperte für dieses Jahr noch zuversichtlich. Aktuell seien sogar noch über 200 Lehrstellen offen. Immerhin blieben im vergangenen Jahr ein Viertel aller Ausbildungsplätze unbesetzt. Fraglich sei einfach die weitere Entwicklung ab dem kommenden Jahr. Demnächst startet das Berufsbildungsamt Nidwalden deshalb bei den Lehrbetrieben eine Umfrage zum Lehrstellenangebot 2021.

Experte rät Lehrstellen-Bewerber zur Flexibilität

«Es hängt jetzt stark davon ab, wie sich die Lockerungen äussern, wie viel Ansteckungen es geben wird», sagt Pius Felder. Den Jugendlichen und ihren Eltern, die heute einen grossen Einfluss auf die Wahl des Ausbildungsplatzes ihrer Kinder hätten, rät er, «Flexibilität zu zeigen, den Fächer aufzutun und allenfalls auf verwandte Berufe auszuweichen».